Das IPTV von Telefónica Germany wird zum Jahreswechsel eingestellt, ab 2014 schauen die Kunden von Alice TV in die Röhre. Darüber hat digitalfernsehen.de geschrieben, was mir der Support für mich als Betroffener bestätigen konnte: „Die Option wird (…) zum neuen Jahr automatisch abgeschaltet.“ Irritierend war allerdings der Hinweis, dass es „aus technischen Gründen nicht möglich“ sei, „gegenwärtig Alice TV zu kündigen“. Unabhängig davon, ob dies rechtens im Einklang mit der Kündigungsfrist wäre, ist es das definitive Ende von IPTV.

Aber auch für mich: Während ich vor drei Jahren vergeblich versuchte, Kabel Deutschland bei mir einzurichten – letztlich scheiterte es daran, dass kein Kabelanschluss im Haus verlegt war -, waren und sind meine Möglichkeiten begrenzt: Ein Kabelanschluss fehlt, die Leitung zur Hausantenne auf dem Dach hat offensichtlich irgendwo einen Bruch, der Vermieter nicht Willens sie zu reparieren, eine Satellitenschüssel erlaubt die Hausverwaltung nicht und selbst mit einem DVB-T-Verstärker empfange ich in Berlin-Mitte (Hinterhaus, 2. Etage) mehr Stör- als Fernsehsignale. Darüber hinaus wären HD-Kanäle terrestrisch nicht empfangbar.

Das Ende von IPTV bei Telefónica Germany

2010 gab es für mich keine Alternative als das IPTV-Angebot von Alice (jetzt: Telefónica Germany, zu dem auch der viertgrößte deutsche Mobilfunkanbieter O2 gehört). Mit Alice TV war die Bandbreite völlig ausreichend, konnte man doch mit einem zusätzlichen Receiver relativ simpel Fernsehen am TV-Gerät (aber auch am Computer ohne extra Hardware!) empfangen. Allerdings war schon im Frühling 2012 das Ende vorhersehbar, als die Vermarktung eingestellt und das Angebot für Neukunden nicht mehr auftauchte. Auch für Bestandskunden gab es keine Optionen mehr: Da ich praktisch nie TV gucke, gelegentlich mal ein Länderspiel oder eine Doku auf ARTE oder 3sat, war mir der gemietete Festplatten-Receiver für 8,90 Euro monatlich (für spätere Kunden sogar 11,90 Euro) einfach zu teuer. Selbst ein Abbestellen ging nicht mehr, da sie offensichtlich keinen einfachen Dekoder mehr besaßen oder herausgeben wollten und ich als einzige Option die Option gehabt hätte, IPTV komplett kündigen zu müssen.

Telefónica verabschiedet sich von Alice TV (IPTV)

Telefónica verabschiedet sich von Alice TV (IPTV)

Nach dem Paukenschlag, über den das Unternehmen seine Kunden übrigens nicht informierte (und noch immer nicht), war jedenfalls absehbar, dass die rund 80.000 IPTV-Kunden zwar weiter fernsehen dürfen – doch wohl nicht mehr lange. Immerhin ließ sich Telefónica Zeit und beendet das offensichtlich nicht rentable Geschäft erst anderthalb Jahre später – und zwar Ende Dezember 2013. Auch wenn das schmerzt und die Möglichkeiten (für mich) weiter drastisch sinken, war Alice TV nicht ausgereift: Problematisch war aus meiner Sicht eine Hürde, die ich technisch nicht nachvollziehen konnte: Mit IPTV ging weder FastPath noch VDSL(2). Während FastPath fast ausschließlich für Gamer eine interessante Option ist, um den Ping zu reduzieren, ist die Begrenzung des Internets auf maximal 16 MBit/s nicht mehr zeitgemäß.

