Im Gegensatz zu Avignon gefällt mir Lyon richtig gut. Ich ziehe dort hin! Lyon ist der zweitgrößte Ballungsraum Frankreichs, riesen groß und das Stadtbild ist einfach fabelhaft. Die Architektur …uuaaa!!! Als „französische Hauptstadt der Gastronomie“ kommt mir das sehr gelegen. Ach ja: Und in Lyon wurde übrigens das Kino erfunden! Nun, über den Ausflug, der ja immer nur einen GANZ kleinen Bruchteil der Stadt wiederspiegelt, möchte ich nicht all zu viele Worte verlieren. Abbé Pierre (der die Emmaüs Community gegründet hat) wurde übrigens in dieser Stadt geboren, die 43 v. Chr. von den Römern gegründet wurde. Blablabla. Hier gibt’s weitere Infos mit einigen Fotos: http://www.lyon.fr/vdl/sections/en/

Zeitgleis

Nach nur knapp zwei Wochen war es dann endlich so weit: Das Camp war vorbei. Aber zum Abschied wurde noch mal richtig auf die Kacke gehauen. Party, Party, Party; auch mit einigen „Hauptamtlichen“ von der Emmaüs Community. Viele Spiele, viel Alkohol, viel Musik, und eigentlich kein Schlaf. Ein nettes Spiel habe ich dann aus Deutschland mitgebracht. Bei meinem Vorbereitungscamp (in Deutschland gab es sogar drei für die, die ins Ausland gingen) musste zum Abschied jeder eine DINA4-Seite auf seinen Rücken mit Tesafilm kleben, und jeder musste bei den anderen was nettes raufschreiben. Grüße, Wünsche und so weiter… Das interessante: Der Umschlug, in dem der Brief danach reingesteckt und versiegelt wurde, durfte erst geöffnet werden, wenn man in sein Projekt angekommen ist. Nicht vorher.

Jeder Abschied fällt schwer!

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Nach ca. 43 Minuten Schlaf klingelte am 27. Oktober dann der Wecker. Schwerer Abschied, denn sowohl die Teamer der Organisation „Jeunesse et Reconstruction“ als auch alle Volunteers waren echt super, und ich hatte wirklich einen riesen Spaß mit den Leuten. Es war rückblickend wirklich erstaunlich, dass trotz der doch teilweise sooo unterschiedlichen Kulturen ein unglaubliches Gruppengefühl entstand und wir uns prima verstanden haben. Innerhalb von vier Stunden war ich dann mit dem TGV in Montauban (über Toulouse) angekommen. Wie ich schon vor dem Freiwilligen-Jahr als auch noch einmal konkreter während des Camps erfuhr, liegt mein Projekt sehr idyllisch im Süden Frankreichs. Ungefähr 80 Kilometer nördlich von Toulouse und ca. 30 Km vom nächsten Bahnhof entfernt. Jepp, 30 Km! Denn die Schule, das Internat, die Maison (wie auch immer) liegt wirklich zwischen Nirgendwo und Gar nichts. Aber die Ausläufer das Zentralmassiv lassen hier noch fabelhaft die Landschaft verzaubern. Am Bahnhof von Montauban wurde ich dann von einem „Educateur“ abgeholt. Und mal wieder habe ich die Krise gekriegt, wie die Franzosen Auto fahren. Unangeschnallt im Eiltemp durch Enge Gassen auf dem Lande und durch Dörfer. Aber dieses Mal habe ich es überlebt.

Maison Saint Rock

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Die „Maison“ heißt Saint Roch und wird St. ROCK ausgesprochen. Schick! Wir kamen an und mir wurde schon ein wenig die Maison gezeigt. Aber was es hier genau gibt, das erfahrt ihr später hier im Blog. Vielleicht eines noch, recht amüsantes. Alain Louda (wie Luder ausgesprochen) ist der Boss aller Educators, Pierre Sorney der Direktor des Ganzen. Alain zeigte mir mein Zimmer: Ein Zimmer, nicht groß und die Wände sind nicht sonderlich dick, so dass man ziemlich viel aus dem Haus wahrnimmt. Aber das war’s dann auch mit der Kritik, denn ich habe eine eigene (verdammt neue) Küche mit großem Kühlschrank, Herd, Mikrowelle, Schränken und neuer Utensilien, was wirklich eher die Ausnahme für Voluntäre ist. Ich sah so manche Küchen bei anderen, die hatten ein Waschbecken, daneben stand eine kleine Herdplatte. Ende Banane. Wirklich Luxus! Auch das Bad -zwar eng- dafür absolut neu. Ein Schreibtisch. Ein Fernseher (mit immerhin 5 Kanälen). Zwei Betten. Zwei Fenster, mit Blick auf eine schöne Landschaft. Alles in allem überwiegen da die Vorteile und ich bin hier sehr zufrieden.

