Die Fernsehsendung Kesslers Expedition von Berlin über die Uckermark bis hin an die Ostsee führte im Juni zum Quotenrekord beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). Nun ist ist das dritte Abenteuer mit dem Schauspieler Michael Kessler gestartet. Im Interview mit Sebastian Pertsch spricht er über seine fünfteilige Expedition entlang der Havel, undifferenzierte Ost-Reportagen, seine neue Liebe zu Brandenburg, den Brückenschlag vom Fernsehen zum Internet und über die notwendige Distanz zu seinen Parodierten. Das Interview erschien als Zusammenfassung bei W&V Online, nachfolgend das komplette Gespräch mit Michael Kessler.

Von der Quelle bis zur Mündung der Havel warst Du mit einem Floß unterwegs. Klingt nach Abenteuer!

(lacht) Es war nicht die Quelle. Dort hätten wir mit dem Floß gar nicht einsetzen können, es war etwas weiter hinten.

Aber in der Pressemitteilung stand das so…

Das haben die wohl mit der guten Spree-Expedition vertauscht. Da sind wir tatsächlich an der Quelle gestartet, nicht aber bei der Havel. Es war ein großes Abenteuer – alleine schon die Dreharbeiten! Ich finde es heutzutage nicht mehr selbstverständlich, dass Leute vor Kamera und Mikro treten. Die meisten Menschen haben sich aber trotzdem auf die Gespräche eingelassen; und die waren nie abgesprochen. Ich gehe einfach spontan auf die Leute zu, spreche sie an und gucke, was dann passiert. Das ist ja auch das Tolle an diesem Format: Die Realität wird abgebildet, so wie sie wirklich ist. Wir können dadurch auch Momentaufnahmen mitnehmen, die es nicht gäbe, wenn wir vorher alles verabreden und die Leute dann nervös wären.

Kesslers Expedition

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Das hat mich auch bei Deinen letzten Expeditionen auf der Spree und in der Uckermark fasziniert, dass Du eben nicht das klischeehafte Elend des Ostens gezeigt hast, sondern auch viele schöne Seiten, völlig ohne Script.

Das ist sehr gut und fein beobachtet von Dir. Das nervt mich schon lange, dass die meisten sogenannten Reportagen und Dokumentation inzwischen nur noch ein Bild vom arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger – rechtsradikal, frustriert, doof, hässlich – zeigen. Ich kannte den Osten Deutschlands überhaupt nicht und lernte ihn erst durch die Expeditionen richtig kennen. Vor Ort zeigt sich ein völlig anderes Bild. Natürlich gibt es Probleme, aber die sind dann differenzierter, als manche Reportage weis machen will. Deswegen war es unser Wunsch, den Osten anders zu zeigen. Und das geht! Wir haben viele tolle, sehr kommunikative Menschen getroffen.

Kesslers Expedition

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Du warst mit einer schwimmenden Hütte auf engen 17 Quadratmetern unterwegs. Darin hast Du jetzt aber nicht geschlafen?

(lacht) Ab und zu, aber nicht komplett. Wir hatten das eigentlich durchgehend geplant, aber nach einem 14-Stunden-Drehtag wollte ich dann doch noch gerne eine Dusche in Anspruch nehmen. Aber ich habe durchaus auf dem Floß geschlafen – das war kein Fake. Es ist nicht so, dass der Herr Kessler abends immer ins Grand Hotel geht.

Wie viele Stationen gab es auf Deiner Tour?

Wir waren im Juli 14 Tage unterwegs – also 14 Stationen. Wir haben natürlich vorher die Liegeplätze ausgesucht, an denen wir übernachten. Aber wir haben uns treiben lassen. Es gab Momente, in denen wir spontan irgendwo angehalten haben. Manchmal passierte dann gar nichts und an anderen Stellen wiederum schon. So haben wir zufällig eine alte Werft entdeckt, die zu DDR-Zeiten blühte, heute aber nur noch Reparaturen ausführt. Die restaurierten gerade die alte DDR-Staatsyacht von Wilhelm Pieck. In solchen Momenten verweilen wir dann länger, unterhalten uns mit den Leuten und fahren dann erst weiter.

