Die Weihnachtsfeier schloss das erste Trimester in dieser Schule ab. Wie jedes Jahr gibt es am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien (die 2005 bereits am 16. Dezember begannen) in der Sporthalle ein „großes Spektakel“ mit den Jugendlichen, der Familie (so weit vorhanden und vergügbar), allen Schülern, Erziehern und Lehrern. Insgesamt sollen es wohl so 350 Leute gewesen sein. Meine Schwerpunkt lag an diesem Tag in der Musik. Natürlich! Doch zunächst etwas typisches hier. Etwas, das hier normal erscheint, und für uns Deutsche eher zum Stirnrunzeln einlädt:

Gegen 15.30 Uhr fragte mich der hauseigene Pfarrer, ob ich denn mal 5 Minuten Zeit hätte. Klaro dachte ich mir und Klaro sagte ich ihm auch. Kurz zu seiner Person: Katholischer Pfarrer (oder Priester?), Mitte 30 Jahre alt, stammt aus Ex-Zaire also nun Kongo und ist eigentlich ein sympathischer Kerl, der jedoch so einige Macken hat. Keine böswilligen, aber er ist etwas schusselig, wenn man so will. So verlor er seinen Autoschlüssel eine Woche vor der Weihnachtsfeier. Und nicht nur dass, ich musste ihm mit Sicherheit drei Mal seinen Schlüssel nachtragen. SEHR gefährlich, denn jeder Erzieher, Lehrer und Mitarbeiter besitzt einen Schlüssel, der die meisten Räume zugänglich macht. Kein Generalschlüssel, aber dennoch wäre die Vorstellung, ein Jugendlicher würde diesen in die Finger bekommen, der Horror. Nun denn… aus den besagten 5 Minuten wurden dann insgesamt 60 Minuten und aus den 60 Minuten wurde eine Generalprobe für die Weihnachtsmesse in der Kirche, die bereits zwei Stunden später anfing.

Was war geschehen? Letzendlich begleitete ich mit der meiner Konzert-Gitarre einen Chor und eine Querflöte während des Gottesdienstes, ohne dass ich mit diesen auch nur einmal geprobt hätte. Darüber hinaus waren mir allenfalls 25 Prozent aller Lieder bekannt, und während des Gottesdienstes tauchten auf einmal neue Noten auf, die ich noch nicht mal in der Mini-Generalprobe sah. Und dann noch diese schrecklichen französischen Noten!!! Der C-Dur Akkord heißt hier nicht C, sondern „do“, und G ist hier „sol“. Ich dachte, ich krieg Plack! Ich bin schon sehr gespannt, wie meine Kurse aussehen werden und vor allem WIE ich unterrichten werde. Ich kann diese Noten ja selber noch nicht. Eventuell belasse ich es bei den internationalen. Wie auch immer, klappte die Messe -auch wenn sehr spontan- einwandfrei. Dennoch erfuhr ich, dass Tiber (der Pfarrer) einfach vergas, mich schon früher darauf anzusprechen. Wie mir die Querflöte zuträllerte, probte der Chor schon seit etlichen Wochen und wunderte sich, warum ich nur nie kam. Joa, das nennt man Kommunikation. Aber letzten Endes klappte ja alles!

Für das eigentliche Spektakel war ich der Mann der Musik, um genauer zu sein der Technik und war ununterbrochen während der 3 1/2 stündigen Feier beschäftigt, alles zu regeln. Die Instrumente und das ganze Musikequipment erreichte uns nur wenige Tage zuvor, und es war für mich als auch für die Accessoires eine Premiere. Ich wusste zwar, wie man was bedient, aber für so eine Menge hatte ich noch nie gemischt. Die Technik ließ mich nicht im Stich und es war perfekt. Während der Zeit bekam ich einen riesen Kohldampf (während ich auch einen sehr entzückenden Brief las), weil ich aufgrund der vielen Vorbereitungen fast nichts essen konnte. Während der Feier brachte mir jemand ein paar Sachen… Fisch! Ihr kennt meine Liebe zu Fisch! Da könnte ich auch einen Aschenbecher auslecken, da hab ich die gleiche Freude dran. Aber was war das? Ein Dessert? Ein Eis? Es sah so aus. Während ich genüsslich reinbiss, kam mir nach einem Augenblick fast das Würgen. Gänsepastete. Uahhh!!! Aber ich stand mit meinem Mixer direkt an der Bühne, und es hätte jeder gesehen, wenn ich das ausgespuckt hätte. Also tapfer runter damit! Bähh… wie grausam.

Kurze Zeit später besorgte mir Stephane, mit dem ich für die Kids den langen Sportnachmittag jeden Mittwoch habe, was Anständiges. Die Feier war insgesamt sehr schön, und jedes der sieben Foyers präsentierte etwas. Musikalisch ging es dabei zumeist in die HipHop-Richtung; aber auch Lieder aus der Heimat, Tanz, Gesang und Theater rundeten den Abend ab. Nach dem Spektakel feierten alle in ihren Foyers weiter. Die Bilder lasse ich mal unkommentiert, die sprechen eh für sich… Jetzt fragt mich aber nicht, warum kein Foto von mir drauf ist! Ich weiß es auch nicht, aber ich wüsste es auch gerne. Ich gab meine Fotokamera extra einem Jugendlichen, der aus meiner Sicht auch welche von mir machte, als ich so hektisch am Mixer stand. Aber vielleicht vergas er, richtig auf den Auflöser zu drücken?! Naja… no comment. *lach* Immerhin könnt ihr bei meinem Ski-Ausflug ein paar neue Bilder sehen ;-)

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