In Unterhose vor dem Direktor

Nun kam es halt, dass es Abend wurde. Ich glaube, dass passiert hier täglich. Ich war extrem fertig von der langen Nacht und dem kurzen Schlaf, so dass ich beschloss, nicht zum Abendessen zu gehen. Ich bevorzugte das Auspacken meiner Sachen und das Einpacken meinerseits in eines der beiden Betten. Es klopfte so zwischen 22 und 23 Uhr. Schlaftrunken stand ich leicht bekleidet vor dem Direktor, den ich bisher nur von nem Foto her kannte. Das war so das dämlichste und zugleich lustigste, was man sich als „erste Begrüßung“ nur vorstellen konnte. Nun muss man wissen, mein Französisch ist zwar auf gutem Wege, aber es wird noch ne ganze Weile brauchen, bis ich mich richtig unterhalten kann. Ich sprach/spreche kaum französisch, der Direktor aber kein Wort Englisch. Fabelhaft. In Unterhose erkannte ich ihn dann und sagte völlig müde, aber erstaund: „ahh… Du bist also der Direktor“ auf Französisch. Dass man einen Direktor nicht dutzen sollte, fiel mir ungefähr eine Sekunde später wieder ein. Zu spät! Er nahm es mit Humor. Und der Direktor ist wirklich nett und sehr amüsant. Leider ist das auch ein Problem, denn er redet häufig sehr ironisch, und das Problem ist halt, dass man nie wirklich weiß, ob er es denn nun ironisch meint oder nicht. Ganz abgesehen davon, ob man sein Französisch verstanden hat, oder nicht. Weil ich nicht zum Essen kam, und er sich wunderte, warum ich denn nicht gekommen bin, kam er halt, um mich zu begrüßen. Leider verstand ich nicht alles, aber letztendlich hat das Gespräch dann doch hingehauen. Es war wirklich filmreif!

Nach dem Auspacken las ich dann am Abend noch meinen Brief, der von fast allen Volunteers befüllt wurde. Ich freute mich sehr, zu Beginn des ungewissen Neustarts einen gewissen Motivationsschub zu erhalten:

  • Hello Babe! U are Great person and mercible guy. I hope we always stay in touch. Love you honey. UR amazing, Yvonne
  • Du Berliner Blödelbarde, ick werd den Spaß mit Dir vermissen. (Das nachfolgende ist nicht jugendfrei, und habe es daher ausgelassen).
  • You are a very cool brother and I love the way U regard Christians as one because it shows you regard all races as equal. Allt the Best, Bena
  • Don’t stop making people laugh, it’s really good and make things good in life. Solen
  • Good to have known you hope to see you in january. Kuuku.
  • Sebas: You are a nice person… good luck… Amy
  • Dear, you’re a very nice, very funny! Thanks for all. Good look!
  • So I want to see you again the times. it’s been possible… hayyy. Bonito… Tatiana Baby
  • Sebas: Sorry for bordered you so much but anyways is your fault for being so nice. And Remember you are HOT! Jajaja. Nice meeting you. Elly
  • Hey, I will miss your funny jokes.
  • I’ll miss your funny way! You are very special. Mariel
  • Danke für Deinen Humor! Trotzdem kann man ernst mit Dir reden. Super Mischung! Jane
  • Sebas Admir tu fuerza mental quisiera aprender mas de usted Vamos siempre adelante.
  • Perfect your English! U are an OK guy. Kahoro.
  • I like you baby really I think you’re a nice person and I never go to forget you. Tatiana
  • Hey Sebastian, I had a really nice time with you and I hope you enjoyed it. I hope you’ll have a nice time in your project and when you wish to come to Paris, just call! Gaby
  • Sebastian I enjoyed a lot spending time with you, you make me laugh. I’ll miss you. HB.Der andere Berliner: Alles gut, sei nicht „upset“ – es wird insgesamt sehr gut! Anton
  • Sebas sos abierto, sos musicq et lenguaje universal (Isabel)
  • It’s nice knowing you. You’re a nice Character. Keep it up.
  • Have Fun in France during your year.
  • Hallihallo lieber Sebastian. Darf ich Dich als letzte „anmachen“, es sei denn wir sehen uns in Paris? Liebe Grüße, Sarah