Der Deutschlandfunk posted bei Instagram und der WDR seine Nachrichten nun auch bei YouTube. Und was ist mit Twitter? Natürlich gibt es dort Nachrichten. Einzelne Meldungen mit einem Link. Doch der Content liegt immer woanders. Katzenvideos haben mich auf eine Idee gebracht, auch direkt bei Twitter „richtige“ Nachrichten zu veröffentlichen.

Der Deutschlandfunk veröffentlicht seine News auf Instagram

…und der WDR probiert mit #3sechzich ein spannendes junges Web-Nachrichtenformat via YouTube aus: Ungeachtet der Frage, ob diese Projekte Erfolg haben werden, denn dafür sind sie zu noch zu jung auf dem Markt, ist es doch allerdings löblich, dass sich die Öffentlich-Rechtlichen auf neue Wege machen. Eine Revolution ist dies gewiss nicht und neu ist die Idee genauso wenig, aber ein Versuch sollte es Wert sein. Der Gedanke, den DLF und WDR damit pflegen, gefällt mir: Mit vorhandenen oder dezent erweiterten Ressourcen Menschen dort abzuholen, wo sie sich, aber wir uns noch nicht befinden. Dass die Deutschlandradios mitunter die besten Nachrichten im Hörfunk präsentieren, ist wunderbar. Diese Nachrichten erreichen aber nur selten die YouTube-Generation. Neue Wege zu bestreiten und auf Augenhöhe zu gehen, sind gute Schritte.

Nachrichten bei Twitter?

Gestern Nacht habe ich mich allerdings gefragt, warum es eigentlich keine Nachrichten bei Twitter gibt. Natürlich posten alle wie wild. Aber bis auf Eilmeldungen in Schlagzeilenform, sind es doch immer Verlinkungen zur Nachrichtenmeldung auf einer Website. Stumpfes Crossposting. Statt intelligent auf das Netzwerk einzugehen (man denke nur an die Antwort-Funktion, mit der mehrere Tweets verknüpft zueinander geposted werden können) verkommt Twitter – zumindest in diesem Themenbereich – zur Linkschleuder. Gäbe es nicht gerade für den mobilen Nutzer eine simple Möglichkeit, Nachrichten direkt bei Twitter zu lesen, ja, zu sehen? Klar. Vine wäre so ein Fall, benötigt aber wieder eine extra App und die Videos sind auf wenige Sekunden begrenzt. Auch YouTube oder – um mal eine Lanze für reines Audio zu brechen – auch SoundCloud lassen sich direkt in Twitter abspielen. Allerdings sind diese Media-Typen nur eingebettet und wenn man sich das Hickhack um das mittlerweile zu Facebook gehörende Instagram anguckt, dessen Bilder und Videos zwar früher, aber mittlerweile nicht mehr direkt angezeigt werden, sollte man nach eigenen Bordmitteln schauen.

Bilder und Videos

Neben reinem Text gibt es bekannterweise Fotos: 4 Bilder pro Tweet sind möglich, jedes einzelne darf höchstens 5 MB groß sein (allerdings werden hochauflösende drastisch verkleinert). So böten sich, falls man Nachrichten visuell als Grafik aufbereiten wollte, nur vier Meldungen an. Zu wenig für ein Nachrichtenformat. Auch wenn diese Funktion nur Wenige kennen dürften, selbst Videos gibt es schon:

Simpel und für alle

Aber zurzeit können „nur verifizierte Nutzer auf dieses Tool zugreifen“. Gerüchten zufolge soll dieses oder ein ähnliches Werkzeug schon dieses Jahr für alle zugänglich sein. Die Videos dürfen aber wohl für normale Nutzer nur 20 Sekunden lang sein und damit deutlich weniger als bei verifizierten Accounts (siehe obiges Beispiel des Morgenmagazins). Genereller Nachteil bei richtigen Videos: Die Produktion ist nicht unerheblich und eine ganz andere Schiene, als Grafiken redaktionell für Nachrichten aufzubereiten. Der Aufwand für Videos ist grundsätzlich höher. Was gäbe es noch? Welche Möglichkeiten stehen noch zur Verfügung, nicht nur, um Nachrichten, sondern generell Content aufzubereiten… und zwar für alle, also auch ohne verifizierten Twitter-Account, ohne großen technischen und finanziellen Aufwand. Bei niedlichen, supersüßen Kätzchenvideos kam mir die Idee.

Animierte GIFs

Weshalb nicht animierte GIFs nutzen, die es seit 1989 und bei Twitter seit Sommer 2014 gibt?

