Die Floskelwolke ist ständig in Bewegung, auch wenn die meisten Veränderungen im Hintergrund geschehen. Hier kommt unser zweiter Werkstattbericht: Nach den vielen Updates seit dem Launch, die wir in der vergangenen Woche ausführlich vorgestellt haben, gibt es nun wieder einige neue Features. Seien Sie – wie immer – herzlich eingeladen mitzudiskutieren: Schreiben Sie einen Kommentar, sprechen Sie uns auf Facebook oder Twitter an oder schreiben Sie uns eine e-mail.

Neue Floskeln und Phrasen

Momentan sind die Nutzungsgebühren noch ein Hindernis, die Google für mehr als 50 Begriffe pro Tag verlangt. Zwar sind sie überschaubar; weil wir die Floskelwolke jedoch privat und werbefrei betreiben, möchten wir diesen Schritt noch nicht gehen. Wir würden die Liste gerne auf 100, besser noch auf 200 Begriffe erweitern (Details dazu im ersten Sonne-Floskelwolken-Mix). Als Zwischenschritt haben wir zunächst 10 eher harmlosere Floskeln deaktiviert und dafür 10 neue hinzugefügt. Die meisten Vorschläge kamen von Ihnen.

10 Neue in der Floskelwolke

10 Neue in der Floskelwolke (Screenshot von der Website mit alten und neuen Floskeln und Phrasen)

  • aller Zeiten
    Klingt bombastisch, trifft es jedoch nicht ganz. Alle Zeiten schließt auch die Zukunft ein – und die kennt niemand. Außer Hellseher.
  • an den Rollstuhl gefesselt
    Ein Sprachbild, das leider noch immer gebräuchlich ist. Mag jemand auch auf einen Rollstuhl angewiesen sein, niemand würde ihn daran fesseln.
  • angebliche Bilder
    Von „angeblichen Bildern“ ist oft die Rede, wenn über Fotos aus ungeprüften Quellen berichtet wird. Es gibt angeblich Bilder, aber sie selbst können nicht angeblich sein.
  • im Vorfeld
    Es geht um Handlungen, die bereits vor dem zu erwartenden Ereignis stattfanden. Dafür genügt das Wort „vorher“. Im oder auf dem Vorfeld stehen Flugzeuge vor Abfertigungsgebäuden.
  • Luftschläge
    Ein Anglizismus, der nicht nur auf schlechter Übersetzung beruht, sondern auch verharmlosend ist. Mit „Luftangriff“ wird die Kampfhandlung klarer.
  • Personalkarussell
    Dreht sich oft mit Kandidaten, die hoch zu Ross kreisen und dabei eine gute Figur abgeben wollen. Bei erhöhter Geschwindigkeit kommt es zu Abwürfen, die jedoch durch ein dickes Abfindungspolster meist sanft abgefedert werden.
  • sozial schwach
    Eine gezielte Verharmlosung von „arm“. Wird vor allem in Politik und Wirtschaft gerne eingesetzt, um das Gesagte mit einer Nebelkerze zu verzieren.
  • Super-GAU
    Der GAU steht für den größten anzunehmenden Unfall. Noch größer geht nicht, auch wenn ein „Super“ davor gestellt wird.
  • Urnengang
    Ein trauriges Sprachbild für eine lebendige Demokratie. Zwar landet der Stimmzettel tatsächlich in einer Wahlurne. Für den Begriff „Urnengang“ gibt es jedoch schönere Synonyme als diesen Trauerzug.
  • Wahldebakel
    Darf in keinem Oppositions-Wortschatz fehlen. Steht für „Niederlage“ oder „Zusammenbruch“ – und dramatisiert auch geringe Stimmenverluste sehr medienwirksam.
Ein dezenter Mouseover-Effekt informiert über die abgefragten Suchbegriffe zu jeder Floskel und Phrase.

Ein dezenter Mouseover-Effekt informiert über die abgefragten Suchbegriffe zu jeder Floskel und Phrase.

Kategorien

Wie schon in der vergangenen Woche angekündigt, gibt es ab sofort auch Kategorien. In drei Bereiche haben wir die Begriffe einsortiert. Uns ist natürlich bewusst, dass nicht alle Floskeln, Phrasen und Formulierungen schlimm sind: Wie wir bereits in den FAQ erklären, lebt die Sprache von Bildern, es entstehen neue Wortschöpfungen und Bedeutungen. Einige Floskeln und Phrasen sind jedoch tatsächlich kaum zu gebrauchen, wenn es um präzise Formulierungen geht oder darum, Sachverhalte möglichst neutral zu schildern. Dann können sie falsche Bilder erzeugen, Informationen verschleiern oder schlicht einen Text hässlich und langweilig machen. Deshalb nun die Kategorisierung von harmlos bis schlimm. Dazu gibt es ab sofort neben den Balkendiagrammen einen zusätzlichen Punkt mit einem Daumen und auch unten bei den Floskel-Beschreibungen weisen wir auf die jeweilige Kategorie hin. Wir halten diese Einsortierung für sinnvoll:

