Aus meiner Sicht eine berechtigte Frage. Wieso ist mein Account @Pertsch noch immer nicht offiziell verifiziert? Heute vor genau 6 Jahren bin ich dem Netzwerk beigetreten, habe als Translator 1.000 Übersetzungen geliefert, bin als langjähriger und ausgezeichneter Journalist nun wirklich kein Unbekannter, ich analysiere mit meinen Social Media-Charts die deutschsprachige Medienlandschaft, unterstützte jahrelang mit Seminaren und Vorträgen die Arbeit von Medien in den sozialen Netzwerken – und selbst bei Facebook bin ich schon verifiziert. Wieso erfülle ich angeblich nicht die „Verifizierungsrichtlinien“ von Twitter, die noch nicht mal öffentlich bekannt sind? Ein paar Gedanken – ohne Lösung.

Der geschätzte Kollege Daniel Fiene musste erst nach San Francisco fliegen und dem Unternehmen einen Besuch abstatten, ehe er verifziert wurde. Wobei das natürlich nicht der Grund seiner Reise war. Doch nach den vielen Jahren bekam er erst nach der USA-Reise 2014 seinen verified-Badge. Seit 2007 ist Fiene bei Twitter. Dabei muss gesagt sein, dass er ein noch viel aktiverer Twitterer ist, als ich es je war und sein werde – und trotzdem dauerte es bei ihm 7 Jahre. Ich erinnere mich an einen gemeinsamen Moment bei Antenne Düsseldorf, als er zum damaligen Chefredakteur Michael Mennicken sinngemäß sagte: „Die Sabine hat gerade getweeted, dass sie mit ihrer Diplomarbeit gut vorankommt.“ Oder so ähnlich. Ich verdrehte nur die Augen, werkelte an meinem Radiobeitrag weiter – und ein halbes Jahr später war ich dann auch bei Twitter.

Auf der anderen Seite sehen wir Kollegen wie Thomas Wedel, die zur Verifizierung gerade mal 40 Follower hatten, neu bei Twitter sind und sich äußerst selten über Twitter engagieren (letzter Tweet: Juni 2014). Kurze Anmerkung: Das soll keine Kritik an Thomas Wedel sein; er ist ein hervorragender Nachrichtenredakteur und Sprecher, mit dem ich schon mehrfach zusammenarbeiten durfte. Doch mit welchem Maß die (vermutlich) deutschen Twitter-Mitarbeiter die Accounts verifizieren (oder auch nicht), ist mir schleierhaft. Das ist im Übrigen jedem schleierhaft. Denn wieso ein Nutzer verifiziert wird, ist öffentlich nicht bekannt. Und offensichtlich geht es auch nicht um die Follower-Zahl, auch nicht immer um „wichtige Einzelpersonen„, wie es Twitter in seinen FAQs zu verifizierten Accounts beschreibt; schließlich werden auch Provinzpolitiker, die gerade bei Twitter gestartet sind und weniger Wähler als Follower haben, gerne mal verifiziert.

Wie es so immer ist, kennt man jemanden, der jemanden kennt, der einen Kontakt zu Twitter hat. Und von dem hörte ich, dass mein Account „nicht den Verifizierungsrichtlinien“ entspräche. Auf Nachfrage erhielt ich die weitergeleitete Antwort, dass es „keine weiteren Auskünfte zu den Richtlinien“ gibt. Soviel zur Transparenz bei einer Aktiengesellschaft, die mit den permanent roten Zahlen im Sturzflug ist. Auch die Floskelwolke, ein Webprojekt, das für den Grimme Online Award 2015 nominiert und mit dem Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik ausgezeichnet wurde, entspricht angeblich nicht den Verifizierungsrichtlinien. Trotz Wikipedia-Eintrag, deren Relevanzkriterien deutlich strenger sind sein dürften. Mit anderen Worten: Man hat mich überprüft und behauptet nun, dass es mich nicht gibt. Das ist schon etwas frustrierend. Ich gehe gleich in meinen Kühlschrank und werde über meine Nichtexistenz philosophieren.

Mich gibt es allerdings tatsächlich! Wirklich. Versprochen. Ich habe vermutlich mit den Jahren vor Hunderttausenden Nachrichten im Hörfunk gesprochen, bin Autor im renommierten PIPER-Verlag und wurde für die Floskelwolke etliche Male interviewt. Süddeutsche Zeitung, Die Zeit, Deutschlandfunk, Deutsche Welle, Spiegel Online – mehr als 160 Medien sprachen u.a. über mich. Ich habe auch eine geforderte „offizielle Website“, diese hier. Seit zehn Jahren. Auch Twitter-Cards sind vorhanden. Selbst Facebook hat mich schon verifiziert (siehe Titelbild). Vielleicht nicht aus ethischer Sicht, aber wäre es aus unternehmerischen Gründen nicht sinnvoll, so viele gewichtige Unterstützer wie nur möglich zu erhalten – und sei es nur mit so einem popeligen verified-Badge bei Twitter?

Beim Schwanzlängenvergleich von Klout habe ich einen Score von 64 (Fiene: 63), womit ich besser dastehe als beispielsweise die bei Twitter verifizierten Medien Hamburger Morgenpost, Rhein-Zeitung, Phoenix, RTL 2, MDR Jump, Golem.de und VIVA. Laut den Twitter-eigenen Analytics erreiche ich monatlich zwischen 150.000 und 250.000 Leser. Mein Account ist auch von Spam-Followern bereinigt. Um sie los zu werden, habe ich TwitBlock eingesetzt. Die aktuell mehr als 1.800 Follower sind echte Follower, keine Fakes.

Mit meinen Social Media-Charts der Medien analysiere ich, wie gut sich die deutschsprachigen Medien in Deutschland, Österreich und der Schweiz in den sozialen Netzwerken schlagen. Dabei analysiere ich nicht nur die Followerzahlen, sondern auch die viel wichtigeren Interaktionen und erstelle daraus transparente Score-Werte. Diese Analytik fällt auch positiv auf Twitter zurück. Nicht nur, dass dieses Tool seit 2011 sehr gefragt ist, sich die Medien deswegen Gedanken machen, wie sie ihr Twitter-Profil verbessern können, sondern auch durch Schulungen in privaten und öffentlich-rechtlichen Medien habe ich Redakteure, PR-Leute, Moderatoren und Sprecher fit für Twitter gemacht.

Seit ein paar Jahren unterstütze ich Twitter – wohlgemerkt ehrenamtlich – dabei, eine saubere Übersetzung für deutschsprachige Nutzer zu liefern. Rund 1.000 Texte habe ich übersetzt und mehr als 5.000 Übersetzungen von anderen, teils katastrophalen Translatorn überprüft. Für dieses Engagement prangt der Translator-Badge in meinem Twitter-Profil. Was also bitte, Twitter, muss ich denn noch tun, damit ich verdammt noch mal verifiziert werde? Benötigt Ihr meine Geburtsurkunde? Ein erweitertes Führungszeugnis? Ich kann auch gerne mal auf ein Käffchen vorbeikommen. Doch ich habe eine Vermutung: Vielleicht, aber auch nur vielleicht ist der verified-Badge gar kein Emblem, um Personen zu verifizieren? Vielleicht geht es hier gar nicht darum, überprüfte Nutzer zu bestätigen. Vielleicht ist dieser Badge doch eher ein Gutdünken-Kennzeichen – je nach Lust und Laune des Twitter-Mitarbeiters?

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