Über diese Funktion kann jeder Content in einer neuen Form hochladen und veröffentlichen. Eine Idee wäre „GIF aktuell„:

GIF aktuell

Das Beispiel soll nur in Grundzügen aufführen, was technisch möglich wäre. Sie sehen ein kurzes Intro und anschließend drei Meldungen mit je einem passenden Hintergrundbild, einer Schlagzeile und einem Text, der aus zwei Sätzen besteht. Was als erstes auffällt, das sind die relativen kurzen Delays. Leider macht hier Twitter einen Strich durch die Rechnung und verkürzt die Zeiten, wie Sie am Original erkennen können, das nämlich gemütliche 15 Sekunden lang bei einer Nachrichtenmeldung verweilt:

GIFaktuell: Die Original-GIF-Datei, die bei Twitter hochgeladen wurde.

GIFaktuell: Die Original-GIF-Datei, die bei Twitter hochgeladen wurde.

Macken und Stärken der Technik

Twitter verkürzt offensichtlich auf maximal 5 Sekunden, egal, wie lange das Delay im GIF eingestellt ist. Diesen Umstand könnte man möglicherweise durch mehrere Sätze für eine Meldung kompensieren, also beispielsweise 2-3 „Texte“ pro Artikel, die dann (ebenfalls nach 5 Sekunden) switchen. Zur Technik: Das Seitenverhältnis liegt bei 2:1, die maximale Auflösung bei 1024×512 Pixel. Größer als 3 MB darf die animierte *.gif nicht sein. Die Beispiel-Nachrichtensendung ist 682 kb groß, bei 2 Screens im Intro und 3 Nachrichten-Screens, wobei das Intro kaum Gewichtung hat. Eine Nachrichtenmeldung kostet im Beispiel durchschnittlich 227 kb, so dass insgesamt 13 Meldungen in einer Nachrichtensendung möglich wären. Bei 2 Frames pro Artikel wären immerhin noch 8 Meldungen denkbar.

Twitter konvertiert letztlich alle GIFs in ein MP4-Format, so dass das aufgezeigte Video effektiv nur 215 kb groß ist. Spannend ist eine kaum bekannte Funktion in der Twitter-App: Wenn Sie ein animiertes GIF nach der Wiedergabe anklicken, pausiert es. Über diese Funktion könnte man dem Nutzer mehr Zeit zum Lesen einräumen, was allerdings kommuniziert werden müsste. Wie auch bei normalen Bildern wird der Tweet um 23 Zeichen verkürzt, so dass noch 117 übrig bleiben. Versuchen wir zusammenzufassen:

Vorteile

  • sehr gut auf mobilem Endgerät lesbar
  • Nutzer muss Twitter nicht verlassen
  • „Video“ wird direkt in der Timeline abgespielt
  • 13 Nachrichtenmeldungen pro Tweet (bei einem Text pro Meldung) oder
  • 8 Meldungen pro Tweet (bei 2 Text-Frames pro Nachricht)
  • per App kann ein Frame bzw. eine Meldung per Touch pausiert werden
  • weder App noch Plugin nötig
  • Sendung wiederholt sich automatisch (unbegrenzte Schleifenwiedergabe)
  • Dank Freeware (selbst GIMP schafft das) keine Kostenfrage bei der Technik
  • Produktion von Bildern und animierten GIFs ist simpel und schnell erledigt

Nachteile

  • kein Sound
  • Twitter verändert die Ausführungsdauer bzw. das Delay einzelner Frames
  • Upload limitiert auf 3 MB
  • GIFs erlauben höchstens 256 Farben (auch wenn Twitter die Grafik in ein MP4-Video umwandelt)
  • Tweet wird voraussichtlich kaum Interaktionen erhalten (Erfolg nur über Views in der Twitter Analytik messbar)
  • keine Verlinkung aus dem Video heraus (bzw. von einem Artikel zur ausführlicheren Version im Web)
  • nur kurze Nachrichten realisierbar
  • kein Vollbildmodus (z.B. als Landscape im Smartphone)

Fazit

Seit 25 Jahren gibt es die GIF-Version „89a“, die Animationen in Grafiken erlaubt. Nach dem Comeback in den 2010er Jahren (Stichwort Meme) sprang im vergangenen Sommer auch Twitter auf diesen Zug. Jetzt könnten sich auch die Medien mal bewegen. Wie Sie anhand des Beispiels sehen können, ist eine Umsetzung mit Nachrichten denkbar einfach und auch noch attraktiv. Die Vorteile überwiegen und vielleicht lassen sich nicht nur medienaffine Newsjunkies für solche Nachrichtensendungen motivieren, sondern auch die YouTube-Generation dafür gewinnen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, lasst es doch mal ausprobieren!

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