Wenn die Deutschen Radio über das Internet hören, lassen sie den Sender durchschnittlich 1 Stunde und 18 Minuten lang pro Session eingeschaltet. Mit der ma 2014 IP Audio I hat die agma erstmals eine Webradio-Quote veröffentlicht, die nicht nur dringend notwendig war, sondern auch ein erster wichtiger Schritt Richtung glaubwürdiger Währung ist – vorausgesetzt, eines Tages werden ma Radio und ma IP Audio vereint. Neben einem kleinen Rückblick zur fragwürdigen Währung und einer Analyse der brandneuen Webradio-Charts lesen Sie in diesem Artikel auch ein Interview mit der Ressortleiterin Radio der agma, Christiane Korch.

Rund 10.000 Leser fanden zu meinem Artikel über die fragwürdige Radioquote. Das Thema vor drei Wochen und unmittelbar vor der Veröffentlichung der ma 2014 radio I traf offensichtlich einen Nerv. Die Rückmeldungen waren überwältigend. Mit meinem Eindruck, den ich als Radiojournalist mit einigen Jahren Berufserfahrung gewinnen konnte, stand ich offensichtlich nicht alleine da. In dem Artikel kritisierte, vielmehr forderte ich zwei Metriken, die die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e.V. (kurz agma) bislang vernachlässigte: Zum einen sollten endlich auch Mobilfunkteilnehmer für die Telefonumfragen (CATI) analysiert werden, schließlich hat die Generation bis 30 kaum einen Festnetzanschluss. Zudem hat mittlerweile jeder 8. Haushalt in Deutschland ausschließlich ein Handy oder Smartphone, aber keinen Festnetzanschluss mehr – und nur solche mit einem Festnetzanschluss werden für die CATIs ausgewählt. Zum anderen sollten endlich auch die Livestreams der etablierten UKW-Radiosender und der reinen Webradios analysiert werden.

Handys fließen ab 2015 in die Radioquote

Wenige Tage nach meinem Artikel und der ma 2014 radio I sagte der agma-Forschungsdirektor Dieter K. Müller im medienmagazin von radioeins (rbb), dass für die ma 2015 auch Handynummern erhoben werden. Die Analyse würde schon ab diesem Herbst beginnen:

„Es geht nicht drum zu sagen, man integriert, sondern: wie. Und in welchem Mischungsverhältnis integriert man Mobilfunknummern zu Festnetznummern? Wie ergänzt man das? Und um das methodisch sauber hinzukriegen, bedarf es gewisser Vorbereitungen. Die sind nahezu abgeschlossen, sodass diese einschränkende Aussage für die künftige MA nicht mehr gelten wird.“ Dieter K. Müller

Ein guter und wichtiger Schritt Richtung Glaubwürdigkeit. Meine andere Kritik betraf die fehlende Analyse der Webradios. Auch dieser jahrelangen Forderung aus der Radioszene wurde nun nachgekommen.

ma 2014 IP Audio I

Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e.V.

Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e.V.

Unter der etwas kryptischen Bezeichnung ma 2014 IP Audio I ist nun die Quote der Webradios veröffentlicht worden. Im Gegensatz zur ma Radio, deren Daten per Telefonumfrage ermittelt werden, kommt bei der ma IP Audio eine „mehrfach geprüfte Logfile-Messung“ zur Geltung. Die Eckdaten: Laut der agma liegen „valide und untereinander vergleichbare Daten“ für 25 Webradio-Publisher mit 153 Channels und 50 Angeboten mit Audiowerbeformen vor. Nicht nur die Streams per Smartphone-App werden gemessen, laut agma werden die Daten aller Internet-Empfangswege erhoben; also beispielsweise auch die App auf dem SmartTV, der Stream per IP-(Standalone)-Radiogerät oder über den Player am Desktop-Computer. Insgesamt wurden im letzten Quartal rund 41 Mio. Sessions gemessen. Durchschnittlich dauert dabei eine Radiosession 1h 18min – und diese Zahl ist durchaus interessant.

