Meine neue Wohnung in Berlin-Mitte gefällt mir wirklich sehr. Im Hinterhaus kriegt man so gut wie gar nichts mit von der lauten Straße, und wenn die Kinder in irgendeiner Etage mal krakeelen, dann ist die Mutter meist lauter. Aber sonst: Ruhe pur. Angenehm, und DAS für das hektische Berlin! Weniger angenehm war meine Suche nach einem Fernsehempfang. Zugegeben, wenn ich mich mit Freunden oder Kollegen über das Fernsehprogramm unterhalte, dann kommt zum einen die Gesprächsinitiative eher selten von mir. Zum anderen fühle ich mich dann wie ein Kulturwissenschaftler auf einer Vorlesung über Wirtschaftsmathematik. Es ist nicht so, dass ich Fernsehen nicht mag, ich hasse es viel mehr. Filme schaue ich hingegen sehr gerne und würde am Liebsten einmal in der Woche ins Kino gehen. Wenn ich Richtung Fernsehen blicke, bin ich ein durch Tele5-Cartoons fernsehgeschädigtes Kind der 80er Jahre… aber heutzutage gibt es so viel Schwachsinn und so wenig gute Sendungen zur gescheiten Zeit. Katastrophal! Nicht umsonst beschränke ich das Fernsehen auf einmal die Woche (wenn’s hoch kommt); nicht selten bleibt die Kiste auch ‚mal einen Monat aus. Dank der -zwar schrumpfenden (Danke, 12. Rundfunkstaatsvertrag!), aber hervorragenden- Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen kann ich zumindest wichtige Sendungen nachträglich anschauen. Aber ein Dauerzustand ist das nicht und ich will mich auch mal gerne in die Sitzgruppe des Wohnzimmers begeben und rumhängen, anstatt vor dem Computerbildschirm zu hocken.

Vier Kanäle per Satellit

Was nun? In Nordrhein-Westfalen hatte ich mir damals eine DVB-T-Antenne besorgt (beste Außenantenne bei Stiftung Warentest) plus einen Verstärker, aber hier im Hof mochte der Empfang nicht hinhauen. Nun hat meine neue Wohnung zwar einige Vorzüge, aber hier im Haus gibt es eine TV-Kabelleitung mit einer seltsamen Sat-Verbindung. Theoretisch praktisch: Per Satelliten-Empfang steuert ein Receiver zentral die Kanäle ins Hausnetz, so dass die Mieter keinen DVB-S-Receiver benötigen, sondern die Kanäle selbst mit einem 50 Jahre alten Fernseher empfangen werden könnten. „Könnten“ trifft es übrigens gut, denn es gibt nicht die gefühlten 400-Sat-Sender, sondern nur ein paar wenige, die an einer Hand abzuzählen sind: Den Kinderkanal empfange ich, 3Sat (immerhin) und ähh… MTV (das war früher mal so ein Musiksender, die Älteren unter Ihnen werden sich erinnern) und das war’s dann auch schon. Noch nicht mal ARD für äh…. ja, zur Not halt die Tagesschau. Das war mir zu wenig! Selbst für mich als TV-Hasser.

Der Anfang vom Ende mit Kabel Deutschland

Da liegt der Schluss nahe, etwas Geld zu investieren und in diesem Fall gibt es ja keine großen Alternativen mehr. So bestellte ich einen digitalen Kabelanschluss bei „Kabel Deutschland“. Gute Konditionen, viele Sender, passt! Doch was folgte, war eine ziemlich nervige Angelegenheit: Ende August über’s Internet bestellt, folgte die Auftragsbestätigung sehr zügig. Was mir für den Empfang natürlich fehlte, war der Receiver. Doch der DVB-C-Receiver kam nicht. Zwei Wochen später erkundigte ich mich mal vorsichtig in einer kurzen e-mail. Bei manchen Telefonanbietern kann man ja froh sein, wenn der Anschluss nach drei Monaten steht; deswegen auch die vorsichtige Anfrage. Es folgte eine e-mail, dass der Receiver wohl schon Ende August geliefert wurde. Ein Telefonat mit der Hotline brachte auch nichts mehr; mein Anliegen wurde aber immerhin an die Logistik weitergeleitet. Von dieser bekam ich nach einigen Tagen einen Brief, in der mir gesagt wurde, dass das Paket (schon seit mehr als zwei Wochen) in der Buchhandlung „gegenüber“ liegen würde. Gut, dafür konnte Kabel Deutschland nichts, denn der Paketdienstleister DHL hatte es offenbar vergeigt, mir einen Hinweis in den Briefkasten zu werfen.

