Wie bereits in meinem Beitrag über die theoretische Prüfung für den EU-Führerschein angekündigt, fand heute nun endlich die Fahrprüfung statt. 4 von 7 Fahrschülern bestanden heute Morgen die praktische Prüfung nicht. Doch etwas langsamer und ausführlicher bitte…

Ich legte mich am Vorabend rechtzeitig ins Bett und lernte noch die Fragebögen, die mir Eric (einer der Fahrlehrer) am Vortag gab. Denn schließlich sollte auch alles Mögliche zur Technik abgefragt werden. Warum dieser Theorieteil überhaupt in der praktischen Prüfung vorkam und warum Elemente am Motorblock, die ansonsten nur Werkstatt-Mechaniker kennen müssen, abgefragt wurden, das bleibt für mich ein Rätsel. Jedenfalls lernte ich noch fleißig und wollte früh einpennen, um am nächsten Morgen fit zu sein. Najaaa… ich probierte es immerhin. Wie in jeder Nacht der letzten Wochen schlief ich megabeschissen und diesmal wachte ich nach nur zwei Stunden wieder auf, weil es viel zu heiß war. Ich finde über 30° Grad um halb 3 Uhr in der Nacht unlogisch, fies und gemein.

Um halb 8 Uhr war ich in der Fahrschule RAGUNO in Moissac, vor der bereits fünf andere Schüler auf ihren Prüfungsbeginn warteten. Und da die Fahrschul-Lehrerin Fabienne (die Frau von Michele Raguno, dem Besitzer) noch nicht da war, weil sie einen Prüfling mit dem Auto abholen musste, schweifte ich meinen Blick erneut auf die Statistiken in der Fensterscheibe: Im Département „Tarn et Garonne“ schafften im Jahre 2005 nur 57 Prozent die Fahrprüfung (genauso viel wie bei der theoretischen Prüfung). Fabienne kam schließlich und wir wanderten quasi um die Ecke, wo der Prüfer bereits auf uns wartete. Auf dem Weg dorthin teilte sie uns mit, dass er sehr symaptisch, aber auch äußerst strikt sei. Ich bin ja in Stresssituationen verhältnismäßig ruhig und locker, und weder die Statistiken noch ihre Einschätzung über den Prüfer beeindruckten mich. Ich glaube, das ist eine Gabe, die manchmal sehr wichtig sein kann. Nunja, da ich der letzte Depp auf der Liste war, musste auf die sechs Kandidaten vor mir warten. Die Prüfung ging über 35 Minuten Fahrtzeit + die Theorie über das Auto (drinnen und draußen), so dass es mehr als drei Stunden waren, bis ich drankam.

Das Blöde an den 3 Stunden Warten war nicht nur das relativ langweilige Warten ansich, sondern dass man die Ergebnisse der Vorgänger logischerweise mitbekam. Wer vor den 35 Minuten an den Parkplatz fuhr, an dem wir warteten, oder wer keinen gelben „Ich-hab-bestanden“-Zettel (siehe Foto unten) in der Hand hielt, hatte verloren. Klare Sache! Die Ergebnisse des heutigen Tages erschraken mich schon, zumal sie weit unter dem Jahresdurchschnitt von 2005 und zudem unter 50% lagen. Nur zwei bekamen nach der Schlappe noch die Klappe auf und erzählten von ihren Missgeschicken. Endlich kam ich an die Reihe!

Ich stieg ein, sachte Tach und ab ging’s! Und schwupps, der erste Fehler. Aber nichts Wildes, nichts bedeutendes. Obwohl ich mich sehr sicher fühlte und nicht gestresst war, war da dennoch dieses komische Gefühl. Sämtliche Lerninhalte kamen -wie erwartet- in der Prüfung vor. Doch abgesehen davon, dass der Fahrprüfer in der Tat sehr sympathisch war, fand ich’s lustig, dass er behauptete, ich hätte einen englischsprachigen Akzent. Er war früher ein paar Jahre in der Armee und hatte mit Deutschen und Engländern zu tun gehabt und trotzdessen er ja aufgrund des Personalausweises wusste, dass ich Deutscher bin, unterstrich er später ein weiteres Mal , mein Akzent wäre eher englischer Natur. Ich musste nur liebgemeint Lachen und wusste gar nicht, ob ich das nun als Kompliment auffassen sollte.

Die 35 Minuten waren noch gar nicht um, da dirigierte er mich wieder Richtung Anfangspunkt, und ich bekam sofort die Befürchtung, dass es aus war. Ein klitzekleiner Fehler zu viel, und Du musst mindestens 15 Tage warten, bis Du zur nächsten Prüfung zugelassen werden kannst. 15 Tage, die ich nicht habe, schließlich fliege ich bereits nächste Woche zurück nach Deutschland. Nunja, wir bogen irgendwann ab und fuhren woanders hin, so dass meine anfängliche Befürchtung unbegründet war. Ich machte keine wirklichen Fehler, denn ich war sehr sicher, und zum Abschluss der dreiviertel Stunde sagte er ein lässiges „Bien“ (also juti). Das war natürlich super! Dennoch fragte ich nach, wo er noch Schwierigkeiten bei mir sähe. Er überlegte einige Sekunden, aber er schüttelte den Kopf! Jiiiehaaa… (dachte ich mir). Das Resultat: Ich habe in französischer Sprache die theoretische als auch die praktische Prüfung beim ersten Durchlauf geschafft und somit den Führerschein der Europäischen Union rechtmäßig und verdient erworben. Den Lappen brauche ich nach meiner Rückkehr in Deutschland noch nicht mal umschreiben lassen! Nur dieses blöde Arbeitsamt-Schild muss ich in Frankreich für die nächsten zwei Jahre hinten an der Heckscheibe tragen (siehe Abbildung).

Als ich zurück zu meiner „Maison St. Roch“ fuhr, aßen meine Kiddies schon, denn es war bereits Mittagszeit. Ich kam in den Speisesaal, hob andächtig den Daumen nach oben, grinzte leicht verschmitzt und erntete fetten Applaus. Ich war der Star! Ich unterhielt mich während des Essens mit meinen Leuten und natürlich auch mit Patrick. Ich sagte dem Erzieher: Das war meiner letzter Tag mit dem Roller (frz. Mobylette)! Und er musste lachen. Schließlich hatte ich bestimmt schon 6 oder 7 Pannen mit der alten Kiste und er musste mich öfters von der Straße auflesen. Na vielleicht mache ich eines Tages meinen Motorradführerschein, denn es macht riesig Laune damit. Die Abbildung rechts ist übrigens ein Beispiel-Zertifikat für eine nichtbestandene Führerscheinprüfung. Bei mir wurde im unteren Drittel das erste Feld angekreutzt und meine Führerscheinnummer eingetragen. Klick einfach ‚mal auf das Bild, um es zu vergrößern!

Am Nachmittag konnte ich es natürlich nicht lassen und schnappte mir einen freien Renault Kangoo, holte mir die Erlaubnis von der Direktion und war drei Stunden nicht gesehen. Ich probierte alle Möglichkeiten der Gegend aus: So war ich z.B. in Lauzerte (ein kleines, enges und sehr hochgelegenes Dorf mit teils starkem Gefälle in den Straßen), fuhr lange Zeit nur Kurven, düste durch Kleinstädte und peeste auf der Autobahn bis nach Toulouse. Ich sag’s euch schon heute: ICH LIEBE ES, AUTO ZU FAHREN. Und um auf die Überschrift zu antworten: ICH!!! *breitgrins*