Zwar lassen die Deutschen offenbar drei Mal länger das Radiogerät per UKW, Kabel oder SAT laufen. Trotzdem ein stolzer Wert, schließlich ist das Webradio häufig mit einem Hauptmedium verknüpft: So muss das Smartphone an, der Akku geladen und die Datenverbindung vorhanden sein, damit die Radio-App bzw. der Livestream überhaupt läuft. Diese Einschränkungen lassen die Einschaltzahl in einem anderen Licht blicken. Allerdings gibt es auch Hürden, denn so ohne Weiteres lassen sich diese Werte nicht vergleichen, aber dazu in der Analyse mehr.

Hinweise zu den 2 Charts (Update: 27. März 2014)

Beachten Sie bitte bei den zwei nachfolgenden Charts, dass die erste Tabelle sämtliche Channels einzeln aufführt, die zweite die Sender kombiniert (aus „1LIVE Plan B“, „1LIVE Rock“ und den anderen Channels des WDR-Kanals wird beispielsweise „1LIVE“). „Simulcast“ steht für den originären Sender, der sein reguläres Radioprogramm 1 zu 1 live für den Webstream durchschleift. In der von der agma versandten Pressemitteilung am 26. März 2014 wurden die einzelnen Channels (die 1. Tabelle) der Öffentlichkeit vorenthalten. Die vollständige Liste steht bislang nur Kunden der agma zur Verfügung – und exklusiv und zum ersten Mal nun auch Ihnen.

Webradio-Charts (einzelne Channels)

