Als ich vor rund 30 Jahren unbewusst, ungewollt, doch zumindest ungefragt getauft wurde, bekam ich einen Patenonkel und eine Patentante zugeteilt. Kein unübliches Prozedere in der Evangelischen Kirche:

Die Paten vertreten gegenüber dem Täufling die christliche Gemeinde. Sie sollen für den Täufling beten, ihm in Notlagen beistehen und ihm helfen, ein lebendiges Glied der Kirche Jesu Christi zu werden. Da die Konfirmation das bewusste Ja zur Taufe darstellt, endet das Patenamt formal mit der Konfirmation des Täuflings. Ein Patenamt ist in der Bibel nicht vorhanden. Eine Taufe ist auch ohne Paten gültig, jedoch sollen bei Kindern (unter 14 Jahren) mindestens zwei Paten benannt werden. Bei der Taufe von Erwachsenen sind Paten nicht vorgesehen. Die Zahl der Paten war – abgesehen vom Adel – für ein Kind bis ins 20. Jahrhundert auf zwei bis drei beschränkt. (…) Das Patenamt kann weder zurückgenommen noch abgegeben werden. (Quelle: Wikipedia)

Mein Tatort war kein unbedeutender: Die Dorfkirche im früheren Rittergut Giesensdorf. Nun gut, man könnte halt auch sagen: So ne kleene, schnuckelige Kirche im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf, die man des Prestiges wegen ausgewählt hatte. Die Dorfkirche Giesensdorf wurde im Jahr 1250  erbaut und im Zweiten Weltkrieg bis auf die Grundmauern zerstört. Doch erst 6 Jahre vor meiner Taufe wurde die Dorfkirche wieder aufgebaut.

1981 standen sie wohl drin: Meine Patentante und mein Patenonkel. Und ähnlich wie die Erinnerung an die Taufe, blieben die Erinnerungen an meine Paten. Er (ich glaube Nikolaus hieß er mit Vornamen) wurde von meinem Vater ausgesucht, und sie (mit Namen Claudia) von meiner Mutter. Das letzte Mal dürfte ich sie vor einem viertel Jahrhundert gesehen haben.

Nun begegnete mir vor ein paar Wochen auf einer Geburtstagsparty ein hübsches Mädel. Kira war ihr Name. Man quatschte über dieses und jenes und addete sich ein paar Tage später bei Facebook. Vor wenigen Tagen fragte sie mich, sag mal Sebastian, kannst Du mit meinem Nachnamen gar nichts anfangen? Ich erwiderte, nein, woher auch? Dann ergänzte sie mit „Claudia“. Nein, immer noch nichts. Sie ist meine Mutter. Aber auch da machte es bei mir nicht Klick. Der geneigte Leser wird es schon längst geahnt haben: Sie sprach von meiner (längst verschollen geglaubten) Patentante. Irre, ich war richtig baff!

Stundenlang schüttelte ich dezent den Kopf und murmelte nur „verrückt“ vor mich hin. Aber es kommt noch verrückter: Nun war ich in diesen Tagen bei meinen Großeltern, genauer genommen bei meinem Großvater und meiner Stiefoma. Ein grauenhaftes Wort, ich weiß, aber nach dem Tod meiner Oma Anfang der 90er heiratete mein Opa noch einmal. Ingrid heißt sie und die hatte Besuch von ihrer Tochter Nina, die mit ihrem Mann und den Kindern (alle leben und arbeiten in den Niederlanden) in Berlin waren.

Nina erzählte ich nun von dieser verrückten Geschichte, und murmelte wieder den Nachnamen vor mich her. Dann sagte sie: „Kira? Kenn ich!“ Denn Nina war in ihrer Studentenzeit 4-5 Jahre lang Basketball-Trainerin von Kira. Verrückt, oder? Mehr fällt mir dazu nicht ein :-D Und so werde ich vermutlich im August und nach rund 25 Jahren meine Patentante wiedersehen. Verrückt! Das Foto ganz oben zeigt übrigens Kira und mich, als ich vier Jahre und sie wenige Wochen alt war.