Wenn ich vor dem Mikro über eine sprachliche Hürde stolpere, ich Texte anders eintippe, als sie mir in Gedanken vorschweben, muss ich als Journalist schon einmal über die eigene Schusseligkeit schmunzeln. Meist denke ich dann an eine Loriot-Szene, in der ein Mann auf einem Esel „Deutsch gut!“ den Touristen entgegenruft. Dabei sind’s ja eher Tippfehler, die einen wurmen können. Loriot würde sagen: „Das ist fein beobachtet„. Eigentlich keine große Angelegenheit, aber sobald die Artikel gedruckt wurden, ist das Dilemma groß. Es ist nicht selten, dass trotz erfahrenem Autor und mehreren Redakteuren, die den Artikel redigieren und darüberschauen, der eine oder andere Tippfehler übersehen wird. Heißt es jetzt „nichtsdestotrotz“ oder „nichts desto trotz“? „Kennenlernen“ oder „kennen lernen“? „Instandsetzen“, „instand setzen“ oder „in Stand setzen“? Während die „ss“-Regelung bei kurz betonten Vokalen fast schon zum Kinderspiel mutiert, ist die (gar nicht mehr so) neue deutsche Rechtschreibung an anderen Stellen manchmal recht kniffelig.

Nicht ein Großteil, alles sollte richtig sein

Zwar finden die eingebauten Rechtschreibprüfungen von Word, OpenOffice, LibreOffice und wie sie alle heißen viele, vermutlich die meisten Tippfehler. Der Anspruch sollte aber nicht sein, dass ein Großteil richtig ist. Eine Publikation muss fehlerfrei sein, sie hat schließlich auch eine Vorbildfunktion. Ein Autor mit schlechter Rechtschreibung wird schnell zum Bashing-Opfer. In einem Artikel auf dieser Website, der rund 20.000 Zeichen und rund 8 DIN-A4-Seiten umfasst, erlaubte ich mir zwei Tippfehler – und schon erhielt ich drohende e-mails und Kommentare, dass dies ja nicht sein dürfe. Vermutlich gibt es eine Ansammlung von Rechtschreibtrollen, die bei jedem kleinsten Tippfehler aus dem Käfig gelassen werden und dann in Rudeln die Blogsphäre überfallen. Gewiss, vereinzelte Tippfehler sind entschuldbar. Richtigen Ärger bereitet es, wenn mehrere Sätze weder Punkt noch Komma, weder Groß- noch Kleinschreibung kennen. Eine Wortaneinanderreihung, bei der selbst ein Philologe Schwierigkeiten hätte, den Inhalt zu verstehen, geschweige denn wiederzugeben.

DUDEN-Rechtschreibprüfung für Libre Office / Open Office

Wie bereits erwähnt, erfüllen die Standardprüfungen der Schreibprogramme noch nicht einmal die Mindestanforderung. Hier kommt ein Werk ins Spiel, das unverzichtbar scheint: der Duden. Eine Alternative? Nicht in Sicht. Frisch auf dem Markt ist die offizielle Duden-Rechtschreibprüfung für die kostenfreien Office Pakete Libre Office und Open Office. Vorversionen gab es bereits, diesmal wurde das Softwarepaket mit dem Duden-Thesaurus und 300.000 Synonymen ergänzt. Außerdem läuft das Duden-Programm nun ohne störende Bugs. Das Rezensionsexemplar fällt bereits beim Auspacken positiv auf: Offensichtlich ist keine Zwangsregistrierung erforderlich. Noch nicht mal eine Seriennummer müssen Sie eingeben. Eine Qual normalerweise jedes Gamers!

Nachbesserungsbedarf gibt es hingegen bei der Aufbereitung der CD. Nach dem Einlegen passiert erst mal gar nichts. Es gibt keine Autostart-Funktion, die Laien die einfache Installation erlaubt. Stattdessen gibt es zwei Verzeichnisse mit den entscheidenden Programmen: Zum einen gibt es die Duden-Bibliothek, die unabhängig der Schreibprogramme läuft. Zum anderen die eigentliche Installationsdatei für Open/Libre Office. In einem Unterverzeichnis mit dem Dateinamen DRO.oxt ist die Extension-Datei versteckt. Mit Doppelklick wird die Installation über Open/Libre Office gestartet. Zu kompliziert, zu umständlich, zu schwierig zu finden.

In der Praxis bewährt

Nach der etwas hakeligen Installation gestaltet sich die Praxis der DUDEN-Rechtschreibprüfung als angenehm einfach. Das Programm ersetzt die bestehende Prüfung, so dass die rot und grün unterkringelten Wörter und Sätze die Fehlermeldungen des Duden wiedergeben. Die Rechtschreibprüfung arbeitet sauber und erkennt zuverlässig die Fehler des vorliegenden Textes. Gelungen finde ich auch den Thesaurus mit über 100.000 Stichwörtern. Das Programm bietet auch ein gewisses Tuning an: So lassen sich –  je nach Einsatz – fünf verschiedene Schreibvarianten einstellen, darunter die standardmäßige Dudenempfehlung, aber auch für konservativen Text oder für Presse.

Fazit

Für den beruflichen Einsatz und für viel schreibende Autoren ist die Duden-Rechtschreibprüfung eine echte Empfehlung. Der Preis ist mit knapp 20 Euro noch moderat gehalten. Wer nur gelegentlich längere Texte schreibt und erst recht nur selten etwas Öffentliches posted, dem dürfte die kostenfreie Online-Rechtschreibprüfung ausreichen. Darüber lassen sich immerhin in Länge eines größeren Absatzes ganze Sätze überprüfen (Startseite → Text überprüfen). Für jedes andere Klientel führt kein Weg an der elektronischen Rechtschreibprüfung vorbei. Die Monopolstellung des DUDEN hat allerdings auch einen Vorteil: Die Rechtschreibprüfung ist richtigerererer.