In den Osterferien, die hier im Süden von Frankreich verhältnismäßig spät waren (sie begannen eine Woche nach Ostern), besuchten wir in der zweiten Woche die Hauptstadt Paris. Mit den Erziehern und den Jugendlichen aus „meinem“ Foyer „La Casèla“ sowie einigen „Knastis“ aus „Lou Cantou“ kamen wir insgesamt auf 18 Leute. Ich erzählte bereits, dass so ca. einmal im Monat ein längerer Aufenthalt in Bordeaux oder Toulouse angeboten wird. Das bedeutet: Samstagmittag die Anreise und am Sonntagnachmittag steht die Rückreise an.

In den Schulferien wird zu einer Hälfte für die Maison St. Roch gearbeitet (dadurch verdienen sich die Kinnings allerdings auch Taschengeld hinzu), in der anderen Hälfte haben die Jugendlichen die „freie“ Wahl. Denn: auch wenn sich dies manchmal so anhört, ist dies hier gewiss kein Gefängnis. Einige Immigranten haben in Frankreich Bekannte oder entfernte Familienangehörige, die sie dann alleine besuchen dürfen. Die anderen -und das betrifft den größten Teil- fahren dann zusammen in der Gruppe nach Marseilles, Carcassonne, Lyon, Nice oder zu anderen Städten im Süden Frankreichs. Einmal im Jahr geht’s nach Paris; quasi der Höhepunkt.

Zur Fahrt selber: Naja! Paris stinkt ohne Ende (die Metro ist ein graus), bietet -wie leider so viele französische Dörfer und Städte- kaum Grünes in den meisten Straßen (lediglich die Parks und einige grüne Inseln im Verkehrsdschungel bieten wahre Freiräume), ist total vermüllt (die Pariser pinkeln gerne überall hin; der Rest ein Müllhaufen), superteuer (sieben Euro für ein 0,5er Bier ist noch Durchschnitt in einer Bar oder 2,68 Euro für eine Tüte Haribo im Supermarkt) und dazu noch extrem laut und hektisch (dabei hat z.B. Berlin mehr Einwohner als die Stadt Paris). Als Berliner fand ich das einfach nur krass: denn Berlin ist im VERGLEICH sehr sauber. Jede Berliner Straße hat Bäume, Büsche, Sträucher oder Blumen und ist einfach schön grün! Man kann atmen. 3 Euro für einen halben Liter Hefeweizen sind normal.

Und mal abgesehen von den Gummibärchen für 83 Eurocent, ist es in Berlin (egal wo) nie so stressig. Aber Vergleiche sind irrelevant, denn auf der anderen Seite ist Paris die Stadt der Liebe, ja, der Harmonie. Diese Seiten bietet Paris gewiss auch. Beeindruckt hat mich vor allem die Architektur, die in gewissen Punkten den Berliner „Altbauten“ sehr ähnelt und ich sehr mag. Auf der anderen Seite sind da wieder die Milliarden von Touristen in der Stadt. Völlig nervig! Alleine am Dienstag, an dem ich zum ersten Mal so richtig die Gelegenheit hatte, Paris zu erkunden, hörte ich alleine beim Vorbeigehen in den Straßen mehr als 10 unterschiedliche Paare. In Anbetracht der Tatsache, dass ich nicht eine komplette Woche „frei“, sondern eine offizielle 41-Stunden-Woche hatte (im Endeffekt waren es wesentlich mehr), hab ich allerdings nur einen Bruchteil von Paris kennen gelernt. Zu wenig, um mir eine aussagekräftige Meinung zu bilden. Doch es reicht aus, um bereits jetzt zu sagen: Obwohl ich eine Großstadt zum (Über-)Leben bräuchte… nein, Paris ist keine Stadt, in der ich leben möchte.

Die Fahrt mit den Jugendlichen verlief im Großen und Ganzen ruhig. Gewiss, es gab immer wieder leichte Streitigkeiten. Aber wenn man sich vor Augen führt, was hier sonst so in der Maison abgeht, war es in Ordnung. Anstrengend war es für uns Erzieher allerdings dennoch. Die Jugendlichen hatten auch Verpflichtungen. Schließlich reisten wir als Gruppe an. So war es verpflichtend, zum Frühstück und zum Abendessen in der Herberge zu erscheinen, in der Nacht spätestens um 2 Uhr zurück zu sein, und an drei kulturellen Veranstaltungen teilzunehmen; wie ich fand, zu wenig. Ansonsten hatten die Jugendlichen sehr viel Freizeit. Freiräume, die für die Entwicklung jedes jungen Erwachsenen wiederum auch notwendig sind. Es wurden zwei Museen besucht, u.a. das Louvre, und ein Rummel am vorletzten Abend.

Was mich betrifft: Der Ausflug nach Paris war zugleich auch ein notwendiger Ausflug, um einmal über vieles nachzudenken. In der „Maison St. Roch“ bin ich sonst zu sehr eingeengt. Die freie Zeit und die passenden Orte fand ich in Paris, weitergebracht hat’s mich allerdings nicht. Wie auch immer… Ich genoss zwei Kinofilme im Original, auf großer Leinwand und mit astreinem Klang (ihr wisst, ich bin Klangfetischist). Möglichkeiten, die es hier in der Umgebung nicht gibt; dabei gehe ich total gerne ins Kino! Es waren „Inside Man“ und „Mission Impossible III“. Ich gehe hier nicht weiter auf die Filme ein, kann aber soviel sagen, dass ich die Beiden echt spitze fand. Die restliche Zeit war ich viel unterwegs und traf die meisten meiner Leute in Paris, die ich sehen wollte.

So, nun genug gesabbelt und ab geht’s zur Bildergalerie mit rund 150 Fotos. Viel Spaß! Und nicht vergessen, euren Senf als Kommentar dazu zu geben.

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