Es war gewiss nur eine Frage der Zeit, aber nun hat es tatsächlich jemanden erwischt: Die erste horrende Abmahnung wegen der Sharing- oder auch Teilen-Funktion bei Facebook, berichtet der Rechtsanwalt Weiß auf seiner Website. Es geht um eine kaum noch wegzudenkende Funktion: Jeder kennt sie, der auch nur ein einziges Mal einen Link bei Facebook, Google+ oder anderen ähnlichen Sozialen Netzwerken geposted hat. Beim Einfügen des Links (bleiben wir bei Facebook) sucht das Netzwerk automatisch, ob es bereits ein Vorschaubild in seinem Cache hat. Andernfalls scannt Facebook die Seite nach den repräsentativsten Bildern (siehe obigen Screenshot) und nimmt dann ein Bildchen, das kaum größer als eine 3-cent-Briefmarke ist, und veröffentlicht es unterhalb des eigentlichen Posts des Facebook-Nutzers.

Das Problem Die Herausforderung: Es gibt nun ‚mal ein Urheberrecht, und wenn ich beispielsweise einen Artikel bei Facebook weiterempfehle, dann ist es zwar optisch sehr ansprechend, dass es ein Vorschaubild gibt. Doch die Rechte daran habe ich noch lange nicht. Das ging über Jahre gut und jetzt sitzt der Schock groß – es herrscht Unklarheit, ob es eine neue Abmahnwelle gibt oder nicht. Die Kosten scheinen immens: Rund 1.700 Euro musste die Mandantin des Rechtsanwaltes Weiß bezahlen. Etwas Wind aus den Segeln nimmt Christoph Kappes in einem Beitrag bei Google+ mit einigen notwendigen Punkten, geht aber vor allem auf das Rechtliche ein.

Parallelen zum BGH-Urteil zur Google-Bildersuche?

Auch allfacebook.de hat sich den Fall genauer angeschaut, erklärt die Hintergründe und gibt einige Tipps für Facebook-Seitenbetreiber. Aber anders als Rechtsanwalt Thomas Schwenke, der den wichtigen Gastbeitrag verfasst hat, glaube ich, dass er in einem entscheidenden Punkt falsch liegt. Er bezieht sich in dem Artikel auf ein BGH-Urteil zur Google-Bildersuche und überlegt, ob es Parallelen zum aktuellen Fall gibt:

Jedoch betonte das Gericht, dass dies nur gilt, weil es einfach ist, die Suchmaschinen auszusperren (per Metaangabe “noindex” oder per robots.txt). Eine solche Möglichkeit fehlt jedoch beim Sharing. Daher denke ich nicht, dass man das Urteil einfach übertragen kann.

Ich bin kein Jurist, doch technisch gesehen stimmt es einfach nicht. Denn sehr wohl gibt es eine solche Möglichkeit – ich erläuterte sie bereits im Kommentar unter seinem Gastbeitrag und unter dem Facebook-Post zum Artikel. Hier noch einmal im Detail: Mit Hilfe des Open Graph Protocols (OGP), das Facebook einsetzt, kann ein Webseiten-Betreiber steuern, was Facebook (beim Teilen) anzeigt oder nicht. Der nachfolgende META-Tag im HTML-Header…

<meta property="og:image" content="http://www.XYZ.de/grafik.jpg">

bewirkt, dass nur diese eine grafik.jpg für diese URL bei Facebook angezeigt wird. Andere Netzwerke nutzen hingegen diesen Tag:

<link rel="image_src" href="http://www.XYZ.de/grafik.jpg">

Diese META-Tags kommen daher den robots.txt-Angaben relativ nahe. Möchte der Webseiten-Anbieter also nicht, dass eine Grafik zum Link als Sharing verwendet wird, könnte er mit einer kurzen OGP-Angabe zu einer (beispielsweise leeren) Grafik das ganze Problem vermeiden. Denn: Ist dieser Meta-Tag (richtig) gesetzt, bietet Facebook keine anderen Bilder der Website an, wie das nachfolgende Beispiel anhand meiner Website demonstriert:

Abmahnfalle Facebook-Sharing?

Abmahnfalle Facebook-Sharing?

Im Fall von allfacebook.de wurde offensichtlich nicht der entspreche OGP-Tag gesetzt, weshalb es gleich fünf verschiedene Miniaturbilder zur Auswahl gibt:

Abmahnfalle Facebook-Sharing?

Abmahnfalle Facebook-Sharing?

Fazit

Genau wie bei einer robots.txt oder der noindex im HTML-Header müsste der Seitenbetreiber Sorge tragen, dass auch der OGP-Tag eingetragen ist. Aus meiner Sicht ist der Seitenbetreiber in der Bringschuld. So sah es auch der BGH in seinem Urteil zur Google-Bildersuche: Die technischen Sicherungen seien dem „betroffenen Urheber grundsätzlich auch zuzumuten„. Also nicht der Besucher, der ihm über die Sozialen Netzwerke auch noch zusätzliche Aufmerksamkeit schenkt, sondern derjenige, der als Urheber seine Rechte schützen will, muss handeln und Vorkehrungen schaffen. Ich hoffe sehr, dass dieser Punkt Beachtung findet. Sonst graut’s mir!