Es ist wieder soweit! Aschermittwoch war Stichtag für die jährliche Aktion „7 Wochen ohne“. Bis Ostern wird gefastet, aber modern und auf völlig neuen Wegen. So viel vorab: Nein, Sie müssen es nicht christlich betrachten und Sie müssen natürlich auch kein Christ sein. Dieses Jahr feiere ich mein 10-jähriges „7 Wochen ohne“ und kann daher mit ein bisschen Erfahrung zurück blicken, Ihnen doch zumindest nahe legen, was es mit diesem besonderen Fasten auf sich hat und Ihnen einige Beispiele aufführen. Ich kann natürlich nur für mich sprechen, wenn ich sage: Es ist jedes Mal eine spannende Erfahrung. Dieser Artikel ist zugleich auch ein persönliches Tagebuch (siehe Ende des Artikels!). Ich freue mich auch über IHRE Beteiligung: Schreiben Sie einen Kommentar! Fasten Sie ebenfalls? Wie erging es Ihnen? Sie kennen die „7 Wochen ohne“ noch gar nicht? Was halten Sie davon? Würden Sie es sich zutrauen?

Rückkehr der gemeinchristlichen Tradition

Wir Protestanten sind ja nun nicht so die Fans des Heil-Fastens, haben die Reformatoren das Fasten doch abgelehnt. In den evangelischen Kirchen ist es kein Bußsakrament; für uns besteht also keine Pflicht! Trotz dessen ist das Fasten nicht abhanden gekommen. Die Rückkehr zu der christlichen (wohlgemerkt gemeinsamen) Tradition begann allerdings erst vor fast 30 Jahren in Hamburg: Journalisten und Theologen schworen 1983, in den rund sieben Wochen zwischen Aschermittwoch und Ostersonntagnacht zu fasten.

Im ersten Jahr nahmen gerade ‚mal 70 Leute teil, ein Jahr später 300, heute sind es laut einer emnid-Umfrage über 2 Mio Deutsche. Weitere 9 Mio Deutsche gaben bei einer forsa-Umfrage im Jahr 2007 an, währen der Fastenzeit auf bestimmte Nahrungsmittel zu verzichten. Das zeigt, dass es sich bei der Fastenaktion offensichtlich um kein Randphänomen handelt. Die Fastenaktion steht jedes Mal unter einem anderen Motto. Dieses Jahr sind es 7 Wochen „ohne Scheu“. Sie soll zum „Wagnis und zum Luxus echter Nähe“ ermuntern, so die Botschaft der evangelischen Kirche.

Die vergangenen 10 Jahre Fasten

Mein erstes Mal „christliches Fasten“ begann in meiner Berliner Heimatgemeinde, der Matthäuskirche. Unser Jugenddiakon Heiko lud im Vorfeld (nicht nur junge Erwachsene) zu einer gemütlichen Runde ein, die sich während der Fastenzeit sogar wöchentlich traf. Eine tolle Idee, denn so blieb man bei dem einen oder anderen Leiden nicht allein und konnte sich aussprechen. Mir persönlich ging es in erster Linie nie um ein Fasten im christlichen Sinne. So war mir der eigene Konsum zu wider und so verzichtete ich ‚mal sieben Wochen lang auf’s Fernsehen, den Computer, das Internet, Alkohol, Schokolade, Salzstangen. Es ging! Es geht aber auch dezenter:

In Berlin gibt es ja überall Rolltreppen (in U- und S-Bahnhöfen, Kaufhäusern etc.), doch eine ernsthafte Begründung für deren Nutzung gibt es nicht. Mit der Treppe ist man im schlimmsten Falle ein paar Sekunden langsamer „oben“, und gesundheitlich gesehen gab es bei mir keine Ausrede, eben nicht zu laufen. Nach sieben Wochen war ich nicht nur ein bisschen fitter, sondern habe in den Jahren danach auf Rolltreppen verzichtet. Es sind manchmal nur die kleinen liebgewordenen Gewohnheiten, die eigentlich gar nicht sein müssen. Die „7 Wochen ohne“ haben mir bislang immer gezeigt, dass sie eigentlich sieben Wochen mit sind!

