An diesem Sonntag hagelt es Oscars, bereits morgen und damit ganz traditionell einen Abend vorher die Goldenen Himbeeren. Die Negativ-Oscars sind manchmal sogar spannender als das Original. Nur hat mich diesmal die Nominierungsliste beider Awards verwundert, tauchen doch manch schreckliche Filme aus 2010 bei den Oscar-Nominierungen auf, die wiederum in der Nominierungsliste der Razzie Awards 2011 fehlen. Lassen Sie mich Revue passieren und die schlechtesten Kinofilme 2010 aufführen. Vermutlich könnte man 100 weitere aufführen, die zu 95 Prozent aus Hollywood stammen, und die vermutlich weitaus schlechter sind, als meine hier Ausgewählten.

Prädikat: Wertlos!

Ich sag es mal so: Ich steh nicht auf Kloppe! Wenn ich vorher so ungefähr weiß, dass der Film brechreizwürdig ist, gehe ich selbstverständlich nicht ins Kino. Farbe beim Trocknen zuzuschauen wäre spannender; und vermutlich auch noch günstiger. Insofern ist die Liste nicht vollständig, es gab vermutlich noch weitaus schlechtere Filme. By the way: Gut, dass es „Lenßen – Der Film“ nicht ins Kino geschafft hat. Nachfolgend Kinofilme aus dem letzten Jahr, die ich (leider) gesehen habe:

Platz 9: Bal – Honig

Ein nur 103 Minuten langer Spielfilm, der einem länger vorkommt als die 5 1/2-stündige Kinofassung von Carlos. Übrigens ein großartiger Film, also der letzte. Es ist mir immer noch schleierhaft, wie Bal – Honig den Goldenen Bären 2010 bekam. Der Film ist nicht kompletter Quark Honig, aber gab es zur letzten Berlinale nicht weitaus bessere Filme? Doch, sie gab es.

Platz 8: The American

The American hätte bei der Berlinale bestimmt ordentlich abgeräumt. Gut besetzte Schauspieler (u.a. George Clooney), die ihre Rolle überzeugt darbieten können und vor allem wundervolle Bilder: „Gemeinsam mit Kameramann Martin Ruhe erzählt Anton Corbijn vom allmählichen Kontrollverlust Jacks fast ausschließlich mithilfe von Lichtspielen und Unschärfen, Bewegung der Kamera und der visuellen (De-)Konstruktion von Räumen“, schreibt beispielsweise Nino Klingler (critic.de). Nur gehört eine Handlung irgendwie auch zum Film, und die ist ernüchternd kurz beschrieben: Der Auftragskiller Jack entkommt zwei auf ihn angesetzte Killer in Schweden, flieht nach Italien zu seinem Auftraggeber Pavel, der ihm Unterschlupf bietet, aber selber hinter dem Attentatsversuch steckt und Jack ausschalten will. Wer hier große Action- und Verfolgungsszenen erwartet (und ich behaupte, mit dieser Motivation gingen viele in diesen Kinofilm) wurde grauenhaft enttäuscht. Bis auf die Anfangsszene in Schweden und dem finalen Showdown herrscht vor allem eines: langweilige Ruhe in einem zu vorhersehbaren Film.

Platz 7: Toy Story 3

Ich kann mich mit Toy Story nicht anfreunden. Ich habe alle gesehen, aber soll dieser dritte Film wirklich einen Oscar bekommen? Dass Oben im Jahr 2010 zwei Oscars erhielt, war mehr als gerechtfertigt. Ein großartiger computeranimierter Film für Erwachsene, der zu den besten seines Genres zählt. Aber bei Toy Story 3 konnte ich mich nicht des Eindrucks verwehren, dass vielen Kritikern die große Hitze im Sommer nicht gut bekam. Der Tagesspiegel wollte den Film sogar „zum besten des Jahres “ erklären und ich fragte mich, ob das Ejakulat so hoch stand, dass man das Filmplakat von Avatar nicht mehr sehen konnte. Ja, gut, Avatar kam Ende Dezember 2009 in die Kinos, die große Welle (in jeder Hinsicht) war aber zweifelsohne das erste Quartal 2010. Zurück zum Spielzeug-Film: Toy Story 3 zählt nicht zu den schlechtesten Streifen aus dem Jahr 2010, aber der „schönste Liebesfilm des Sommers“ (Berliner Zeitung) war er sicher nicht.

Platz 6: Surrogates – Mein zweites Ich

Nur 200.000 Deutsche sahen Surrogates überhaupt im Kino, und die werden sich vermutlich ziemlich geärgert haben. Ekkehard Knörer schreibt im Perlentaucher, dass der Film nicht nur „dumm“ sei. Der Regisseur gehöre in Hollywood wohl auch „entschieden zu den unbegabteren“. Ein grausam schlechter und enttäuschender Film, den selbst Schmusibusi-Bummbumm Bruce Willis nicht mehr retten konnte.