Platz Sender Sessions pro Ø-Monat
1. 1 LIVE (Simulcast) 7.369.893
2. Antenne Bayern (Simulcast) 4.647.767
3. 1 LIVE DIGGI (Simulcast) 1.523.302
4. Hit Radio FFH (Simulcast) 1.423.381
5. Rock Antenne (Simulcast) 1.334.559
6. planet radio (Simulcast) 1.277.515
7. Radio ffn (Simulcast) 1.047.175
8. Klassik Radio (Simulcast) 1.028.788
9. Antenne Bayern Top40 (Simulcast) 1.015.949
10. Radio sunshine live (Simulcast) 993.391
11. 89.0 RTL (Simulcast) 725.480
12. Antenne Niedersachsen (Simulcast) 658.941
13. Radio Hamburg (Simulcast) 585.929
14. RADIO BOB! (Simulcast) 584.257
15. ChristmasChannel.com 559.134
16. egoFM 549.539
17. Antenne Bayern – Oldies but Goldies 546.766
18. Antenne Bayern – 80er Kulthits 502.553
19. 98.8 KISS FM (Simulcast) 493.087
20. RauteMusik.FM 490.198
21. Hit Radio FFH – Top 40 481.130
22. delta radio (Simulcast) 449.708
23. RauteMusik.FM – Club 429.777
24. radio SAW (Simulcast) 419.257
25. RauteMusik.FM – House 352.571
26. RauteMusik.FM – JaM 311.470
27. Rock Antenne – heavy metal 289.864
28. planet radio – the club 287.565
29. planet radio – black beats 286.555
30. Antenne Bayern – Chillout 264.455
31. Hit Radio FFH – Die 80er 261.095
32. RauteMusik.FM – Goldies 260.747
33. Rock Antenne – classic perlen 248.083
34. Antenne Bayern – Classic Rock Live 247.895
35. harmony.fm (Simulcast) 230.735
36. Antenne Bayern – Eventstream 229.546
37. BigCityBeats.FM 226.885
38. 94.3 rs2 (Simulcast) 220.925
39. Antenne Thüringen (Simulcast) 217.548
40. Hit Radio FFH – Die 90er 213.755
41. Radio Brocken 211.159
42. Rock Antenne – alternative 210.553
43. Antenne Bayern – Schlagerkarussell 197.630
44. SchlagerRadio.FM 191.530
45. Radio ffn – Comedy 190.366
46. Oldie 95.0 (Simulcast) 186.529
47. Berliner Rundfunk 91.4 (Simulcast) 186.320
48. Charthits.FM 177.871
49. Antenne Bayern – Lovesongs 176.685
50. RauteMusik.FM – Rock 174.607
51. radio SAW – 80er 171.904
52. Klassik Radio – Movie 168.756
53. radio Top 40 (Simulcast) 165.290
54. Radio Essen 156.889
55. Radio Köln (Simulcast) 148.815
56. Radio Bielefeld 127.756
57. RauteMusik.FM – Deutsch Rap 126.994
58. Radio Duisburg 114.206
59. Antenne Bayern – Hits für Kids 112.342
60. planet radio – nightwax 106.652
61. Hit Radio FFH – Eurodance 105.532
62. RauteMusik.FM – Trance 105.365
63. radio SAW – 70er 105.241
64. Radio Hochstift 103.639
65. Hit Radio FFH – Lounge 97.409
66. Radio Vest 96.200
67. Radio Gütersloh 95.487
68. Radio Erft 93.810
69. RauteMusik.FM – Lounge 91.428
70. radio SAW – Neuheiten 91.036
71. Antenne Bayern – Black Beatz 89.051
72. Hit Radio FFH – Soundtrack 88.890
73. Hit Radio FFH – Deutsch Pur 87.153
74. RauteMusik.FM – Metal 86.361
75. radio SAW – 90er 86.343
76. Radio Emscher Lippe 86.148
77. Antenne Niedersachsen – Top40 84.530
78. Klassik Radio – Lounge 83.191
79. RauteMusik.FM – HardeR 80.620
80. Radio Bochum 78.901
81. radio SAW – Party 77.022
82. Hit Radio FFH – Rock 74.311
83. delta radio – Alternative Max 73.950
84. 98.8 KISS FM – R’n’B 73.687
85. RauteMusik.FM – TechHouse 73.481
86. Hit Radio FFH – Schlagerkult 71.642
87. Antenne Niedersachsen – Oldies 71.478
88. Radio K.W. 71.324
89. Antenne Niedersachsen – 80er 70.852
90. 98.8 KISS FM – Raps 65.848
91. LoveHits.FM 63.698
92. Radio Sauerland 61.544
93. Radio Berg 59.917
94. Hit Radio FFH – Hits für Kids 57.966
95. Hit Radio FFH – Alternative 57.685
96. Hit Radio FFH – Electro Beats 52.663
97. Rockland.FM (Simulcast) 51.509
98. Radio WAF 50.455
99. RauteMusik.FM – DrumStep 49.442
100. Radio Lippe 48.984
101. the wave 48.624
102. Radio Westfalica 48.250
103. Klassik Radio – Opera 47.910
104. Antenne Thüringen – 80er 47.779
105. 107.7 Radio Hagen 46.040
106. Radio Ennepe Ruhr 45.162
107. Radio Oberhausen 45.019
108. Radio sunshine live – classics 43.718
109. Radio sunshine live – trance 43.473
110. Radio Leverkusen 42.590
111. Radio sunshine live – house 41.161
112. 12punks.FM 40.867
113. 98.8 KISS FM – Fresh Beats 37.051
114. Antenne Niedersachsen – Classic Rock 36.857
115. 1 LIVE – Plan B 36.255
116. radio Top 40 – electro 35.697
117. RauteMusik.FM – Oriental 34.120
118. Radio Herford 33.979
119. Radio sunshine live – be easy 33.656
120. 98.8 KISS FM – Electro 33.648
121. delta radio – Grunge 33.527
122. Antenne Thüringen – Yesterhit 29.727
123. Radio Rur 29.477
124. Radio sunshine live – hard 29.216
125. detektor.fm – Musik 28.914
126. harmony.fm – SchlagerRadio 28.272
127. radio SAW – Deutsch 27.814
128. Radio sunshine live – be dj 26.179
129. Radio Euskirchen 25.615
130. Peppermint FM 25.067
131. Radio Mülheim 25.027
132. 1 LIVE – Rocker 24.051
133. Radio Herne 24.050
134. Hit Radio FFH – Jazz 20.732
135. 1 LIVE – Special 20.332
136. Antenne Thüringen – Rock 18.733
137. 1 LIVE – Neu für den Sektor 18.280
138. 1 LIVE – Hip Hop 17.908
139. detektor.fm – Wort 17.758
140. Antenne Bayern – Soundgarage 17.166
141. Antenne Bayern info (Simulcast) 16.678
142. harmony.fm – JazzRadio 16.628
143. radio SAW – Rock 16.253
144. 1 LIVE – FIEHE 16.060
145. Radio sunshine live – radioclub 10.033
146. 94.3 rs2 – 80s 6.785
147. 94.3 rs2 – Kids 6.306
148. 94.3 rs2 – 90s 5.447
149. 94.3 rs2 – Relax 4.673
150. Radio Köln – Chillout Lounge 3.783
151. Radio Köln – Hot Music 3.395
152. deinfm owl 1.974

