Der Wendekreis eines A380, die Traktion einer Feder und robust wie ein Panzer: Die Autos im brandneuen Computerspiel „Watch Dogs“ sorgen für einigen Frust. Aber nicht nur die Vehikel enttäuschen. Nach einer Woche Spielzeit der „Special Edition“ und des „Season Passes“ eine Auflistung der nervigsten Probleme des an sich grandiosen Open World-Games „Watch Dogs“.

Autos und Motorräder

  • Miserable Steuerung: Der Wendekreis entspricht dem eines Jumbojets. Gerade beim Abbiegen an Kreuzungen ist dies deutlich zu spüren.
  • Drifts sind ebenfalls kaum möglich, die einen besser in die Kurve bringen könnten.
  • Einen coolen Schlenker wünscht man sich auch beim Entkommen aus dem Rückwärtsgang: Volle Kanne zurück, Lenker in eine Richtung knallen und zack gibt es eine großartige 180°-Wendung, um entgegengesetzt weiterzufahren. Funktioniert mit keinem Auto!
  • Kaum Zerstörung: Praktisch nie wird das eigene Fahrzeug derart heftig beschädigt, dass es fahruntüchtig wird. Bei den teils heftigen Verfolgungsjagden und Schüssen auf die Karre, wirkt das einfach nur schlecht.
  • Umgekehrt scheint jeder kleinste Kompaktwagen die Schlagkraft eines Panzers zu besitzen. Während beim Frontalcrash andere Auto in Flammen aufgehen, bleibt das eigene Auto häufig unversehrt. Selbst äußerlich gibt es manchmal keine Lackschäden.
  • Fahren Sie auch mal mit vollem Tempo gegen eine Mauer; Aiden bleibt trotzdem gemütlich im Auto sitzen und checkt seine Smartphone-Apps. Bei GTA wäre er aus dem Auto geflogen. Zu recht!
  • Andere Verkehrsteilnehmer blinken wie in Deutschland auf den Autobahnen: Erst beim Abbiegen. Das ist besonders an Kreuzungen nervig, während man grazil durch die Mitte fahren will und dann ein Auto plötzlich abbiegt.
  • Aiden kann zwar während der Fahrt eine Musik-Playlist erstellen, aber nicht aus dem Auto ballern. Weshalb? Die Gegner können es schließlich auch.
  • Das Einsteigen in ein Auto kann man nicht abbrechen. Das ist in kriselnden Situation oder wenn man sich verklickt hat, recht ungünstig.
  • Bis auf die Stunts bei den Brücken und ein paar Hügeln gibt es kaum spektakuläre Aktionen mit dem Auto. Das ist sehr schade.
  • Nicht im Sichtfeld befindliche gegnerische Autos zeigen auf der Karte ein teils unrealistisches Verhalten: Sie fahren beispielsweise mit schnellerem als eigentlich machbarem Tempo und können scheinbar ohne Bremsung und Pause die Fahrtrichtung wechseln.
  • Ferner orientieren sie sich streng an Aidens Koordinaten, die ihnen allerdings nicht bekannt sein dürften.
  • Ein großer Bonus von Watch Dogs ist es, Verfolger abzuschütteln, in dem man mit der Straße interagiert: beispielsweise die Brücken oder Poller hochfährt, Ampeln manipuliert oder Wasserleitungen zum Explodieren bringt. Leider sind die Ausführungen (gerade beim Blick nach hinten fällt’s auf) gelegentlich ungenau.
  • Andere Autos bleiben zu häufig stehen und geben Rücksicht auf Aiden. Wenn ein anderer Verkehrsteilnehmer schon 50m vorher abbremst, wirkt das genau so unrealistisch, als wenn Aiden auf der Straße spazieren geht und Autos stehen bleiben, während zwischen beiden noch genügend Platz ist.
  • Wieso reagieren andere Autofahrer nicht auf Raub? Gewiss, es wird zwar (recht selten) die Polizei angerufen, was man schnell vereiteln kann. Aber es gibt keinen Widerstand beim Carjacking.
  • Aber wieso hauen die Autofahrer nicht ab und geben Gas, wenn jemand mit der Knarre durch die City schlendert? Ich würde das jedenfalls machen und nicht warten, bis er in mein Auto einsteigt.
  • Das an sich fantastische Aussehen der verschiedenen Wetterphasen hat praktisch keinen Einfluss auf das Fahrverhalten. Ob Sonne oder Regen, das Auto fährt bei Volltempo problemlos durch die Stadt.
  • Ist ein Vehikel in der Luft, scheint es jede physikalische Eigenschaften verloren zu haben. Selbst bei kleinsten Hügeln segelt das Auto langsam durch die Luft.
  • Womit auch GTA schon immer Probleme hatte, ist bei Watch Dogs ähnlich: Das grottenschlechte Handling von Motorrädern, das bei den Fixer-Aufträgen am meisten im Spiel frustriert. Tipp: Bei einem Stunt mitten in der Luft niemals gegensteuern!