Platz 5: Salt

Der Spionage-Thriller Salt hat mich einfach nicht umgehauen. Möglicherweise liegt es auch an der Schauspielerin Angelina Jolie, die ich weder hübsch, noch begehrenswert finde, und ich dadurch emotionsfreier auf ihre schauspielerischen Leistungen blicken kann. Und die sind nicht schlecht. Trotzdem mag ich sie nicht. Der Film kommt nicht ansatzweise an die Jason-Bourne-Reihe heran oder könnte auch nur annähernd James Bond konkurrieren. Die Stunts sind teilweise zu albern, die Action ist einfach zu kurzweilig, der Plot nicht spannend genug.

Platz 4: Kampf der Titanen

Ein Film, der nicht zu unrecht in die neue Award-Kategorie „Schlechteste Verwendung von 3-D in einem Film“ gepackt wurde. Der film-dienst beschreibt es sehr treffend: „Störend wirkt (…) die nachträgliche Umgestaltung auf 3D; angesichts fehlender Tiefenschärfe verpuffen die räumlichen Effekte.“ Kampf der Titanen veranschaulichte schon damals, was vermutlich noch in Fülle auf uns zukommen wird: Nachträglich auf 3D-getrimmte alte 2D-Filme. Es ist grausam, und man sieht es! Inhaltlich war der Film -in der Tat- nur ein „Jahrmarktsvergnügen“ (Süddeutsche), mehr nicht.

Platz 3: The Tourist

Und schon wieder ein Film mit meiner Lieblingsschauspielerin Angelina Jolie. Dafür aber mit Johnny Depp, der eine hervorragende Rolle abgibt, und mit dem Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck (Das Leben der Anderen). The Tourist ist trotz der hochkarätigen Besetzung ein ganz großer Flop und einer der wenigen Kinofilme aus den letzten Jahren, der mich richtig verärgert hat. Von Donnersmarck bleibt im „Klischierten, Belanglosen hängen“ (Berliner Zeitung) und ist mit The Tourist „ordentlich abgesoffen“ (bummelkino.de). Noch schlechter als bei Salt sind die ganzen Action-Szenen, die eher an lustige Kampfszenen von „Mit Schirm, Charme und Melone“ aus den 60ern erinnern. Es ist alles so schrecklich vorhersehbar, dass einem der Appetit vergeht. Der Spannungsbogen gleicht einem Regenbogen über der journalistischen Kerner-Show.

Platz 2: Inception

Ein bisschen Matrix und so… Die Grundidee von Inception klingt verblüffend frisch, kommt aber weder inhaltlich, noch gestalterisch an die Matrix-Trilogie heran. Selbst ohne einen direkten Vergleich war dieser Film eine reine Enttäuschung. Auch die NewYorkTimes entlarvte den erfolgreichen Batman-Regisseur: „Mr. Nolan’s idea of the mind is too literal, too logical, too rule-bound to allow the full measure of madness.“ Selbst der dröhnende und durchaus gelungene Sound von Hans Zimmer konnte nicht mehr rausholen. Des Weiteren sind 150 Minuten fast schon unverschämt, verlangen doch zahlreiche Kinos einen Überlänge-Aufschlag. Ich kann Sie allerdings beruhigen, falls Sie den Film noch nicht gesehen haben: Der Filmtrailer reicht aus. Da sehen sie alles und der ist sogar kostenlos.

Platz 1: Tron Legacy

Wenn wir den Kinostart in den USA als Vorwand nehmen, um diesen Film noch für 2010 bewerten zu können, dann zählt Tron: Legacy zu einem der besonders schlechten. Vermutlich der schlechteste Kinofilm seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Nicht nur die TAZ zerreist den Tron-Nachfolger, gibt aber im einzigen Sonnenschein zu: „Mit dem Lichtdesigner dieses Films würde man gern mal einen Gin Tonic trinken“. Mittlerweile wird ja fast jeder Film in 3D gedreht, doch die 3D-Produktion von Tron: Legacy ist einfach schlecht. Der räumliche Effekt wird auch noch dadurch getrübt, dass viele Passagen (trotz Brille) bewusst in 2D gehalten wurden. Das klingt zwar putzig, wenn man den Hinweis im Vorspann liest. Man fragt sich aber nach 10 Minuten, weshalb man den Schweine-Aufpreis für 3D-Kino bezahlt hat. Der Film ist derart schlecht, dass ich mir nicht die Mühe geben möchte, ihn weiter zu rezensieren. Eine Erleichterung des Films ist hingegen der grandiose Soundtrack von Daft Punk. Unbedingt anhören!

Lichtblicke 2010

Auf der anderen Seite fand ich einige Filme aus dem Jahr 2010 richtig gut, oder zumindest erwähnenswert: Avatar (3D), Sherlock Holmes, Shutter Island, Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen (3D), R.E.D., Alice im Wunderland (3D), Für immer Shrek (3D), Iron Man 2 und Carlos – Der Schakal.