Alle einzelnen Channels | Sessions pro Ø-Monat im 4. Quartal 2013 | Quelle: ma 2014 IP Audio I

Webradio-Charts (kombinierte Sender)

Platz Sender Sessions pro Ø-Monat
1. 1LIVE 9.026.082
2. Antenne Bayern 8.064.484
3. Hit Radio FFH 3.093.344
4. RauteMusik 2.730.877
5. Rock Antenne 2.083.059
6. planet radio 1.958.287
7. Klassik Radio 1.328.645
8. radio ffn 1.237.541
9. Radio sunshine live 1.220.827
10. radio SAW 994.870
11. Antenne Niedersachsen 922.658
12. 89.0 RTL 725.480
13. 98.8 KISS FM 703.321
14. Radio Hamburg 585.929
15. RADIO BOB! 584.257
16. ChristmasChannel.com 559.134
17. delta radio 557.185
18. egoFM 549.539
19. Antenne Thüringen 313.787
20. harmony.fm 275.635
21. 94.3 rs2 244.135
22. BigCityBeats.FM 226.885
23. Radio Brocken 211.159
24. radio TOP 40 200.987
25. SchlagerRadio.FM 191.530
26. Oldie 95.0 186.529
27. Berliner Rundfunk 91.4 186.320
28. Charthits.FM 177.871
29. Radio Essen 156.889
30. Radio Köln 155.993
31. Radio Bielefeld 127.756
32. Radio Duisburg 114.206
33. Radio Hochstift 103.639
34. Radio Vest 96.200
35. Radio Gütersloh 95.487
36. Radio Erft 93.810
37. Radio Emscher Lippe 86.148
38. Radio Bochum 78.901
39. Radio K.W. 71.324
40. Radio Sauerland 61.544
41. Radio Berg 59.917
42. Rockland.FM 51.509
43. Radio WAF 50.455
44. Radio Lippe 48.984
45. the wave 48.624
46. Radio Westfalica 48.250
47. detektor.fm 46.672
48. 107.7 Radio Hagen 46.040
49. Radio Ennepe Ruhr 45.162
50. Radio Oberhausen 45.019
51. Radio Leverkusen 42.590
52. 12punks.FM 40.867
53. Radio Herford 33.979
54. Radio Rur 29.477
55. Radio Euskirchen 25.615
56. Peppermint FM 25.067
57. Radio Mülheim 25.027
58. Radio Herne 24.050
59. deinfm owl 1.974

Kombinierte Sender | Sessions pro Ø-Monat im 4. Quartal 2013 | Quelle: ma 2014 IP Audio I