Essen und Trinken

  • Am „Newsstand“ oder in FastFood-Läden gibt es was zu kaufen. Weshalb es (zu Beginn) aber nur Getränke sind und welche Bewandtnis sie für das Spiel haben, bleibt schleierhaft.

Online

  • ctOS, das Spieler auf einem Smartphone mit Spielern auf dem PC oder Konsole verbinden will, ist komplett verbuggt.
  • Bei manchen Logins zeigt die App an, dass man überhaupt keine Kontakte hätte, manchmal ist der ausgewählte Freund angeblich nicht online und beim Herumspielen mit der Karte (bisschen Drehen und Schieben) wird der Bildschirm schwarz. Die App muss dann komplett aus den Tasks gekillt werden, wahlweise muss das Smartphone neu gestartet werden.
  • Nervig sind die vielen Verbindungsabbrüche mitten im Online-Spiel, trotz sehr guter Internetverbindung.
  • Sollte der Gegenspieler die Verbindung canceln, wäre es fair, wenn der Kontrahent einen Bonus erhält oder das Match gewinnt.
  • Zumindest in der ersten Woche nach dem Start hat man teils vergeblich auf ein „Schnelles Spiel“ gewartet.

Atmosphäre

  • Das Spiel ist nicht paranoid genug! Nach dem Geheimdienstskandal vor rund einem Jahr wirkt es – trotz erschütternder Hackmethoden – unglaublich harmlos. Da wird viel leider Potenzial verschenkt.
  • Hätte es den NSA- und GCHQ-Skandal nicht gegeben, wäre das Watch Dogs-Resultat sicherlich erschütternder ausgefallen (das Spiel wurde schon vor zwei Jahren erstmal auf einer Messe angeteast; man darf also davon ausgehen, dass die Story schon mehrere Jahre alt ist).
  • Die Totalüberwachung übt dank der Geldeinnahmen und des Voyeurismus keine Gesellschaftskritik aus.
  • Das Spiel ist kein „noir“, nicht zu düster, trotz düsterer Story. Es wirkt zu sauber, wenig ist anrüchig.
  • Die Handlung wirkt trotz einiger starker Charaktere zu fade und zu gewöhnlich. Alles entlang des Fadens der Ariadne, aber kein Ausweichen auf eine parallele Story.
  • Sie befinden sich mitten in der dunkelsten Gegend, im tiefsten Ghetto von Chicago und Sie spazieren mit 500.000 $ durch die Seitenstraßen. Was passiert? Nichts. Absolut gar nichts. Während es bei GTA rivalisierende Gangs gab, man manche Bezirke meiden sollte, scheint diese Stadt ein verdammt harmloses Plätzchen zu sein. Gerade diese spontanen Momente eines Überfalls – auch auf Aiden – fehlen massiv.
  • Die Musik, die man vor allem im Auto hört, nervt auf Dauer. Gewiss, der Soundtrack ist klasse, aber es sind dann eben doch nicht so viele Lieder.
  • Das Radio von GTA vermisst man stark bei Watch Dogs. Keine absurden Stories oder Talks, sondern nur Musik – und ab und an eine (einzelne!) Nachricht. Man hat aber nie das Gefühl, wirklich Radio zu hören.
  • Die Rätsel bei den ctOS-Einbrüchen sind zu simpel. Selbst wenn eine Zeit vorgegeben wird, benötigt man häufig nur ein Viertel oder ein Fünftel der Zeit. Langweilig!

Umgebung

  • Wieso kann ich mit dem Auto durch die härtesten Gegenstände brettern, während mich manche Büsche zum Stillstand bringen?
  • Nur extrem selten gibt es Gebäude, die man begehen kann und in denen es beispielsweise Geschäfte gibt. So bleibt die komplette Handlung auf Straße und Strecke und man kann sich im Businesszentrum mit den vielen Hochhäusern nicht des Eindrucks verwehren, dass hier nur 5 Leute in der Umgebung arbeiten oder sich dort aufhalten. Es wirkt erstaunlich leer – egal zu welcher Tageszeit.
  • Wo ist eigentlich die Polizei? Man sieht sie nie, wenn man nicht gerade ein Fahndungslevel hat.
  • Die „Eroberung“ von Gebieten ist zu ähnlich aufgebaut, meist irgendeine Lagerhalle. Auch die Polizei schreitet nicht ein oder wird gerufen, wenn mitten in Chicago ein Kleinkrieg gestartet wird. Wenn überhaupt, muss man sich eher im Anschluss der Polizei stellen und ihr entrinnen.

Bevölkerung

  • Das Hacken der Bevölkerung ist ein nettes Gimmick, doch die in einem Halbsatz angerissenen Biographien sind insgesamt zu außergewöhnlich. Es kommt einem so vor, als hätte jeder Bürger Dreck am Stecken oder eine Story parat, die für einen Hollywood-Film ausreichten.
  • Es hat auch wirklich jeder Bürger ein Smartphone; das wirkt nicht glaubhaft. Es wird immer Querulanten geben, die nicht mitspielen.
  • Während die Passanten zu außergewöhnlich sind, sind es viele Charakterzeichnungen – insbesondere die der Gegner – eben nicht.
  • Nervig sind auch die Sprachsamples, die bei vielen Gelegenheiten einfach zu häufig wiederholt werden.
  • Die Audio-Schnitte sind nicht immer sauber und ganzen selten hört man auch Samples, die gar nicht ins Deutsche übersetzt worden. Das wirkt bei der internationalen Terrorismusbekämpfung in Splinter Cell: Blacklist glaubwürdig, nicht aber in Watch Dogs, wenn der eine Passant auf Deutsch redet und die andere Passantin auf Englisch antwortet.