Techniker auf Irrwegen

In der Buchhandlung erwiderte man mir zunächst: Kabel Deutschland? Sebastian Pertsch? Hmm? Hinter zahlreichen anderen Päckchen und Paketen lag dann aber doch mein Paket. Voller Freude ging ich zurück in meine Wohnung und steckte alles ordnungsgemäß an. Fehlanzeige! Auch der Tipp eines Kollegen, ein stärker abgeschirmtes Koaxialkabel zu verwenden, brachte keine Veränderung. Null Radiosender, null Fernsehsender, null Lust auf den nächsten Stress. Die Technik-Hotline (kostenlos, löblich!) bestätigte, dass dann ein Techniker vorbei kommen müsste, die Firma sich aber bei mir vorher melden wird. Das tat sie nicht. Eine halbe Woche später rief ich wieder an, allerdings meldete sich daraufhin die Firma und vereinbarte einen Termin mit mir. Nur zwei Tage später zwischen 12 und 16 Uhr; auch das vorbildlich. Ich solle außerdem dafür Sorge tragen, dass der Techniker in den Keller kann. Ist ja logisch!

An dem Mittwoch ging ich am Vormittag Richtung Keller, stellte aber fest, dass ich leider gar kein Schlüssel für den Keller besitze. Der Schlüssel für’s Haus passte nämlich nicht. Die Hausverwaltung war -wie so üblich- nicht erreichbar; deswegen klingelte ich bei den Nachbarn. Hinter der vierten Tür war jemand zu Hause. Ich fragte, ob sie einen Schlüssel hätten, da ein Techniker von Kabel Deutschland kommen würde und da rein muss. Das Mädel sagte, dass sie auch keinen Schlüssel hätte, aber ich die Geschichte mit Kabel Deutschland knicken könnte. Ihr Bruder wohnte wohl in diesem Haus und hatte auch einen Kabelanschluss haben wollen. Es kam wohl auch schon ein Techniker und bestätigte, dass gar kein Kabel Deutschland in diesem Haus möglich sei. Na tolle Bratwurst, dachte ich mir!

Plantagenstraße?

So hatte ich zwar keinen Zugang zum Keller, wartete aber immerhin auf den Techniker. Die vier Stunden wartete ich allerdings umsonst. Es kam niemand! Um Punkt 16 Uhr rief ich die Hotline an und fragte nach. Der Kundendienst-Mitarbeiter reagierte mit einem Schmunzeln, was man deutlich hören konnte. Es war ja nicht er, der da Bockmist gebaut hatte, sondern seine Kollegen. Zunächst fragte er mich, ob ich mit der „Plantagenstraße“ etwas anfangen könne. Nein, sagte ich, da wohne ich jedenfalls nicht und ich kenne diese Straße auch nicht. Ja, sagte der Mann vom Kundenservice: Stimmt, es macht keinen Sinn, aber dorthin wurde der Techniker für Sie geschickt, sagte er mir. Toll! Ich erzählte dem Kundendienst-Mitarbeiter auch von meiner Nachbarin, die ja erwähnte, dass wohl ein Techniker schon ‚mal im Haus war. Nach einigen Klicks in der Datenbank schmunzelte der Mitarbeiter erneut hörbar.

Schon im April war ein Techniker vor Ort. Und dass es in diesem Haus kein „Kabel Deutschland“-Empfang gibt, stand offenbar auch in deren Datenbank. Lange Rede, kurzer Sinn: Es hätte von Anfang an keine Auftragsbestätigung geben dürfen, denn in deren Datenbank war der Vorgang verzeichnet. Nervig, aber nicht zu ändern. Der Kundendienstmitarbeiter entschuldigte sich schon ‚mal, aber so ist es halt. Der Vertrag und Auftrag würde storniert werden, ich müsse nur noch den Receiver kostenlos per Retour-Schein zurückschicken und ich hätte (natürlich) keine Kosten. Einen Montag später schaute ich per Zufall auf mein Konto per Online-Banking und stellte fest, dass Kabel Deutschland satte 32 Euro von meinem Konto versucht hat abzubuchen. Ein Klick auf Widerrufen hat dem ersten Spuk ein Ende gesetzt. Die Antwort auf meine e-mail war aber der Knaller: Kabel Deutschland lägen keine Informationen vor, und ich solle doch schriftlich einen „Nachweis“ einreichen. Ich bin ein ruhiger Kerl und kann viel ab, aber dann ist mir echt der Kragen geplatzt und der Brief an Kabel Deutschland war wenig von Nächstenliebe geprägt. Aber immerhin: Erst dann baten sie „um Entschuldigung“ und dass es „bedauerlicherweise“ zu den Vorkommnissen kam. Bla! In dieser Woche erhielt ich wieder eine e-mail mit einer Rechnung in Höhe von 9 Euro. Nicht viel, aber ich gespannt, wann das alles mal endet. Bezahlen werde ich natürlich nichts!

