Erst Anfang Oktober führte Facebook mit „unterhalten sich darüber“ eine neue Metric ein, die zum einen für große Aufmerksamkeit, auf der anderen Seite für eine gewisse Ernüchterung sorgte. Dass die reinen Fanzahlen nur eine Seite der Medaille sind, schrieb ich bereits im Mai im Artikel Vom Mythos der Fanzahlen. Jeder, der sich genauer mit der SocialMedia-Analyse beschäftigt, wird wissen, dass die Fanzahlen nur bedingt etwas über die Qualitäten aussagen. Es sind rein quantitative Werte, die einer genaueren Untersuchung bedürfen. Und so gibt es zahllose SocialMedia-Dienstleister im Internet, die genau diese Lücke schließen wollen. Der häufigste Ansatz: die Interaktionen seitens der Facebook-Fans. Dabei stehen zwei Probleme im Vordergrund: Über die API können nicht alle Werte ermittelt werden (z.B. die allermeisten Insights). Zum anderen ist die Entwicklung eines Facebook-Quotienten zugleich auch die schwierigste Angelegenheit überhaupt, da sie niemals jedem gerecht werden kann.

Man blicke nur auf den Klout-Score, als Ende Oktober das System umgestellt wurde, die Metrics eigentlich und offensichtlich verbessert wurden. Viele fühlten sich aber auf den Schlips getreten, verloren sie doch an Score-Punkten. Wer will schon gerne im SocialMedia-Schwanzvergleich den Kürzeren ziehen? Der Shitstorm war enorm, wie Sie alleine schon an den knapp 1.500 Kommentaren ersehen können. Dabei macht Klout an sich Vieles richtig: Aus der Facebook-Page, dem Twitter-Account und anderen Sozialen Netzwerken wird ein Score-Wert errechnet, der von 0 bis 100 reicht, wobei 100 der beste Wert wäre. Facebook-Seiten mit vielleicht 1.000 Fans können so trotzdem einen guten Score erhalten, zumindest wenn die Interaktionen stimmen. So steht der freie Radiosender Radio Corax mit rund 870 Twitter-Followern und einem Score-Wert von 40,17 besser da, als der große NDR-Jugendsender N-Joy mit 16.122 Twitter-Followern und einem Score-Wert von 39,69. Aber auch hier gibt es Schwachstellen: Klout macht es beispielsweise zum Geschäftsgeheimnis, wie konkret die Metric erstellt wird. Das ist zwar nachvollziehbar, Transparenz sieht trotzdem anders aus. Ein Konkurrent von Klout, der immer mehr auf sich aufmerksam macht, ist der PeerIndex mit ähnlicher Vorgehensweise. Beide Dienstleister sind kostenlos, befinden sich aber noch in der Beta-Phase. Zu Recht!

Zurück zu Facebook. Der von Facebook eingeführte Wert „sprechen darüber“ (früher „unterhalten sich darüber“, im Englischen: „People talking about this“) sorgte gerade deshalb für Ernüchterung, da er nicht über die API-Schnittstelle öffentlich abrufbar war. Als Facebook-Admin können Sie zwar diesen und noch ausführlichere Werte über die Insights einsehen: Nicht nur der ermittelte Zeitraum, sondern auch demografische Aspekte können konkretisiert werden. Aber die neue Metric konnte nicht von fremden Facebook-Seiten abgerufen werden. Bei der Ankündigung Anfang Oktober im Facebook-Blog fragte sich ein privater Entwickler: „FB shows People talking about this metric for PUBLIC on every page, why do FB hide that data (counter) within PRIVATE Insights?“ Wieso wird also dieser Wert auf jeder Facebook-Seite öffentlich angezeigt, aber der API-Zugriff nur über die eigenen Insights für die eigenen Facebook-Seiten ermöglicht?

Neue Facebook-Metric "sprechen darüber"

Neue Facebook-Metric „sprechen darüber“

Nun hat Facebook offensichtlich diesen Wert für Seiten (nicht aber für Gruppen oder persönliche Profile) freigeschaltet, wie jeder am Beispiel meiner Rockbär.de-Fanpage im Graph API Explorer ersehen kann: Wer über eine REST-API-Anfrage den Wert ermitteln möchte, selektiert lediglich talking_about_count und erhält ihn als Zahl. Probieren Sie es selbst aus! Mit dem Aufruf des nachfolgenden Links (die „301149328870“ steht für die Facebook-ID) erhalten Sie die neue Metric im JSON-Format:

https://graph.facebook.com/s.pertsch?fields=talking_about_count

Die nun für alle freigeschaltete Metric entspricht offensichtlich der Angabe, wie sie unter der Fanzahl jeder Facebook-Seite zu sehen ist. Welcher Zeitraum mit dieser Zahl verknüpft wurde, ist allerdings noch unklar und nicht dokumentiert. Er entspricht nämlich nicht dem 1/7/28-Tage-Analysezeitraum aus den Insights. Immerhin das Berechnungsmodell ist einigermaßen klar: Laut Facebook wird die Metric durch Meldungen „ausgelöst“, wenn die Seite mit „Gefällt mir“ markiert wurde, ein Post mit „Gefällt mir“ markiert oder geteilt wurde, eine Frage beantwortet wurde, zu einer Veranstaltung zu- oder absagt wurde, die Seite via @-Mentions erwähnt wurde, die Seite auf einem Foto markiert wurde oder der mit der Seite verknüpfte Ort besucht oder weiterempfohlen wurde.

Echte Transparenz sieht allerdings auch hier anders aus, denn welche Merkmale für eine derartige Metric berechnet werden können, dürften jedem ersichtlich sein. Wie genau nun „sprechen darüber“ ermittelt wird, bleibt auch hier wieder ein Geheimnis. Trotzdem dürfte die API-Freischaltung der Metric für neuen Gesprächsstoff sorgen. Was halten Sie davon? Wie viel Relevanz kann man ihr beimessen?

Dieser Artikel erschien am 17.11.2011 vorab bei allfacebook.de.