Aiden

  • Lieblos wirkt die Verkleidung. Zwar gibt es Geschäfte, in denen man neue Kleidung kaufen kann, sie ist aber praktisch immer die Gleiche, nur die Farbgestaltung ist anders. Einzig das 20er Jahre-Dress, das an die frühen Mafiazeiten in Chicago erinnern könnte, sticht hervor. Alle andere ist recht farblos und hat auch keine Auswirkung auf’s Spiel oder die Errungenschaften.
  • Neben der schlimmen Steuerung von Vehikeln ist auch Aiden keine Gazelle. Zwar wurden für das Spiel Elemente aus Assassin’s Creed und Splinter Cell ganz offensichtlich übernommen, aber das Handling von Aiden gehört nicht dazu. Man vermisst die Kletterszenen und ganz einfachen Sprünge – und wenn der Fall aus lächerlichen 2 Metern Höhe fast tödlich endet, bekommt man Brechreiz.
  • Aiden kommt schnell zu viel Geld, zu sehr viel Geld, das er trotz Einkäufe von allen Autos, Klamotten und Waffen praktisch nicht mehr ausgeben kann. Gerade wer die Nebenmission frühzeitig in Angriff nimmt, langweilt sich vom Finanzsystem in Watch Dogs.

Kampf und Bewaffnung

  • Der Granatwerfer ist zu mächtig und nietet in fast jeder Situation alles um.
  • Mit den IEDs, die auf Deutsch fälschlicherweise USV (statt USBV) heißen, kann man keine Kettenreaktion erzeugen, selbst wenn die andere Bombe nur einen Meter entfernt liegt. Beim Angriff auf Konvois wirkt das bescheuert.
  • Der Fokus, der die Zeit verlangsamt, ist ein nettes Gimmick und möglicherweise eine gute Hilfe für absolute Newbies, aber im Schnitt überflüssig. Es gibt zwar einen freischaltbaren UPlay-Erfolg, wenn man vier Gegner mit dem Fokus erlegt hat, sonst ist die Funktion aber überflüssig. Da hätte man mehr draus machen können.
  • Die meisten Gegner sind einfach zu doof. Da hatte Far Cry 1 (2004) mehr Power in der KI und kreiste im Team den Feind ein. Zwar sind manche Schützen sehr gut, aber wer sich gut versteckt und die Position hin und wieder wechselt, hat keine Probleme.
  • Besonders absurd wirkt es, wenn man sich beispielsweise versteckt, einen von zwei Gegnern, die in der Nähe zu einander stehen, lautlos mit der schallschutzgedämpften Pistole erlegt und der zweite überhaupt nichts unternimmt, obwohl er Aiden hat schießen sehen und das rote Dreieck kurz aufleuchtete.
  • Scharfschützen sehen Aiden auf Distanz erst dann, wenn er mit dem Laser erfasst wurde. Das wirkt am helligten Tage unrealistisch.
  • Gegner per Funk zu sprengen, ist ein witziges Gimmick im Spiel. Doch wenn der Feind das IED findet, es schnell wegwirft und woanders detonieren lässt, glauben alle Gegner (selbst der, der es weggeworfen hat), die Bombe wäre vom Feind oder der Feind befände sich an der Stelle der Detonation. Total bekloppt!
  • Die Gegner hören einen auch nicht, wenn man von hinten anrennt, um sie mit dem Schlagstock umzunieten.
  • Der einzige knackige Gegner ist der Vollstrecker.
  • Abgesehen von ihm sind alle Gegner zu stark berechenbar.
  • Polizei-Hubschrauber sind zu harmlos.
  • Das Ausschalten von Polizei-Hubschraubern wäre wirklich klasse, wenn nicht der Blickwinkel (bei der Autofahrt) derart tief ist, dass man ihn erst erfassen kann, wenn man weiter weg ist.
  • Die meisten Waffen sind eigentlich überflüssig, unterscheiden sich kaum und haben auch keine Auswirkung auf das Spiel (im Sinne von Boni für Waffenkäufe).

Fazit

„Watch Dogs“ ist ein grandioses Spiel, auch wenn hier kein einziger positiver Punkt aufgeführt wurde. Umso mehr verwundern auf der anderen Seite die zahlreichen Bugs und nervigen Probleme. Dabei muss man vor allem die schlechte Steuerung der Autos und die vergeudete Chance, eine schmerzende Gesellschaftskritik im Spiel einzubauen, hervorheben. Das ist schade, wirklich sehr schade. Bleibt zu hoffen, dass Watch Dogs 2 mehr Paranoia bietet.

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