Wenn ich nach dem Gernsehclub frage, gibt es im Grunde genommen nur zwei mögliche Antworten: Die einen bringen lediglich ein dezentes „häh?“ heraus. Die anderen fangen an zu lächeln und die Augen beginnen zu strahlen, als hätten sie als Vierjähriger einen Lutscher gekriegt. Die Lolli-Kandidaten waren bereits im Gotischen Saal. Für diejenigen, die jetzt möglicherweise ganz neidisch auf den Lutscher blicken, fasst Bürger Lars Dietrich den Gernsehclub für Sie zusammen (siehe obigen Audioplayer).

Und genau so ist es: vor allem gemütlich! Der Lutscher-Vergleich passt übrigens insofern, als dass der Gernsehclub an alte Zeiten erinnern will. An Zeiten, als es noch keine dusseligen Call-In-Abzocke-Shows gab und Dokusoaps ein verzerrtes Bild der Gesellschaft darstellten. Nein, der Gernsehclub will das alte Feeling vom gemeinsamen Glotzen hervorkitzeln, als man sich mit den Eltern oder mit Freunden gezielt vor bestimmten Fernsehsendungen am Wochenende versammelte; man denke nur an die 80er mit Wetten, dass…?, die Lindenstraße oder den Tatort. Gewiss, diese Sendungen gibt es auch heute noch. Aber es war früher immer etwas Besonderes. Und das bekommt der Gernsehclub fabelhaft hin.

Mit Hot­Dogs vor die Glotze

Unterstützt wird dieses Feeling durch ein Wohnzimmer mit überdimensionalem Lampenschirm, der -wäre er nicht so groß- einem Biedermeier-Wohnzimmer entrissen sein könnte, und gemütlichen Sitzkissen zum Flätzen. Im unverschämt günstigen Eintrittspreis sind außerdem HotDogs und jede Menge Süßigkeiten mit dabei; und auch für die Nackenmassage ist gesorgt. Sowohl Zuschauer als auch die Promis sitzen gemeinsam um die großen Flachbildschirme, die wie bei einem Lagerfeuer in der Mitte stehen. Man könnte fast schon meinen:

Es ist schöner als damals!

Gegründet wurde der Gernsehclub u.a. von den Comedians Oliver Kalkofe, Oliver Welke und Bastian Pastewka. Die Fernbedienung hält aber meist Bürger Lars Dietrich in der Hand, der eine wahre Bereicherung für dieses Format ist. Ein äußerst sympathischer, ja „echter“ Kerl. Im ARD-Hauptstadtstudio kann Lars Dietrich, der gerade mit Beinbruch im Krankenhaus liegt, terminlich nicht dabei sein. Im Februar vertreten ihn Oliver Kalkofe, der radioeins-Moderator Robert Skuppin („Der Tag“) und Wolfgang Bahro (Jo Gerner aus GZSZ).

Der Gernsehclub startet pünktlich zur Primetime um 20.15 Uhr; es wird aber nicht einfach das Fernsehen angemacht, sondern es steht immer ein bestimmtes Thema auf dem Programm. So gab es z.B. letzten Monat eine Muppet-Show-Premierenparty. Spannend wird’s allerdings, wenn Oliver Kalkofe in Deutschland wenig bekannte Fernsehformate genauer vorstellt. Kalkofe kann nicht nur lästern, sondern hat auch jede Menge Ahnung, verpackt sie mit Witz und zeigt, dass Deutschland auch mutiger mit Film- und Fernsehproduktionen sein sollte.

Ohne Rückkehr zum Gotischen Saal

Hinter den Kulissen war übrigens zu erfahren, dass man wohl nicht mehr zum Gotischen Saal auf den Kreuzberg zurückkehren wird. Dafür steht aber schon der Folge-Termin fest; es wird der 2. März. Zunächst aber erstmal die Veranstaltung im Februar mit doppelt so vielen Plätzen. Dies sei „klar eine andere Atmosphäre“, man hoffe aber dennoch auf’s bewährte Wohnzimmer-Feeling, hieß es auf Nachfrage.

Mit Experimenten -wie jetzt im ARD-Hauptstadtstudio- hat der Gernsehclub aber schon immer ein gutes Programm gefahren: Bereits 2009 gab es eine kleine 4-Städte-Tournee, um die „lustige Idee nach Deutschland zu bringen“, wie mir damals Bürger Lars Dietrich in Düsseldorf sagte. Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis das wunderbare Konzept deutschlandweit Früchte tragen wird. In Berlin hat sich der Gernsehclub zumindest zu einer festen Institution mit fast immer ausverkauften Plätzen entwickelt.

Mit Schirm, Charme und Süßigkeiten

Am 16. Februar wird Robert Skuppin die skurrile britische Fernsehserie „Mit Schirm, Charme und Melone“ anschalten. Im Übrigen sei angemerkt, dass der Kultursender ARTE derzeit über 50 bisher noch nicht ausgestrahlte Episoden zeigt (täglich um 18.05 Uhr): John Steed und Emma Peel, der Gentleman und die knallharte Karate-Lady hat Generationen in den Bann gezogen. Eine Agentenserie aus den 60er und 70er Jahren mit insgesamt 187 Folgen (!), die sich in keine Schublade packen lässt. Eine grandiose Serie und ein hoffentlich angenehmer Abend.