IPTV mit Alice… und es läuft!

Fernsehen hatte ich nach den zahlreichen Querelen aber immer noch nicht. Fernsehempfang über Antenne, Satellit und Kabel ging nicht. Das war’s, Alternativen gibt es doch keine mehr. Doch! Ich guckte mich um und stellte eine vierte Möglichkeit fest: IPTV. Soweit ich das überblicken kann, gibt es derzeit nur zwei Provider in Deutschland, die das anbieten: Die Telekom mit ihren Schweinepreisen und Alice, worüber ich bereits ins Internet gehe und meinen Telefonanschluss habe. IPTV, also der Fernsehempfang über’s Internet. Mittels eines speziellen Receivers direkt am Fernseher bleibt der Computer auch links liegen; arbeitet also völlig autark. Man hat nicht den Eindruck, wie das technisch im Hintergrund abläuft; man glotzt halt. „HomeTV“ von Alice war die einzige Möglichkeit für mich, ein paar Sender zu empfangen: 30 öffentlich-rechtliche und rund 30 private Sender. Schick, und zack… bestellt! Zwar hakte die Internetbestellung (offenbar ist mein Konto noch mit einem alten Anschluss eines früheren Kunden verknüpft), aber per Bestellhotline lief dann alles reibungslos. Zwei Wochen dauerte der gesamte Ablauf: Von Bestellung, über den Versand der Hardware, bis hin zur Freischaltung und dem tatsächlichen Fernsehempfang. Klasse, so muss das laufen! Und die Preise sind wirklich der Hammer. Im direkten Vergleich zu Kabel Deutschland bezahle ich mit Alice TV nur rund ein Drittel und wenn ich mir die Preise der Telekom anschaue, kostet mich mein neuer IPTV-Anschluss sogar rund 40 Euro jeden Monat weniger.

80 Stunden Aufnahmekapazität

Ich habe mir bei Alice den IPTV-Rekorder besorgt, was bei meinen konstant unregelmäßigen Arbeitszeiten perfekt ist. Eingebaut sind 160 GB; die reichen dicke aus. Meist ist es ja eh so, dass man sich einen Tag später die Sachen anschaut. Auf die Festplatte passen rund 80 Stunden Filmaterial (wie das mit den HD-Sendern ist, weiß ich nicht). Die ersten Versuche waren insgesamt brauchbar. Nervig ist allerdings, dass sich der Rekorder nur an die Zeiten des EPGs (die elektronische Programmzeitschrift) orientiert und nicht an den tatsächlichen Beginn einer programmierten Sendung. Wenn Herr Raab mal wieder um drei Stunden überzieht, war’s das! In den Einstellungen gibt es immerhin eine Möglichkeit, die Zeiten VOR und NACH der Sendung einzustellen: z.B. bereits 5 Minuten vor und noch 10 Minuten nach der Sendung soll aufgezeichnet werden. Ideal ist das aber trotzdem nicht. TimeShift ist hingegen auch sehr praktisch; das hätt‘ ich gar nicht gedacht, obwohl das ja keine neue Erfindung ist. Leider fehlt ein integriertes Schnittsystem. Dieses muss ja nicht gleich „Adobe Premiere“ Konkurrenz machen; aber ein einfaches „ab hier schneiden“ und „ab hier Ende“ wäre deutlich entspannter für Sendungen, die man länger aufbewahren möchte, insbesondere bei Filmen (wo die Werbung nun nicht so spannend ist, und man das Zwangsgeplänkel davor und danach löschen möchte).

