Was würde ich nur ohne Facebook machen? Ich hätte viel, viel weniger Freunde! Ich müsste mir einen Kalender zulegen, um die Geburtstage meiner viel zu wenigen Freunde einzutragen. Ich müsste den Kalender auch jeden Tag manuell öffnen. Keiner, der mir etwas vorkaut und mich per e-mail erinnert. Keiner würde mich mehr in Fotos taggen, man müsste mit einem Finger auf eine Person zeigen, sich an den Namen erinnern, und den dann noch aussprechen. Ich hätte viel mehr Zeit; ich wüsste nicht, wie ich sie verplempern sollte. Ich müsste Leute umarmen. Warum diese Qual? Ein Stupser-Klick ist doch viel besser. Da muss ich mich noch nicht mal duschen. Köperliche Gefühle? Wozu denn? Wozu echte Freunde? Ich hab ’ne neue Grafikkarte. Sonnenlicht ist voll 80er! Ich müsste mein sinnentleertes Gelaber für mich behalten. Ich könnte kein sinnentleertes Gelaber mehr von anderen „Freunden“ lesen.

Ohne Facebook bekäme der Begriff „Freundschaft“ wieder eine ernsthafte und ehrliche Bedeutung. Aber wozu? Die Welt ist ein Dorf und wir Bauern sind alle Freunde. Ich müsste auf Arbeit arbeiten und könnt nicht mehr farmvillen, die Schaafsscheiße aufsammeln, sie mit anderen teilen, ob sie wollen oder nicht. Und wenn sie das nicht wollen, spamme ich so lange zu, bis sie mir die Freundschaft kündigen. Ohne Facebook müsste ich e-mails schreiben. Wann tat ich das das letzte Mal? Einen echten Brief? Ich krieg schon Krämpfe, wenn ich irgendwo mal meine Unterschrift abgeben muss. Nach einem Brief könnt ich direkt zur Ergotherapie. Ohne Facebook gibt es viel mehr „Gefällt mir nicht“-Buttons. Die echten Menschen hinterfragen viel mehr. Ekelhaft! Ohne Facebook hätte ich eine Privatsphäre. Ich bräuchte mir keine Sorgen machen, welche Apps welche Nutzerdaten von mir weiterverwerten und illegal zweckentfremden. I’m addicted. Ich hab nur keine Ahnung weshalb. Ein Leben ohne Facebook ist möglich, aber sinnlos.

Facebook feiert heute seinen dreijährigen Geburtstag: Am 3. März 2008 um 6 Uhr wurde die deutsche Version von Facebook online gestellt.