Sind euch Fans gefolgt?

Es gab Fans, die auf der Strecke auf uns gewartet haben. Gegen Abend sind wir an einem kleinen Ort vorbeigefahren. Da standen zwei an einem Anleger und haben tierisch gewunken und gerufen. Wir waren aber schon auf dem Weg zur Übernachtung und ich hatte deswegen nur zurückgewunken. Fünf Minuten später dachten wir uns ‚Nein, also irgendetwas war da, wir müssen noch mal zurück!‘. Und tatsächlich: Die standen bereits über eine Stunde dort und warteten extra auf uns. Übers Internet erfuhren sie unseren ungefähren Standort. Wir hielten an und unterhielten uns. Das fand ich natürlich toll.

Kesslers Expedition

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Wie groß war euer Team, wie viele Boote begleiteten Dein Floß?

Wir sind immer mit kleinem Team unterwegs: ein Kameramann, ein Tonmann, ein Realisator, ein Producer, der das Beiboot fuhr, und noch einer, der die Tour mit dem Kleinbus für das ganze zusätzliche Equipment begleitet.

Wieso wurde eigentlich schon so schnell die 3. Staffel gedreht? Im Fernsehen lief gerade die 2. Staffel aus, dann gab’s Anfang Juli die Ankündigung, Kessler sei zu Dreharbeiten sogar schon wieder unterwegs und am 19. August wird die neue Expedition ausgestrahlt. Manchmal geht’s also auch schnell bei den Öffentlich-Rechtlichen.

Man darf nicht glauben, dass die Öffentlich-Rechtlichen so komplett anders funktionieren als die Privaten. Wenn ein Format erfolgreich ist, und das war so bei Kesslers Expedition, dann reagieren und entscheiden die auch schnell. Der rbb wollte eine 3. Staffel sogar noch in diesem Jahr drehen, nämlich die Havel, und dann ging das auch ganz fix. Die letzte Staffel war ja ein großer Erfolg und kam wahnsinnig gut an. Deshalb bekamen wir auch einen neuen Sendeplatz, Freitagabend, um 20.15 Uhr. Es freut mich natürlich sehr, dass die Zuschauer diese Art Fernsehen mögen. Unser Format ist ruhig geschnitten, hat ein langsames Tempo und Mut zur Pause. Dass das aber wieder einen Wert hat und mir viele Leute sagen ‚Das ist so toll, das ist so ruhig und man hat Freude, mit euch zu fahren.‘ ist ein gutes Zeichen.

Kesslers Expedition

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Die zweite Staffel von „Kesslers Expedition“ verfolgten bis zu 450.000 Zuschauer. Ein Quotenrekord beim rbb. Wie erklärst Du Dir diesen Erfolg?

Wir haben auf dem Montagsplatz die beste Quote eingefahren, die der rbb mit einem Format dort hatte. Ich glaube, zum einen sehen natürlich viele Brandenburger sehr gerne ihre Region im Fernsehen. Zum anderen gibt es aber auch Menschen von außerhalb, die sich durch Kesslers Expedition inspiriert fühlen. Die schreiben mir dann ‚Wir machen das jetzt auch, wir wollen auch mal an die Spree, holen uns ein Paddelboot oder fahren mit dem Fahrrad da lang‘. Wir sind eben nicht das fünfhundertste Format, das behauptet, es sei ein „Reality“-Format, obwohl es gar keines ist. Wir wissen ja, dass viele Formate am Nachmittag im Privatfernsehen alles andere als mit der Realität zu tun haben.

Wie ist dann die offizielle Formatbezeichnung für „Kesslers Expedition“?

