Werkzeuge für den Kurznachrichtendienst Twitter gibt es wie Sand am Meer: Laut TwitStat existieren 986 Client-Lösungen für die unterschiedlichsten Systeme, und selbst das dürfte nicht die Gesamtzahl darstellen. Schließlich gibt Twitstat an, nur diejenigen aufzulisten, deren User über ihr Profil liefen (also über ein Tracking identifiziert werden konnten). Interessant ist bei der Auflistung allerdings der Rückgang der Web-Nutzer: Während vor zwei Jahren noch 56 Prozent das Webformular über twitter.com nutzten, sind es mittlerweile nur noch 19 Prozent. Der Rest nutzt einen eigenen Twitter-Client, und deren Top 5 sind aktuell Tweetdeck, Tweetie, twitterfeed, HootSuite und Foursquare.

„Blu“ Motion

Bei rund 1000 Twitter-Clients haben es Neuzugänge natürlich schwer. Doch es gibt erfreuliche Ausnahmen wie das Beispiel von „blu“ aufzeigt. Das praktische Tool kommt aus der thirteen23-Schmiede. Eher unbekannt, die anderen Projekte auf deren Homepage lassen aber eines vermuten: Hier sind Macher am Werk, die vor allem schönes Design produzieren und komplizierte Technik zeitgleich benutzerfreundlich darstellen wollen. Diesen Spagat schafft „blu“ fabelhaft.

blu Twitter Client

Doch zunächst die Voraussetzungen: Der Twitter-Client „blu“ läuft unter Windows XP, Vista und Win7. Eine „.NET Framework 3.5„-Installation wird ebenfalls benötigt. Sollte dies vorliegen, dürfte einem Probelauf nichts entgegen stehen. Und soviel vorab: Es lohnt sich! Bei dem Download wird eine „blu.application“-Datei heruntergeladen, die durch einen Doppelklick das eigentliche und 10,4 Megabyte große Paket aus dem Netz lädt und automatisch installiert. Einfacher geht’s nicht.

Design und Technik auf der Höhe der Zeit

Der Start ist erfrischend angenehm. Nach Eingabe der Login-Daten fällt vor allem eines auf: Das Design rockt! Selten hat es ein Twitter-Client geschafft, Liebe auf den ersten Blick in einem auszulösen, und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Auf den ersten Blick stimmt alles. Die Animationen, die Bedienung, die Einfachheit, man möchte die Liste unendlich fortführen und den schnuckeligen Client virtuell umarmen. Natürlich sind die grundlegenden Funktionen auch bei anderen Twitter-Clients vorhanden. Es gibt jedoch einige Besonderheiten bei „blu“. Da wären z.B. die Favs. Dort können Freunde favorisiert werden. In der Liste erscheint dann ihr jeweils erster Tweet. Bei Vielpostern kann das durchaus Sinn machen und eine gewisse Übersicht schaffen. Etwas irritierend ist allerdings das Herz für die Favs; wohl aber eher eine Geschmacksfrage.

UPDATE [Januar 2011]: Leider hat diese Tabelle den Serverumzug nicht überstanden und ist nicht mehr erreichbar.

Deutsche Rechtschreibung im englischen Client

Die Eingabemase für neue Tweets zeigt sich freundlich, kompakt und als Inlay. Im Hintergrund des Textfeldes wird die noch verfügbare Zeichenanzahl angezeigt. Schön ist auch der automatische URL-Shorter, der Links „on the fly“ (via TinyUrl) in eine kurze URL verwandelt. Darüber hinaus besitzt der Client eine Rechtschreibung, die sogar auch Deutsch überprüft. Leider ist das restliche Programm auf Englisch. Bei den minimalen Funktionen von Twitter dürfte das allerdings kein großes Hindernis sein. Störend ist hingegen die festgelegte Höhe von rund 600px. Bei vielen (neuen) Tweets gestaltet sich dann das Scrollen als etwas nervig; auch die Minimierung nach unten rechts in den Infobereich fehlt leider und so bleibt das Programm immer in der Taskleiste. Irritierend ist auch die Tatsache, dass es keinen Support oder ein Forum gibt; nicht einmal die Versionsnummer für den Client ist bekannt. Das Einstellungsmenü befindet sich auf der Rückseite des Programms und sieht folgendermaßen um:

blu Twitter Client

Passenderweise haben natürlich auch die Entwickler einen Twitter-Account: Zum einen @thirteen23 und dann speziell nur für den Client @bluapp. Bleibt zu hoffen, dass in den nächsten Releases eine variable Größe und die Minimierung in die Windows-Symbolleiste eingebaut werden.

Bis dahin bleibt „blu“ einfach nur der coolste Twitter-Client!