Wenn mir Leser schreiben, dies sei ein „guter Blog-Eintrag“, könnt ich mich aufregen! Nein, ich trage nichts ein, sondern trage als Journalist zur öffentlichen Meinungsbildung bei. Ich schreibe keinen Blog-Eintrag, sondern verfasse Artikel. Als hauptberuflicher Journalist will ich Informationen verbreiten und ich soll es auch. Als Journalist habe ich mich zum Pressekodex des Deutschen Presserates bekannt. Ja, ein Journalist ist gefordert und verpflichtet. Ein Blog, der vom Ansehen her immer auch eine Prise private Meinungsäußerung enthält, wertet die journalistische Arbeit ab. Dabei ist es egal, ob der Autor nun hauptberuflicher Journalist ist oder im privaten Rahmen ordentliche journalistische-redaktionelle Inhalte produziert. Ein Großteil der Blogosphäre schreibt halt „zum Spaß“ und das beeinflusst natürlich das Ansehen derjenigen, die die Sache ernsthaft betreiben. Problematisch wird es vor allem, wenn eine Trennung zwischen Werbung und redaktionellen Texten nicht klar erkennbar ist (siehe auch Pressekodex, Ziffer 7). Bei einem privaten Blog weiß der Besucher zunächst nicht, ob publizistische Leitlinien eingehalten werden.

Alternative zum Begriff „Blog“?

Ich will den Graswurzel-Journalismus nicht schlecht reden. Im Gegenteil: Es ist eine grandiose Chance, die die Verlage noch nicht so recht erkannt, zumindest ordentlich umgesetzt haben (ich hoffe, der Trend geht jedenfalls nicht in Richtung „BILD-Leser-Reporter„). Viele Blogger verfolgen meist ähnliche Ziele unter Verwendung gleicher Methoden wie die eines Journalisten. Das liegt vermutlich auch daran, dass jeder dritte Blogger journalistische Erfahrungen besitzt und ein Großteil sich freiwillig an gewisse redaktionelle Leitlinien hält (siehe auch diese Synopse). Ich frage mich allerdings, ob es keinen anderen Begriff dafür geben kann? Der „Blog“ ist mittlerweile derart festgefahren, dass er gar nicht mehr hinterfragt wird. Laut Wikipedia ist ein Blog eine Art Tagebuch. Gerade wenn wir uns den eigentlichen Begriff „Weblog“ anschauen, ist das Online-Tagebuch eine lediglich bessere Beschreibung für elektronisches Logbuch oder Protokoll im Internet.

Die unsichtbare Hand schlägt zu

Aber meine Plattform www.Rockbär.de ist kein Tagebuch, und viele Webseiten, die journalistische Artikel veröffentlichen, sich aber zwangsweise Blog nennen (nur weil sie ein Content-Management-System benutzen, das von vielen Bloggern benutzt wird), ebenfalls nicht! Welche Darstellungsform im Online-Journalismus wäre also sinnvoller? Gibt es keinen Typ, der diesen vermeintlich schwierigen Spagat schafft? Offensichtlich nicht. Vielleicht ginge noch Online-Magazin, allerdings wird ein Magazin in regelmäßigen Abständen publiziert, wodurch dieser Begriff dann (meist) doch nicht passt; eine Internet-Zeitung erst recht nicht. Immerhin wird bei einem Blog zwischen personal und non-personal differenziert. Nüchtern betrachtet bleibt es dann vermutlich beim (non-personal) Blog. Die unsichtbare Hand hat wieder zugeschlagen. Bähm!