Da ich derzeit am Umziehen bin, habe ich vor ein paar Tagen das Abschlussbuch meiner Grundschule wiederentdeckt. Dort hatten sich immer zwei Kameraden einen Mitschüler ausgesucht und über ihn einen kurz Text geschrieben. Bei mir steht in einem Nebensatz: „Leider hat Basti immer so stark Allergien.“ In der Tat war meine Kindheit heftig von Pollenallergien geprägt. Neben der Belastung durch Medikamente in den intensiven Pollenphasen war ich im Winter sogar wöchentlich zur Hyposensibilisierung; und das über 4 Jahre lang. Die Allergien gingen deutlich zurück, aber noch heute habe ich darunter zu leiden: ohne Medikamente wären Frühling und Sommer kaum zu ertragen.

Wenn wir auf das noch junge Jahr 2010 vorausblicken, dann dürfte gerade die erste Phase besonders intensiv werden. „Der Pollenflug kommt spät, aber mit Macht“, warnt sogar der Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen, Hans Merk. Wegen des langen und vor allem sehr kalten Winters, setzt die Blütephase in diesem Jahr sehr spät ein, dafür starten viele Pflanzenarten auf einmal. Die Belastung für Allergiker ist in diesem Frühling besonders hoch. Nachfolgend möchte ich Ihnen einige Ratschläge ans Herz legen.

Praktische Tipps bei Pollenallergien

  • Der Pollenflug weist je nach Tageszeit unterschiedliche Konzentrationen auf. Außerdem spielt die Region eine Rolle: Auf dem Land ist gerade morgens der Pollenflug am Stärksten, in Städten hingegen erst am Abend. In diesen intensiven Phasen sollten alle Fenster geschlossen sein.
  • Bei starkem Pollenflug sollte Sie es natürlich vermeiden, sich im Freien, aber vor allem in offener Landschaft, aufzuhalten. Einige Webdienste (siehe weiter unten) informieren über den aktuellen Pollenflug, sie sind ein guter Anhaltspunkt.
  • Sollten Sie auf Sport oder Spaziergänge nicht verzichten können oder wollen, dann ist der Laubwald empfehlenswert, da Blätter den Blütenstaub effizient filtern.
  • Hut und (Sonnen)Brille minimieren eine Allergie ebenfalls.
  • Die Pollenallergie wird ebenfalls bei täglichem Haare waschen und zusätzlichem Ausspülen reduziert (z.B. morgens Haare waschen, und mindestens abends noch einmal ausspülen).
  • Nutzen Sie den Regen bzw. die Stunden danach! Regen bereinigt die Luft, und lädt zu einem frischen Spaziergang ein.
  • Wäsche sollte zum Trocken nicht im Freien aufgehangen werden.
  • Sollte es Ihre Urlaubsplanung zulassen, reisen Sie in den intensiven Pollenphasen (Pollenkalender hier) z.B. ans Meer, auf eine Insel, in Hochgebirgslagen oder in waldige Gebiete. Der Urlaub auf dem Bauernhof ist i.d.R. selten vorteilhaft. Für Europa gibt es übrigens eine gesammelte Datenbank zum aktuellen Pollenflug (siehe hier).
  • Feinstaub, der gerade in Großstädten im Straßenverkehr überproportional häufig vorkommt, kann die Allergien verschlimmern. Die Staubteilchen haften sich an die Pollen, wodurch die Wirkung verstärkt wird.
  • Es gibt Theorien, die besagen, dass im direkten Sonnenlicht weniger Pollen herumschwirren als im Schatten. Hintergrund ist offenbar die so genannte Konvektion.
  • Erkundigen Sie sich nach einem Pollenfilter z.B. für’s Auto! In neueren sind diese fast schon Standard. Bei älteren Autos oder bei denen es nicht zur Grundausstattung gehört, kann der Filter meist nachgerüstet werden. Dass Autofenster bei starkem Pollenflug geschlossen zu halten, dürfte selbstverständlich sein.
  • Auch für Staubsauger gibt es gute Filtersysteme, nutzen Sie sie! Über den Tag verteilen sich viele Pollen auf dem Fußboden. Ohne Staubsaugerfilter wirbeln Sie die Pollen erneut in der Luft herum.
  • Nasenduschen bereinigen mittels Kochsalz den Nasenraum und befreien schnell die verschnupfte Nase von Pollen. Mir sind allerdings auch Ärzte bekannt, die vor Nasenspülungen warnen, da sie Pollen und Schmutz nur zum Teil entfernen, und die „hinteren Reste“ noch weiter in die Nasennebenhöhlen drücken.
  • Wenn Sie in Ihrer Wohnung trotzdem nicht auf durchgängig frische Luft verzichten können, dann bietet sich ein Pollenschutzgitter für die Fenster ein an, die bis zu 90 Prozent der Pollen filtern können.
  • Gartenliebhaber sollten den Rasen stets kurz halten, damit die Gräser nicht anfangen zu blühen. Überlassen Sie das Rasenmähen auch jemand anderem.
  • Vermeiden Sie zur „Kühlung“ in den Räumen einen Ventilator. Starke Bewegungen wirbeln die Pollen erneut auf.
  • Auch Alkoholkonsum kann sich negativ auf eine Allergie auswirken: Bekanntermaßen erweitert Alkohol die Gefäße, das gilt auch für die Nasenschleimhaut, wodurch die Pollen schneller und leichter in die Blutbahn geraten.
  • Es gibt auch Medikamente, die einen ähnlichen Effekt wie beim Alkoholkonsum aufzeigen. Lesen Sie die Packungsbeilage, wenn Sie während der intensiven Pollenphase Medikamente zu sich nehmen müssen.
  • Generell gilt: Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker zur einer möglichen Medikation und Therapie!
  • Quelle: ALLUM, Pollenwarndienst.at, eigene Erfahrungen

Neben diesen Tipps bieten zahlreiche Internetseiten unterstützende Informationen an. Leider sind darunter auch Pharmaunternehmen, die weniger unabhängig als vielmehr eine Werbeplattform darstellen, obgleich sie dem Besucher eine neutrale Quelle vorgaukeln. Umfangreiche Infos zum Thema Pollenallergie finden Sie z.B. bei ALLUM und der Stiftung „Deutscher Polleninformationsdienst“. Vorhersagen bieten u.a. WetterOnline.de, DonnerWetter.de und der Dt. Wetterdienst an.