Analyse

Auffällig ist, dass die etablierten UKW-Sender die Charts dominieren. Besonders erfreulich dürfte das Ergebnis für RauteMusik sein, das in der kombinierten Darstellung (zweite Tabelle) mit rund 2,7 Mio. Sessions pro Durchschnittsmonat einen phänomenalen Wert erreicht hat. Allerdings tauchen mit planet radio (Platz 6) oder Radio Sunshine Live (Platz 9) auch Sender auf, die schon früh (teils ausschließlich) über das Internet empfangbar waren – und erst später terrestrisch, per Kabel oder Satellit dazugeschaltet worden sind. Was fehlt sind die Öffentlich-Rechtlichen! Nur 1Live taucht von ihnen in der Erhebung auf und liegt mit Platz 1 an der Spitze. Das erstaunt, denn bei radio.de und anderen Plattformen stehen die öffentlichen-rechtlichen Sender immer weit oben in den Charts. Kein Grund sich zu verstecken!

Eine Krux mit den Zahlen gibt es aber: Sie sagen nichts über die Person aus; Metriken, die für die reguläre ma Radio selbstverständlich analysiert werden und für die Werbung eine hohe Relevanz haben. Die Zahlen sagen auch nichts darüber aus, wie viele dieser Hörer normales UKW hören. Zudem wird die IP Audio anders als die normale Radioquote gemessen: Veröffentlicht werden die Anzahl der Sessions und ihre durchschnittliche Dauer. Die bereits erwähnten 41 Mio Sessions pro Quartal können also nicht einfach mit der Anzahl der Hörer gleichgesetzt werden. Die Verknüpfung zwischen ma Radio und IP Audio dürfte dann wirklich spannend werden, schließlich hatte die agma bei der letzten ma angegeben, dass 4,6 Mio. Menschen täglich Radio über das Internet hören, wovon 580.000 sogenannte Webonly-Hörer sind.

Im Gegensatz zur ma Radio, die zwei Mal jährlich erscheint, soll die ma IP Audio nun vierteljährlich veröffentlicht werden. Das könnte durchaus Sinn machen, schließlich haben sich schon jetzt neue Publisher angemeldet, sagt agma-Geschäftsführer Olaf Lassalle: „Dies zeigt uns, dass der Markt einen großen Bedarf nach solchen Daten hat und die agma damit auf dem richtigen Weg ist.“ Die ma 2014 IP Audio II, die sich auf das erste Quartal 2014 beziehen wird, soll am 11. Juni erscheinen.

Christiane Korch | Foto: agma

Christiane Korch, Foto: agma

Interview mit Christiane Korch

Frau Christiane Korch, als Ressortleiterin Radio der agma hatten Sie schon vorab angekündigt, dass mehr als 150 Channels an der Webradio-Messung teilnehmen werden. Zwar bilden Sie vielleicht die meistgehörten Livestreams ab, in Deutschland gibt es hingegen rund 350 Hörfunksender plus mehr als 1.200 von der GEMA lizenzierte Webradios. Die „ma 2014 IP Audio I“ deckt demnach nur ein Bruchteil der Hörfunksender ab.

So ist das bei Pionierprojekten: Man steigt zunächst in einen Testbetrieb, dann in den Regelbetrieb mit ersten Interessenten ein. Aber es spricht sich in der Branche bereits herum. Mit Veröffentlichung der ma IP Audio I steht nun erstmals ein methodisch valider Messstandard für Webradios zur Verfügung – und damit einheitlich gemessene, untereinander vergleichbare Leistungswerte zur Planung und Buchung von Webradioangeboten. Die nächsten Interessenten für das Messquartal von April bis Juni haben sich bereits angemeldet.

Wie erheben Sie die Daten im Konkreten? Verlassen Sie sich auf die Livestream-Daten, die die Radiostationen zur Verfügung stellen, oder analysieren Sie, ggf. in Kooperation mit Diensten wie Radio.de, eigenständig?