Nachrichten, wie ICH es will

Das Menü erfüllt ihren Zweck und dient nicht nur dem reinen Fernsehempfang. Es gibt ja noch zig Radiosender (wobei ich mich frage, wer an seinem Fernseher schon Radio hört?!) und außerdem die Anbindung der Alice-Videothek. Per Knopfdruck kann man sich die Filme dann auf dem Fernsehgerät anschauen; per Bezahlung, die Preise sind moderat, sehr günstige Angebote für aktuelle Filme machen Lust auf mehr. Leider ist aber eben jene Werbung für Filme in dem Startmenü überproportioniert dargestellt; auf mehreren Seiten werden für die Filme geworben; eine Einbindung von EPG oder empfehlenswerten Fernsehsendungen oder die Übersicht des Fernsehrekorders (auf der Startseite) fehlen hier leider. Kurzer Einschub: EPG ist gut, aber extrem unübersichtlich und verbunden mit der lahmen Reaktion auch noch anstrengend zu bedienen. Neben Film, Radio und der Videothek gibt es im zentralen Alice-Startmenü noch aufbereiteten Internet-Content. Von den drei Angeboten Wetter, BILD.de und Tagesschau ist aber eigentlich nur die Tagesschau sinnvoll. Nein, nicht nur sinnvoll, sondern auch richtig gut und praktisch: So werden nicht stumpf die Tageschau-Sendungen angeboten, sondern die einzelnen Nachrichtenblöcke. Diese Selektion macht das Nachrichtengucken attraktiv. Etwas mehr Auswahl könnte es aber schon geben. Die Konkurrenz kriegt das mit der Einbindung von zusätzlichem Internet-Content via TV besser hin.

Träge zu HD

Angenehm empfinde ich bei dem IPTV-Rekorder die Dauer bis tatsächlich das Fernsehen läuft. Vom Anschalten, über das Menü bis hin zum Fernseh-Angebot dauert es keine 10 Sekunden. Als besonders unangenehm empfinde ich hingegen die sehr langsame Geschwindigkeit der zahlreichen Menüs. Zwar reagiert der Receiver sehr präzise und genau auf die Kommandos der übersichtlichen Fernbedienung (z.B. 20mal auf „Pfeil runter drücken“ wird auch so übertragen und ausgeführt, ohne dass ein Drücken unterschlagen wird). Extrem nervig ist hingegen die lahme Geschwindigkeit, wie die Befehle ausgeführt werden. Beim Fernsehen kann ich schon evtl. verstehen, warum der Sender die Zeit benötigt; schließlich muss der Kanal erst per Internet empfangen werden. Aber die Menüs sind das eigentliche Problem; und letztendlich ist es die lahme Receiver-Technik, die den ansonst guten Eindruck von HomeTV von Alice etwas trübt. Denn es bietet so inhaltlich schon alles, was man braucht. Positiv kann man noch die „Favoriten“ hervorheben; also eine persönliche Fernseh-Liste (vom WDR brauch ich ja z.B. nun nicht alle Lokalableger und 9Live will ich mir noch nicht mal beim Durchzappen antuen). So komme ich auf 44 Fernseh-Sender.

Problemloser Empfang über’s Internet

Bislang konnte ich noch keine Stolpersteine beim Fernsehempfang feststellen. Sowohl die SD- als auch die HD-Filme liefen problemlos, ohne einen einzigen Aussetzer bisher; alles flüssig. Natürlich muss man sich bei IPTV Folgendes klar machen: Es wird über’s Internet übertragen. Ein normaler Kanal wird mit rund 5 Mbit/s empfangen, HD-Sender mit rund 12 Mbit/s. Das erfordert zumindest eine recht schnelle Internetverbindung (in meinem Fall habe ich offiziell eine 16 Mbit/s-Leitung, der Durchschnitt lag in zahlreichen Test bei 13 Mbit/s… für HD also gerade noch so ausreichend). Des weiteren kann man parallel zum Fernsehgucken natürlich keine großen Downloads starten. Was dann passiert, habe ich noch nicht ausprobiert. Was macht der Router? Reserviert er für den Fernsehempfang eine feste Bandbreite und schenkt den Computern die restliche, noch zur Verfügung stehende Größe? Fragen über Fragen; seit drei Tagen habe ich erst das Gerät. Manches wird sich klären, manches muss man wohl hinnehmen. Das war hier nur ein kleiner erster Einblick in IPTV und ein großes Abreagieren über die vielen schlechten Erfahrungen der vergangenen Wochen. Ich hoffe, Sie konnten etwas mitleiden und mitfühlen?