…den habe ich nun völlig verloren. Nach all meinen Randbemerkungen weiß ich nicht mehr direkt, wo ich anknüpfen soll. Aber mal schaun… ich erinnere mich dunkel daran, dass ich vom Vorbereitungscamp erzählt habe. Aber bei weitem nicht alles Interessante. Rückblickend muss ich noch einmal unterstreichen, wie faszienierend es war, mit doch so unterschiedlichen Kulturen zwei Wochen zu verbringen. So erzählte mir ein Kolumbianer, wie Kolumbien denn nun hinter den klischeehaften Hollywood-Fassaden ausschaut. Nein, die Essen keine Drogen zum Frühstück, weil die so viele haben. Und nein, es gibt auch noch andere wichtige Themen in diesem Land. VIELE Klischees wurden diskutiert, und es war immer SEHR interessant. Zwar mag für uns Deutsche die französische Kultur auch ein wenig anders erscheinen, aber stell Dir mal den Kulturschock für eine aus Honduras vor. Da sind unsere deutsche-französischen Differenzen schier lächerlich dagegen.

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Dorfdisse und „Superscheiße“

Ja, die Vorurteile sprechen für sich, aber eine Dorfdiskothek in Frankreich ist genauso gut oder schlimm wie eine Dorfdisse in Deutschland. Am letzten Samstag des Camps (am Dienstag ging’s in die Projekte) fuhren wir nun gemeinsam mit 4 oder 5 größeren Bussen zum Tanzen dorthin. Anfänglich war die Mucke grottenschlecht – aber das ist ja bekanntlich geschmackssache, und über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten -, doch mit nur 2 Euro/Bier und später dann doch sehr geiler Musik war es dann supertoll. Apropos super: Die Franzosen hängen gerne zum Superlativieren (geiles Wort, gelle?) ein „Super“ davor. Eine Teamerin (31 Jahre, gut ausgestattet, ledig) hatte zwei Jahre in Hannover studiert, und so war es dann immer très amusemant, als sie nur im nicht-nüchteren Zustand probierte, deutsch zu sprechen. Anyway. Auf einmal haute sie „superscheiße“ raus und lachte… Wir sechs Deutschen wunderten uns und lachten mit. Superscheiße kannten selbst wir noch nicht. Nun denn: Die Disse endete – ich glaube – pünktlich um 3 oder 4 Uhr. Licht wurde angemacht und alle Leute wurden zack zack rausgeschmissen. Ahjaaaa…

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Seine Brücke, sein Papst, sein Awingiong

So, wieder mal abgedriftet. Vielleicht schaffe ich es ja bei einem Eintrag ‚mal, beim Thema zu bleiben?! Ich glaube nicht…. Nicht an allen Tagen hatten wir Französisch-Unterricht, so z.B. als wir ’nen Ausflug nach Avignon und ein paar Tage später nach Lyon gemacht haben. Jeder kennt’s: Sur le pongg d’Avignon… blablabla. Das Lied geht mir genau so auf die Nüsse, wie die Stadt selbst. Es war wohl der langweiligste Ausflug meines Lebens. Und eigentlich ist nur der Papst daran Schuld. Zumindest deren Institution. Denn – und das war wirklich das einzig Interessannte an dem Ausflug – in Avignon herrschte einst der Papst. Das war so im 14. und 15. Jahrhundert als permanent zwei Päpste gewählt wurden. Jepp, zwei! Einer saß in Rom, der andere in Avignon, Kandidat des französischen Königreiches. Insgesamt residierten in Avignon sieben Päpste, hinzu kamen fünf „Gegenpäpste“ (alle in der Zeit von 1305 bis 1430). Das war mir neu.

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Etikettenschwindel

Die Brücke, der schreckliche Touri-Treffpunkt, war grottenhässlich und zählt aus mir nicht ersichtlichen Gründen zum UNESCO-Welterbe. Gut sie ist alt (12. Jahrhundert), aber rein biologisch betrachtet, dürfte es die Brücke gar nicht mehr geben. Nur ein Viertel hat überlebt. Najaaa…. Übrigens: Avignon wie Lampion aussprechen; nicht Awiohn (das heißt auf französisch „Flugzeug“), sondern A-wing-iong. Egal, Avignon besuche ich eh nie wieder. Bevor wir zur Brücke gingen, besuchten wir den Papst-Palast. Da es an einem Sonntag im Jahr in Frankreich freien Eintritt in alle Museen gibt, und dieser rein zufällig auch noch an diesem Tag lag, blieb uns nichts anderes spart, als dort hineinzugehen. Äußerlich imposant, aber von Innen reiner Etikettenschwindel! So hörte man vom MP3-Player: Ja, und hieeerrr sehen wir den Saal, wo der Papst gegessen hatte. Immer erhöht, und er besaß als einziger ein Messer in dem Raum, der immer neu einen Tag zuvor gefertigt wurde und mit Elfenbein-Stiel versehen war. JENAU! Leider ist bei dem großen Brand im 15. Jahrhundert die komplette Innen-Einrichtung zerstört worde, aber blablabla. So ging das die ganze Zeit. Fast nüscht existierte mehr in den unzähligen Räumen, so schaute man auf die immer gleich aussehende Fassade. Mächtig gewaltig, Egon! Jo, und das war’s auch… ein bisschen noch die Altstadt angeschaut, Ende Banane und tschüss!