Wir lassen die Logfiles von den Teilnehmern der Webradiomessung in einem standardisierten Format regelmäßig an einen zentralen, unabhängigen Dienstleister der MMC schicken. Die Logfiles werden dort geprüft und nach vorab mit unserem Methodengremium, der technischen Kommission, vereinbarten Konventionen weiterverarbeitet. Dabei zählt die agma keine reinen Stream-Starts, sondern bildet auf Basis identischer Clientinformationen sogenannte Sessions und damit zusammenhängende Nutzungsvorgänge ab. Wichtig war uns dabei mit der Logfile-Messung die komplette Webradionutzung darzustellen, d.h., alle denkbaren Nutzungswege abzudecken, egal ob stationäres oder mobiles Internet, WLAN-Radio, externe Player oder Apps. Das konnten andere Messverfahren so nicht leisten.

Welche technischen, aber auch inhaltlichen Hürden gab oder gibt es möglicherweise noch immer bei der Messung?

Wir haben zwei Jahre geforscht, haben uns mit Teilnehmern und Dienstleistern an der Messung sowie Vertretern des Bundesverbandes der Digitalen Wirtschaft ausgetaucht: Welche Messtechnik ist die geeignete und welche Konventionen sind für die Datenaufbereitung festzulegen? Es wurde zum Beispiel diskutiert, die sogenannten „Streamripper“, die nur sehr kurz ein Webradio aufrufen, auszuschließen. Der Prozess ist aber noch lange nicht abgeschlossen. Wir beschäftigen uns zum Beispiel im Moment damit, wie wir user generated radio in die Messung mit einbeziehen können oder über welche Endgeräte die Sessions abgerufen werden.

Welche Maßnahmen werden gegen Missbrauch betrieben?

Wir validieren und evaluieren die gelieferten Mess-Daten permanent im Prozess und melden Unregelmäßigkeiten gegebenenfalls zurück.

Weshalb bringt die agma erst jetzt die Webradioquote heraus? Die Webradios mit aufzunehmen wird schließlich schon seit vielen Jahren von der Radioszene gefordert.

Es war jede Menge Forschungsarbeit notwendig, um eine valide Messung zu etablieren. Das kostet Zeit, wie ich gerade schon sagte. Studien gibt es zwar jede Menge, aber keinen einheitlichen Messstandard, der es ermöglicht, die Angebote untereinander einheitlich zu vergleichen. Und genau das braucht der Markt: eine einheitliche vom Werbemarkt akzeptierte Währung. Dafür ist die agma als bewährte Währungsinstitution genau die richtige.

Sie haben eine Konvergenzdatei angekündigt, die sowohl die etablierte, zwei Mal jährliche publizierte Radioquote mit der neuen Webradio-Quote verknüpfen soll. Wann können die Radiokollegen mit den ersten Zahlen rechnen und wie werden die beiden Werte (mathematisch) verrechnet?

Die Vorbereitungen dazu sind in den agma-Gremien im Gange. Denn erst, wenn die technisch gemessenen Daten mit Personendaten verknüpft werden, wird es für den Werbemarkt zur Zielgruppenplanung interessant – das ist uns völlig klar. Für eine verlässliche Zeitschätzung, wann das Modell steht, ist es noch zu früh. Wir arbeiten aber mit Hochdruck dran.

Wäre dieser Zusammenschluss aus Ihrer Sicht eine neue ernst zu nehmende Währung, die aussagekräftiger ist als die bisherige ma radio?

Sie wird aus meiner Sicht die ma Radio ergänzen oder sogar komplettieren. Um die Vielfalt der Webradio-Landschaft darstellen zu können, braucht es eben diesen neuen Weg, den wir mit der Logfile-Messung beschritten haben.

Vielen Dank, Christiane Korch für das Interview!

Fazit

Mit der ma IP Audio hat die agma einen Meilenstein gelegt, der künftig nicht mehr wegzudenken sein wird. Bleibt zu hoffen, dass sich bald deutlich mehr Radios an der Webradio-Quote beteiligen, die Metriken facettenreicher sind, die Quoten vereint werden und endlich die Mobilfunkdaten in die Statistik mit einfließen. Dann sind wir am Ziel. Fast.