Das Bild des an den Strand gespülten toten Kindes sorgte für Aufsehen – auch aus journalistischer Sicht. Darf man dieses Foto zeigen? Oder nicht? Ich empfinde es als falsch und deplatziert. Doch ohne das Thema zu vertiefen, Udo Stiehl und Stefan Plöchinger haben das aus medienethischer und medienrechtlicher Sicht gut beleuchtet, möchte ich für eine vier Jahre alte Funktion bei Twitter werben, die leider kaum genutzt wird: die Markierung von Medien als „sensible Inhalte“. Um Fotos unkenntlich zu machen, gibt es drei Möglichkeiten für das soziale Netzwerk Twitter:

1. Verpixeln

Das dürfte keine Überraschung sein. Kurz das Bildprogramm öffnen, Filter anwenden – dauert keine 5 Sekunden. Ganz alte Schule. Funktioniert auch bei Twitter.  Und wer noch Nachhilfe bei den publizistischen Grundsätzen benötigt, wirft gerne auch einen Blick in den Pressekodex.

2. Medien als „sensibel“ markieren

Möchten Sie ein schwieriges Foto (oder auch Video) dennoch zeigen, so bietet sich eine recht praktische Funktion bei Twitter an: Sie markieren die gewünschten Medien als „sensibel“. Der aufgerufene Tweet sieht dann folgendermaßen aus:

„Sensible Medien“ bei Twitter

Einzelner Tweet, dessen Foto als „sensibel“ markiert wurde. Nur der Text wird angezeigt, das Bild ist noch verborgen.

In der Timeline erscheint der Tweet so:

„Sensible Medien“ bei Twitter

Tweet mit geschützten Medien in der Timeline. Auch hier erscheint das Bild nicht unter dem Text. Ein Hinweis weiter rechts („Foto anzeigen“) informiert über ergänzendes Material.

Erst mit dem Aufruf des Tweets und dem Klick auf „Inhalt anzeigen“ wird das verborgene Foto dargestellt:

„Sensible Medien“ bei Twitter

Dieser potthässliche Schmetterling ist als „sensibles Medium“ markiert.

Leider macht es uns Twitter nicht gerade leicht, die Funktion zu nutzen, denn beim Posten gibt es dafür keine Option. Das verwundert, verweist Twitter doch ausdrücklich auch auf die eigenen Medienrichtlinien und bietet eine umfangreiche Hilfestellung zu den Medieneinstellungen an. Zudem gibt es die Funktion schon seit mehr als vier Jahren.

Um alle künftigen oder nur ein einzelnes Foto als sensibel zu markieren, müssen Sie zunächst in die Einstellungen gehen und dort „Meine Medien als Material, das sensible Inhalte beinhalten könnte, markieren“ aktivieren.

„Sensible Medien“ bei Twitter

In den Einstellungen zu finden: Künftig alle Fotos und Videos als „sensible Medien“ markieren.

Neben dem schon erwähnten Nachteil, nicht bereits beim Schreiben diese Option setzen zu können, gibt es weitere Hürden: Wer darüber ein Häkchen gesetzt hat („Keine Information vor dem Anzeigen von Medien, die sensible Inhalte beinhalten könnten“) sieht das Bild logischerweise ohne Vorwarnung. Außerdem ist die Einstellung nicht mobil, sondern nur über die Web-Version verfügbar. Und klar, der Eyecatcher-Effekt ist dahin.

Es gibt aber auch einen Vorteil beim Setzen dieser Einstellung: Sie gilt nicht rückwirkend, sondern nur für künftig gepostete Bilder. Möchten Sie also nur eines als sensibel markieren, können Sie die Einstellung danach wieder deaktivieren. So bleibt nur dieses eine Bild markiert. Hintergrund: Die Einstellung bezieht sich nicht auf das Konto, sondern wird in den Tweet-Metadaten gespeichert.

3. Medien per API als „sensibel“ markieren

Einige Redaktionen nutzen spezielle Apps oder Skripte, um Fotos direkt über die Schnittstelle (API) von Twitter hochzuladen. In der Regel auch automatisiert als Beigabe zu einem Artikel, der dann bei Facebook, Twitter und in anderen Netzwerken erscheint. Wer so ein CMS im Einsatz hat, sollte mal die Techniker fragen, ein Häkchen in das Websystem einzubauen.

Sowohl in der zwar schon als deprecated gekennzeichneten, aber noch immer weitverbreiteten POST statuses/update_with_media als auch bei POST statuses/update gibt es die Option possibly_sensitive, die einfach auf true gesetzt werden muss:

„Sensible Medien“ bei Twitter

possibly_sensitive als Post-Setting von statuses/update_with_media und statuses/update

Das war’s auch schon. Für die Cards bei Twitter und Medien-Posts bei Facebook gibt es leider keine Option.

Fazit

Wer einen – wie der Name schon richtig ausdrückt – sensiblen Umgang mit Medien pflegen möchte, kommt an diesen Einstellungen nicht vorbei. Sie sind einfach und schnell erledigt – und gestatten es jedem Twitter-Nutzer selber zu entscheiden, die Bilder oder Fotos zu sehen.