„7 Wochen ohne Scheu“ im Jahr 2010

Es ist jedes Mal eine ernsthafte Auseinandersetzung mit einem selbst: Auf was kann man verzichten? Was wurde zur Regel und zur Gewohnheit, obwohl es sogar sinnvollere Alternativen gibt? Ich muss ehrlich sein: Dieses Jahr fiel es mir erstaunlich schwer, etwas Neues zu suchen. Kein Wunder: 2010 ist mein zehntes Jahr und so viele Laster habe ich nun auch nicht (gut, ich esse gerne). Aber so ein auferlegtes Fernsehverbot bringt bei mir einfach nichts, denn ich schaue vielleicht einmal in der Woche in die Glotze (und bin wohl ein Schreckgespenst für sämtliche Meinungsforschungsinstitute). Auf das Internet kann ich berufsbedingt nicht verzichten. Vielleicht minimieren? Aber das wäre wohl nur halbherzig. Auch Alkohol trinke ich selten; noch nicht ‚mal wöchentlich. Und Raucher bin ich nur passiv. Eine schwierige Angelegenheit! Hier mein Fasten im Jahr 2010.

  • FastFood

    Gut, mittlerweile kann Vieles als FastFood bezeichnet werden. So ein kleiner Cheeseburger schadet nicht! Auf der anderen Seite ist er nicht überlebensnotwendig. Lieber Köfke beim türkischen Imbiss oder ne Gemüsepfanne beim Chinesen um die Ecke! Das ist zwar auch irgendwo FastFood, aber deutlich gesünder. Deswegen werde ich mich bis Ostern immerhin von Burger King, KFC und McDonald’s fernhalten. Außerdem werde ich keine Pizza-Bringdienste anrufen.

  • Bücher

    Als Journalist habe ich tagtäglich mit Informationen aller Art zu tun und lese dementsprechend viel; Zu Hause oder unterwegs auch noch meist meine Abonnements! Aber so ein schönes Buch kam in den letzten Monaten extrem kurz. Deswegen wird das wieder mehr Bücher lesen mein „7 Wochen mit“.

  • Weniger Essen

    Keine Diät (fände ich sowieso völliger Quatsch), aber doch zumindest eine gewisse Zurückhaltung möchte ich während der Fastenzeit einhalten: Einfach etwas weniger Essen, mal auf ’nen Nachschlag verzichten und die Enthaltung von Fleisch.

  • Sport

    Wieder etwas „mit“: Sportlich gesehen hatte ich eine zu lange Pause, und das ließ sich nicht durch’s hobbymäßige Basketballspielen kompensieren. In der ersten Fastenwoche startet mein Training.

7 Wochen Twitter

Um SIE bei dem besonderen Fasten zu unterstützen, habe ich mir eine kleine Aufmerksamkeit überlegt: Jeden morgen um 6 Uhr schreibe ich über meinen Twitter-Account @Rockbaer einen passenden Bibel-Spruch. Das wird auch wegen der maximalen 140 Zeichen (einer Twitter-Nachricht) eine gewisse Herausforderung. Trotzdem möge der tägliche (Zu)Spruch Ihnen nicht nur Halt geben, sondern Sie auch zum Nachdenken anregen. Über den so genannten Hashtag #7WO können Sie weitere Gefährten finden, die bei „7 Wochen ohne“ mitmachen.

Die zentrale Anlaufstelle im Internet ist die offizielle Website der „7 Wochen ohne“-Aktion der Evangelischen Kirche in Deutschland. Dort finden Sie auch Fastengruppen aus Ihrem Ort und wo z.B. Fastengottesdienste im Fernsehen übertragen werden. Natürlich gewährt auch Wikipedia einen kurzen Überblick über die Aktion. Das christliche Magazin „Chrismon“ bietet in seinem Shop unterstützende Hilfen für die „7 Wochen ohne“ an. Am Sinnvollsten erscheint mir da der Kalender. Als eine Ergänzung betrachtet sich die Aktion „7 Wochen mit“ der selbständigen evangelisch-lutherischen Kirche. Sie bietet sogar deutlich mehr Information und Begleitung als die Präsenz der GEP an.

