Wir schreiben das Jahr Null der Zeitrechnung meines Freiwilligendienstes in Frankreich. Gewiss, mir fiel letztens im Gespräch ein, dass ich dieses Jahr wohl mein 10-jähriges Engagement in der Evangelischen Jugendarbeit feiern werde… oder so. Aber das lenkt nur ab vom Thema, denn es gibt immer Jubilarien und Geburtstage und sülz und bla. Ich weiß. Im Jahr Null, also eigentlich Mitte Dezember 2005, fuhren wir in die Pyrénées (wie schreibt man das eigentlich auf Deutsch?). Zur kleinen Vorgeschichte: Wie schon im vorherigen Beitrag deutlich wurde, war die Weihnachtsfeier am 15. Dezember 2005 nicht nur der Abschluss des Jahres, sondern auch zugleich der Beginn der Weihnachtsferien. Da es hier drei von sieben Foyers gibt, deren Jugendliche aufgrund bestimmter Gründe keine Heimat in Frankreich besitzen, ist auch immer Programm am Wochenende und in den Schulferien. Die anderen Kids der anderen Foyers fahren für diese Zeit „nach Hause“. Aber dazu ein ander‘ Mal mehr!

Für die zwei Wochen Ferien gab es eine Aufteilung. Die erste Gruppe arbeitete hier eine Woche an allmöglichen Baustellen in diesem Schulkomplex und fuhr in der zweiten Wochen in das Alsace. Die zweite Gruppe (alle aus meinem Foyer „La Casèla“) hatte zuerst Ferien und setzte dann deren Arbeit fort. Die zweite Gruppe, die zunächst Ferien hatte, begleitete ich zumindest am ersten Wochenende. Denn in der darauffolgenden Arbeitswoche wurde kräftig für den Musikraum gearbeitet, und da ich die Leitung für mehrere Jugendliche bekam, musste ich natürlich hierher und konnte daher „nur“ am Wochenende weg. Kein Thema. Am 17. und 18. fuhre ich also mit Mario, dem anderen Volunteer aus Mexiko, den anderen Erziehern und der Jugendgruppe in die Pyrénées zum Ski-Fahren. Die völlig abgewrackte Jugendherberge bleibt lieber unerwähnt; nur so viel: Der Bund hat bessere Betten. Wie auch immer. Am zweiten Tag startete das Ski-Fahren!

Zunächst sei gesagt, dass ich nicht damit gerechnet hatte, überhaupt die Chance zu bekommen, für nur einen Nachmittag Ski zu fahren. Ich hatte ja keine richtige Klamotten; und vorher wurde mir gesagt: Joa, kommste halt mal raus, aber Ski-Fahren ist nicht… Ist ja eh nur ein Tag. Spontan klappte es vor Ort dann aber doch, und so kam es, dass ich zum ersten Mal Ski-Fahren konnte! jipieeeh…. Dafür, dass es mein erstes Mal war und ich keinen Einführungskurs bekam, stellte ich mich erstaunlicher Weise sehr gut an. Ohne Scheiß, flog ich gerade mal bei den ersten zwei Anläufen auf die Nase und zwischendrin noch einmal. Das Schlimmste am Anfang ist die Panik, nicht lenken zu können, schlichtweg nach links oder rechts zu navigieren. Und diese Panik ist berechtigt, denn man kann es am Anfang einfach noch nicht. Ich schaute den anderen auf der Piste zu, und so Begriff und lernte ich. Wie peinlich es dann aber doch war, von 5-jährigen kleinen Kindern mit doppelter Geschwindigkeit überholt zu werden und einer Grazie, die selbst die feminine Ader von Legolas nicht besser wiederspiegeln könnte, erzähle ich besser nicht. Es bleibt jedenfalls das schöne Gefühl beim Ski-Fahren, nein, es ist wirklich geil!!! Aber ich gebe den Rat, immer künstliche Ersatz-Knie mitzunehmen. *hihi*

Kleine Anmerkung: Die Arbeit mit Immigranten erfordert in gewissen Situationen Fingerspitzengefühl. Ich verzichte aus Sicherheitsgründen bewusst auf die Veröffentlichung von Nachnamen (und verändere u.U. auch die Vornamen) und woher die jeweiligen Kerle kommen.

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