Kann ich Dir gar nicht sagen, weiß ich gar nicht. (überlegt) Ein Unterhaltungsformat? Eigentlich ist es ja Reality-TV, aber dieser Begriff wird so falsch benutzt, dass man es so nicht mehr nennen will. Ich glaube, dass der Zuschauer inzwischen sehr genau weiß, wo er betrogen wird im Fernsehen. Das kriegt er relativ gut mit. Die Zuschauer schätzen es bei uns sehr, dass wir niemand vorführen und durch den Kakao ziehen.

Kesslers Expedition

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Aber auf der anderen Seite gewinnen doch gerade solche Formate immer mehr Zuschauer. Die Marktanteile steigen bei solchen Reality-Formaten.

Da geht’s um Streit und Zoff vor Gericht, auf „Malle“ oder zu Hause. Das ist ja alles gruselig, hat aber den voyeuristischen Effekt beim Zuschauer. Es ist viel einfacher auf den Putz zu hauen oder alles runterzumachen. Wir sind leiser unterwegs, positiver, mit Mut zur Pause.

Kesslers Expedition

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Für viele Deiner Fans werden manche Stationen in dem Fünfteiler nicht neu sein. Auf Deinen Touren hast Du via Twitter und Facebook mit Texten und Fotos über Deine Erlebnisse berichtet. Was bedeutet Dir dieser Brückenschlag?

Der war mir von Anfang an wichtig – auch schon bei der Berliner Nacht-Taxe im rbb. Da haben wir viel experimentiert. Nicht nur per Twitter. Man konnte die Dreharbeiten live per Videostream im Internet verfolgen. Auf den Expeditionen fehlten uns dafür leider das technische Equipment und der nötige Empfang. Dennoch berichte ich von den Dreharbeiten. Ich finde es wichtig, den Zuschauern etwas Spezielles zu bieten. Per Fotos oder Filmchen sind sie quasi beim Dreh „dabei“. Oder ich schreibe auf, wo ich gerade bin, und die Zuschauer kommen – wie gerade erzählt – dann sogar vorbei. Ich finde, die Verbindung zwischen Internet und Fernsehen muss hergestellt werden. Die ist zwar schwierig, da brechen wir uns alle einen ab, aber ich versuche es zumindest. Viele junge Menschen haben ja gar keinen Fernseher mehr. Vielleicht kann man ja über das Internet den einen oder anderen gewinnen, wieder rbb zu gucken. Und umgekehrt kann man natürlich auch neues Interesse der Fernsehzuschauer wecken, ins Internet zu schauen.

Nutzen die Medien zu wenig die Social Media-Möglichkeiten?

Die Sender sind dabei. Es gibt Kollegen, die überhaupt nicht in den Sozialen Netzwerken präsent sind. Mich hat das Internet von Anfang begeistert und ich arbeite viel damit. Alles verlagert sich immer mehr ins Web. Wenn man da den Anschluss verpasst, ist das einfach doof. Gerade junge Menschen schauen sich immer mehr Fernsehinhalte nur noch auf dem Computer an, oft nur häppchenweise. Da muss man via Internet den Kontakt halten, der im Fernsehen vielleicht verloren geht.

Kesslers Expedition

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Wie ging der rbb mit Deinen Social Media-Aktivitäten um?

Super. Ich hab das zwar mit Facebook und Twitter vorangetrieben, aber der rbb hat immer offen und positiv darauf reagiert. Es ist ja nicht alles so einfach im Öffentlich-Rechtlichen. Darf man ein Facebook-Plugin einbauen oder ist das schon Werbung? Der rbb steht unseren Experimenten offen gegenüber, war immer sehr motiviert und hält auch die Webseite von Kesslers Expedition immer frisch und aktuell.

Gibt es auch etwas, das Dich an Social Media stört? Jeder twittert dort seinen Kaffee, aber ist das die einzige Kritik, die man aufbringen kann?