Mein Tagebuch

In unregelmäßigen Abständen schreibe ich an dieser Stelle über meine ganz persönlichen „7 Wochen ohne“. Ich starte am Aschermittwoch. Ein Mini-Tagebuch:

  • Tag 0 [16.02.]
    Ich bereite mich schon ‚mal innerlich auf „7 Wochen ohne“ vor. Morgen geht’s los! Puhh, bis Ostersonntagnacht sind es noch 47 Tage. Ich war immerhin schon fleißig und habe mir einige Bibel-Sprüche rausgesucht, die ich täglich um 6 Uhr morgens in meinem @Rockbaer-Twitter veröffentliche. Bin gespannt, wie das Anklang findet.
  • Tag 1 [17.02.]
    So, der erste Tag. Hurra! Aber mal im Ernst: die ersten Tage / ein bis zwei Wochen sind doch i.d.R. immer am Einfachsten. Ich habe mich für zwei Neuigkeiten entschieden: Zunächst wollte ich ja nur werktags auf Fleisch verzichten (Sonntag darf man ja theoretisch Fastenbrechen), aber ich probiere nun, komplett auf Fleisch zu verzichten. Außerdem hab ich mich zum Sport angemeldet. Freitagfrüh startet das Training. Mal schaun, wie ich das zeitlich alles schaffe.
  • Tag 2 [18.02.]
    Meine Güte, schon der erste Verstoß! Völlig unbewusst kaute ich auf ein Stück Fleisch herum und merkte erst bei der Hälfte, was ich da angerichtet habe. Vielleicht war diese kleine Sünde aber auch wichtig, um zu erkennen, wie sehr es
    in unserem gesellschaftlichen Konsum „normal“ wurde, Fleisch zu essen. Das sollte mir zumindest eine Lehre sein. Nunja, es geht motiviert weiter! Morgen endlich wieder Sport. Glücklicherweise in den Morgenstunden, in denen man noch Zeit hat. Ich hol mir nachher noch Batterien für die Waage, um in den „7 Wochen“ den Überblick zu bewahren. Allerdings ist mir „Abnehmen“ in der Fastenzeit nicht wirklich wichtig.
  • Tag 4 [20.02.]
    Ich bin selber von mir überrascht: Auf Fleisch zu verzichten ist gar nicht so einfach, wie ich es zu nächst dachte! Überall, fast schon täglich ist man irgendwie Fleisch. Im Einkaufswagen im Supermarkt lag schon die Salami, und im Restaurant hab ich zu erst nach Fleischgerichten Ausschau gehalten. Seltsam, wie man unbewusst auf Fleisch fixiert ist! Morgen ist Sport dran. Gleich um 9 Uhr, na toll!
  • Tag 8 [25.02.]
    Die letzten Tage waren recht anstrengend, und das gar nicht mal so wegen des Sports oder des allgemeinen Fastenprogramms (…das nur zur kurzen Info, warum so viele Tage seit dem letzten Tagebuch-Eintrag vergingen). Am Sonntag hat mein Sportprogramm begonnen, und mir geht es verdammt gut dabei, endlich wieder Sport zu treiben. Bis vor 5 Jahren hatte ich noch 4-5 mal pro Woche Sport (ja sogar, intensiv Kampfsport), doch auf einmal endete das, und der Herr wuchs nur noch in die Breite. Leute, die mich erst in den letzten zwei Jahren kennen gelernt haben, wundern sich immer über Fotos. Jedenfalls bin ich froh, wieder den Mut für Sport gefasst zu haben. Morgen gleich wieder Training. Während der Fastenzeit habe ich mir vorgenommen, alle zwei Tage zum Training zu gehen. Na mal schaun, wie es zu Ostern ausschaut ;-)
  • Tag 12 [01.03.]
    Alle zwei Tage Sport, das haut bislang hin. Sonst keine besonderen Vorkommnisse! Bei McDoof und Co bin ich bislang gut vorbeigelaufen. Das mit dem Fleisch-Verzicht hab ich gecancelled. Sorry, bin kein Vegetarier.