  • Kategorie 1 (gelb)
    Hier werden Formulierungen zusammengetragen, die inhaltlich keinen Schaden in redaktionellen Texten anrichten, sie aber meist auch nicht schöner machen. Das sind vor allem häufig benutzte Redewendungen, abgegriffene Sprachbilder und strapazierte Standardfloskeln, die sich in den Nachrichten-Alltag eingeschlichen haben.
  • Kategorie 2 (orange)
    Dieser Bereich umfasst Formulierungen, die so nicht eingesetzt werden sollten: Sie zeichnen zum Beispiel ein schiefes Bild, sind missverständlich oder sogar sachlich falsch. Damit tragen sie dazu bei, journalistische Texte zu entwerten und die Glaubwürdigkeit zu gefährden.
  • Kategorie 3 (rot)
    Hier geht es um Phrasen, Begriffe und Formulierungen, die gezielt von interessierter Seite verwendet werden: Sie sollen Zusammenhänge verschleiern, Sachverhalte beschönigen oder Meinungen beeinflussen. Sprache wird hier bewusst manipulativ oder propagandistisch eingesetzt. Aus journalistischer Sicht ist das inakzeptabel.
Neu: Kategorien weisen auf harmlose oder schlimme Floskeln und Phrasen hin.

Neu: Kategorien weisen auf harmlose oder gefährliche Floskeln und Phrasen hin.

Wonach wir suchen

Dass die Floskelwolke kein streng wissenschaftliches Projekt ist, sondern Trends auswertet, darüber informieren wir an mehreren Stellen der Website. Auch in Interviews haben wir darauf hingewiesen. Um die Analyse transparenter zu gestalten, informieren wir in den Floskel-Beschreibungen nun, wie und wonach wir suchen. Wenn Sie die Maus über die Lupe bewegen, erscheint ein Info-Text.

  • Alternative Schreibweisen
    Wir suchen zum Beispiel für das Schlagwort „abgesegnet“ nicht nur nach „abgesegnet“, sondern auch nach anderen grammatikalischen Schreibweisen, also beispielsweise „absegnet“ und „absegnen“. Wir berücksichtigen natürlich auch die Pluralform: Für „erdrutschartig“ werten wir auch nach „erdrutschartige“ oder „erdrutschartigen“ aus.
  • Synonyme
    In einigen wenigen Fällen suchen wir nach sinnverwandten Wörtern. Für den „Sünder“ suchen wir beispielsweise nach „Steuersünder“, „Dopingsünder“, „Temposünder“, „Umweltsünder“, „Öko-Sünder“, „Handy-Sünder“, „CO2-Sünder“, „Hartz-IV-Sünder“ und „Feinstaubsünder“. Die Treffer für „Datendiebstahl“ zählen auch bei den Begriffen „Datenklau“ und „Datenraub“.

Tägliche Floskel im Kurzporträt

Seit rund zwei Wochen stellen wir vormittags gegen 11 Uhr eine Floskel vor – und veröffentlichen diese als Kurzporträt bei Twitter und Facebook. Während dieser Vorgang zu Beginn noch per Hand erfolgte, ist er mittlerweile komplett automatisiert.

Optimierung für Mobile

Die Floskelwolke ist – wie hier im Detail erklärt – keine Grafikdatei, sondern ein Canvas-Element, das der Internetbrowser zeichnet. Besonders bei Smartphones gibt es dabei aber Performanceprobleme, zumindest wenn das mobile Endgerät schon ein paar Jahre alt ist, aber vor allem eine graphische Unstimmigkeit: Die Auflösung ist zu gering. Das ist der höheren Pixeldichte geschuldet. Um beide Probleme zu umgehen, werden beim Aufruf der Website mit einem Smartphone alternativ nun die downloadbare TOP-Floskel und das TOP-Wachstum als Grafikdatei angezeigt.

Pressespiegel

Wir freuen uns über weitere Erwähnungen in den Medien! Seit vergangener Woche neu im Pressespiegel: Süddeutsche Zeitung, taz, Die Presse und Der Tagesspiegel.

Code-Optimierung

Das eingesetzte Template von ThemeForest hatte einige tolle JavaSkripte implementiert, von denen wir jedoch nicht alle nutzen. Deswegen haben wir die Überflüssigen rausgeschmissen, um die Seite schlanker zu machen. Dadurch ist auch der mobile Aufruf etwas schneller geworden.

Projektbeschreibung

Wir hatten schon darauf hingewiesen, dass die Floskelwolke nicht nur Floskeln abbildet, sondern auch Phrasen, Redensarten, Syntaxfehler sowie unschöne oder gar schlimme Sprachbilder. Dabei konzentrieren wir uns auf Formulierungen, die für Nachrichtenmeldungen ungeeignet sind. Um das noch deutlicher zu machen, sprechen wir jetzt auf der Website und in den Twitter– und Facebook-Profilen von „Floskeln, Phrasen und Formulierungen aus dem Nachrichtengiftschrank“.

Weiterführende Links