Diese Twitterei mit ‚Ich mach mir jetzt Müsli‘ finde ich überflüssig. Das betrachte ich als Datenmüll. Man sollte nur dann etwas schreiben, wenn man auch was zu sagen hat, vielleicht auch etwas Lustiges. Manchmal kommt Kritik: ‚Du machst da ja nur Werbung für Deine Sendung‘. Natürlich benutze ich dieses Tool auch beruflich, ist ja klar. Der große Unterschied zu vielen anderen Kollegen ist aber die Tatsache, dass ich alle Plattformen persönlich pflege und nicht irgendein Manager. Ich twittere und facebooke nicht jeden Tag, aber ich bin regelmäßig dabei und poste über Sendehinweise hinaus auch anderen Content – kritische Artikel oder lustige Videos, die überhaupt nichts mit mir zu tun haben. Im Übrigen erreicht man via Social Media inzwischen mehr User als über die offiziellen Websites. Die Leute tauschen sich immer mehr über Facebook und Twitter aus.

Kesslers Expedition

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Dieter Nuhr hat bei Twitter doppelt so viele Follower und bei Facebook fast fünfmal so viele Fans wie Du. Im Gegensatz zu ihm hältst Du aber mit Deinen Kreisen Kontakt, reagierst auf Kommentare. Nuhr antwortet nie.

Das finde ich auch seltsam. Ich denke, dass der Austausch bei Social Media dazugehört. Sonst reicht ja eine langweilige Website. Wenn Fragen der Fans aufkommen, sollte man sie auch beantworten. Bei Social Media ist doch gerade der Austausch gewollt und auch oft spannend. Da kommen teilweise interessante Sachen raus – aber auch Lustiges und Kreatives. Ich versuche, alles zu lesen und zu beantworten.

Kesslers Expedition

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Noch mal kurz zurück zu Deiner neuen Expedition. Als Berliner habe ich bis letztes Jahr für 4 Jahre in Nordrhein-Westfalen gelebt und mein Eindruck war häufig, dass die Rheinländer kein sonderlich großes Interesse am Osten haben. Klar, Berlin als Party- und Tourismus-Metropole, aber Brandenburg kennen viele nur von Rainald Grebe. Du lebst in Köln und hattest gerade schon erwähnt, dass Dir vorher der Osten völlig fremd war. Was war denn Dein erster Eindruck vom Osten und was hat Dich besonders überrascht?

Das war diesmal besonders spannend: Wir trafen mehrere Rentner, die ihr Leben im Westen aufgegeben haben und in den Osten gezogen sind. An der Havel sei es schöner, sagen sie, und sie leben günstiger, hätten mehr von ihrer Rente. Das habe ich vorher noch nie so gehört. Ich weiß von vielen Wessis, dass sie immer noch Vorurteile haben, beispielsweise zum Urlaub in den Osten zu fahren. Alle Wessi-Touristen, die ich an der Havel im Urlaub antraf, waren aber Wiederholungstäter. Sie hatten sich in die Region verliebt – mir geht es übrigens genau so! Die Natur ist fantastisch! Und man hat noch Regionen, wo es nichts gibt: keinen Mensch, kein Haus, keinen Strommast. Da sind nur Felder, Wälder, Flüsse und Wiesen. Wer Ruhe sucht, wer Erholung sucht, oder auch einen günstigen Urlaub für die Familie sucht, dem kann ich nur sagen: Nix wie hin! Die ganzen Vorurteile gegenüber den Menschen sind bescheuert. Die meisten waren viel kommunikativer und offener als mancher Wessi.

Kesslers Expedition

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Es ist vielleicht etwas früh gefragt, aber Du würdest sicherlich eine vierte Expedition wagen, oder? Rein rechnerisch müssten im September die Dreharbeiten beginnen.

(lacht) Das schaffen wir leider nicht mehr. Wir hatten das zwar für dieses Jahr noch überlegt, aber alleine aus logistischen Gründen geht das nicht mehr. Ich denke aber, dass wir nächstes Jahr weitermachen und uns auf neue Abenteuer einlassen werden.