Denn IPTV ging nicht in Kombination mit der „Speed“-VDSL-Option für 50 MBit/s und so blieb mehreren Zehntausend Kunden nur das normale ADSL-Angebot mit realistisch um die 10-12 MBit/s. Des Weiteren waren die 7 HD-Kanäle einfach zu wenig, das Angebot zu starr (es gab z.B. keine Sky-Bundesliga oder interessante Apps wie Mediatheken) und wenig modern (das Startmenü-Layout hat sich jahrelang nicht verändert) und die Technik nicht auf der Höhe (die starke Komprimierung der HD-Kanäle sah man Alice TV an). Auch im direkten Vergleich mit dem größten IPTV-Konkurrenten, der Telekom mit mehreren Millionen Entertain-Kunden, zog Alice TV stets den Kürzeren. Hier hat Telefónica viele Chancen vertan. Schade!

Alternative zu Alice TV ab 2014: Zattoo

Das Ende von Alice TV hat aber auch etwas Gutes: Denn zum einen besteht nun für ehemalige (bzw. noch) IPTV-Kunden laut O2-Kundenbetreuung die Möglichkeit, „sofort“ die Speed-Option mit bis zu 50 Mbit/s zu bestellen, die mit rund 5 Euro extra pro Monat auch recht günstig ist. Zum anderen gibt es eine Alternative für’s Fernsehen, zumindest wenn Sie ein Smart TV besitzen: Hierbei kommt Zattoo ins Spiel, das es als App nicht nur für Smartphones und für den Desktop-Computer gibt, sondern eben auch für die beiden Smart TV-Hersteller Samsung und LG. Man dürfte davon ausgehen, dass weitere folgen werden. Sollten Sie kein Smart TV besitzen oder Ihr Fernsehgerät oder Hersteller bietet Zattoo nicht an, dann stünde alternativ ein TV-Receiver zur Verfügung. Zattoo bietet – zwar mit Werbung unterbrochen – viele Sender gratis an. Gerade auf großen Fernsehgeräten empfiehlt sich aber die Nutzung des HiQ-Paketes, das 3,75 Euro monatlich kostet – und damit deutlich günstiger als Alice TV ist. Darüber hinaus ist HiQ werbefrei und bietet zahlreiche Sender in HD-Qualität an.

Telefónica verabschiedet sich von Alice TV (IPTV)

Telefónica verabschiedet sich von Alice TV (IPTV)

Um Zattoo zu testen, laden Sie sich die entsprechende App auf Ihr Fernsehgerät und schalten Arte ein. Dieser HD-Kanal ist auch als Gratisuser empfangbar. So können Sie sich ein Bild von der HD-Qualität machen und, ob Ihre Internetgeschwindigkeit überhaupt für die hohe HD-Bandbreite ausgelegt ist. Man spricht von etwa 12 MBit/s, die für HD erforderlich sind (das war auch schon bei Alice TV so, wobei die technischen Daten von Zattoo nicht bekannt sind). Hin und wieder erlaubt Zattoo auch eine unverbindliche Gratiswoche des HiQ-Paketes. Die TV-App ist gelungen und wirkt intuitiv. Bei Gelegenheit könnte Zattoo allerdings noch an der Performanceschraube drehen und endlich die ProSieben-Sender anbieten. Praktisch: Das kostenpflichtige Paket ist nicht nur auf Ihrem Smart TV freigeschaltet, sondern generell, und kann mobil unterwegs oder auch zu Hause mit einem Laptop genutzt werden.

Fazit

Fernsehen über das Internet zu empfangen, ist an sich keine neue Erfindung, doch selten legal; es sei denn, die Fernsehanstalten bieten selber einen TV-Stream an. Zattoo ist anders, hat den rechtlich sauberen Weg eingeschlagen und ist für ehemalige Alice TV-Kunden eine empfehlenswerte Alternative. Legale Konkurrenz gab es lange Zeit keine, aber vielleicht wird Magine den Wettbewerb in Deutschland ankurbeln. Möglicherweise könnte auch alles zusammenbrechen, da das Geschäft kein rentables ist.