Bislang warst Du ja vor allem für den rbb auf Wanderschaft. Welche Gebiete Deutschlands, die Du möglicherweise nicht kennst, möchtest Du gerne kennenlernen?

Alle! Wir produzieren Kesslers Expedition aber mit dem rbb und sind dadurch erst mal an das Sendegebiet Berlin-Brandenburg gebunden. Natürlich könnte man auch mal sagen ‚Der Kessler latscht durch Bayern oder durchs Saarland‘. Das ginge vermutlich nur über eine Co-Produktion mit einem anderen ARD-Sender.

Bist Du denn exklusiv gebunden?

Nein, ich nicht, aber das Format. Letztendlich macht der rbb regionales Fernsehen, das heißt, ich kann jetzt nicht in München für Kesslers Expedition herumlaufen. Was die Zukunft aber bringen wird, wissen wir natürlich nicht.

Kesslers Expedition

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Haben sich eigentlich auch bestimmte Klischees vom vermeintlich typischen Brandenburger bestätigt?

(lacht) Die Brandenburger waren viel besser gelaunt und gesprächiger als die Berliner. In Berlin wird oft gemotzt und wir werden schief angeguckt nach dem Motto ‚Was willst Du denn hier?‘ oder man wird überhaupt nicht zur Notiz genommen. Die Brandenburger waren dagegen sehr vergnügt.

Gab es auch mal Probleme beim Dreh? Hattet ihr Sorge, dass ihr den ganzen Tag unterwegs seid, aber zum Schluss nichts Brauchbares auf Band war?

Diese Angst haben wir immer bei der Expedition, aber ‚Toi, toi, toi!‘ Wir haben bisher immer mehr Material gehabt, als wir zeigen konnten. Was natürlich auch jammerschade ist, weil dann vieles in der Tonne landet, was hart erarbeitet wurde. Gerade bei schlechtem Wetter, wenn weniger Menschen unterwegs sind, ist diese Angst immer präsent, nicht genug Material zusammenzubekommen. Aber das Leben hat doch viele Geschichten parat. Bei der letzten Staffel ist ja der Esel über Nacht weggelaufen. Auf dem Floß ist – bis auf ein paar leere Tanks – aber nichts passiert.

Kesslers Expedition

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In der Fernsehsendung Switch Reloaded schlüpfst Du bekanntlich in zahlreiche Rollen: vom Nachrichtensprecher Peter Kloeppel, über Moderator Günther Jauch, Polit-Talkmaster Frank Plasberg, Schlager-Star Florian Silbereisen, Fernsehkoch Horst Lichter bis hin zu Adolf Hitler und dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad. Die Liste ist facettenreich und lang, aber auch endlich. Gab es schon mal Rollen, die sich nicht umzusetzen ließen?

Ich habe mal Guido Cantz parodiert, aber das war irgendwie nix. Das passiert durchaus ‚mal, dass man eine Figur spielt, und dann scheitert es an der Maske oder sie lässt sich einfach nicht umsetzen. Das passiert jedem Kollegen von „Switch Reloaded“ – die Umsetzung kann nicht immer ein Volltreffer sein. Wir versuchen im Vorfeld so gut es geht abzuschätzen, wer was spielen kann und wie wir mit der Maske helfen können. Aber eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nie.

Wer fehlt Dir auf der Liste? Gäbe es jemanden, den Du gerne mal parodieren würdest?

(lacht) Das ist immer davon abhängig, wer uns aktuell einen Grund zur Parodie liefert. Und dann müssen wir im Auge behalten, ob die betreffende Person in einem halben Jahr noch da ist. Das ist bei Politikern und den sogenannten Promis ja oft nicht mehr der Fall.

Wobei Du Dir jetzt mit Jauchs neuer Polit-Talksendung bestimmt was Neues einfallen lassen musst.

Ja, aber da freue ich mich natürlich auch sehr drauf, weil es endlich mal die Möglichkeit gibt, Jauch anders zu zeigen als bei „Wer wird Millionär?“ oder bei „Stern TV“. Die Polit-Talkshow wird – glaube ich – schöne, neue Parodie-Möglichkeiten bieten.

Kesslers Expedition

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Es ist kein Geheimnis, dass sich einige Deiner Parodierten wie Günter Jauch, Florian Silbereisen oder Peter Klöppel für Dich aussprechen, Deine Rollen sogar gut finden. Verletzt es Dich als Künstler nicht ein wenig? Ich unterstelle Dir einfach mal, dass Du nicht nur lustig sein willst, sondern auch eine gewisse Medienkritik ausüben willst.

Viele sagen natürlich vor der Presse, dass sie uns toll finden, sonst wären sie ja Spielverderber. Außer „Super Nanny“ Katia Saalfrank: Sie hat sich mal über uns beschwert und fand ihre Parodie nicht lustig. So ein Pech. „Switch“ ist Medienkritik. Darum halten wir auch Abstand. Die Anfrage, zu Florian Silbereisen in die Sendung zu kommen, habe ich abgesagt. Es sollte nie zu einer Verbrüderung mit unseren „Opfern“ kommen. Wir müssen Distanz halten, sonst können wir die Medienkritik nicht mehr üben.

Wie schaut’s mit der 6. Staffel aus? Wird noch am Drehbuch gefeilt oder seid ihr schon am Set?

Wir sind noch nicht am Set und es wird auch noch nicht geschrieben. Es geht weiter, aber alles ist noch in der Pipeline.

Vor einem Monat hat ProSiebenSat.1 bestätigt, dass neben „Lady Kracher“ mit Anke Engelke auch die Serie „Pastewka“ fortgeführt werden soll, in der Du eine Nebenrolle hast. Gibt’s da schon Neuigkeiten?

Da wird noch nichts verraten. Aber ich denke, dass Bastian und ich den Diskurs um meine Nase fortsetzen werden.

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Großbritannien und die USA tun sich mit neuen Fernsehproduktionen deutlich leichter als Deutschland. Welcher Esprit fehlt hier möglicherweise?

Leichter? Die machen es sich eher schwer…

…aber sie haben doch deutlich mehr Produktionen. Da läuft zwar auch viel Bullshit, aber da kommt doch manchmal eine Perle nach der anderen.

Weil sie es sich schwerer machen. Weil sie oft viel genauer und mit viel mehr Personal arbeiten. Da schreiben zwölf Autoren an einer TV-Staffel, hierzulande sind es zwei oder drei. Aber sie haben auch mehr Geld, da sie ihre Serien in die ganze Welt verkaufen. Wir nicht. Dadurch können wir auch nicht so aufwendig produzieren. Wir Deutschen sind aber auch viel ängstlicher, vorsichtiger. Wir könnten uns viel mehr trauen, verrückter sein. Zu oft wird nur geschaut, was in anderen Ländern erfolgreich ist, um es zu adaptieren. Die eigenen Ideen bleiben dann auf der Strecke. Leider…

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Könntest Du Dir eine Unterhaltungsshow vorstellen, traust Du Dir das zu?

Was meinst Du mit Unterhaltungsshow?

Na, es muss ja nicht gleich ‚Wetten, dass..?‘ sein, aber zumindest eine Show mit Publikum…

Ich bin Schauspieler. Das ist mein Beruf. Wir feixen natürlich bei Kesslers Expedition immer ‚rum, dass ich von einer großen Samstagabend-Show im rbb träume, die ich nicht kriege und deswegen die Expedition machen muss. Aber ich weiß nicht, ob das etwas für mich wäre. Ich bin einfach zu gerne Schauspieler und verwandle mich zu gerne und schlüpfe in irgendwelche Rollen. Aber man soll ja nie, nie sagen.

Kesslers Expedition, freitags (19.08. bis 16.09.2011), 20.15 Uhr, rbb Fernsehen